Studie: USA werden international immer negativer wahrgenommen

Deutliche Diskrepanz: Während Frankreichs Präsident Macron (l.) und Kanzlerin Merkel relativ hohes Vertrauen genießen, erreichen die USA unter Präsident Donald Trump immer neue Tiefststände (Archivbild vom NATO-Gipfel 2019 in London). [EPA-EFE/PETER NICHOLLS / POOL]

Die internationale Sympathie für die USA ist auf neue Rekord-Tiefststände gesunken, so eine Umfrage des Pew Research Center in 13 Ländern. Vor allem werden das mangelnde Vertrauen in die außenpolitischen Entscheidungen von Präsident Donald Trump sowie die unzureichende Reaktion des Landes auf das Coronavirus hervorgehoben.

Die am Dienstag veröffentlichte neueste Ausgabe der Umfrage „Global Attitudes“ des Forschungszentrums zeigt, dass eine überwältigende Mehrheit der 13.273 Personen, die zwischen Juni und August befragt wurden, die USA und Präsident Trump eher negativ einschätzt.

Nur 26 Prozent der deutschen Befragten zeigten eine positive Einstellung zu den USA. Es ist ein Tiefpunkt, der bisher lediglich einmal, in der Umfrage vom März 2003 auf dem Höhepunkt der Meinungsverschiedenheiten zum Thema Irak-Krieg, erreicht wurde. Auch in Frankreich gaben lediglich 31 Prozent der Befragten an, eine positive Meinung von den USA zu haben, was ebenfalls den Werten von März 2003 ähnelt.

41 Prozent der Britinnen und Briten sehen die USA positiv. Das ist der bisher niedrigste Zustimmungswert in der 20-jährigen Geschichte der Umfrage.

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In Bezug auf Donald Trump sind die Zahlen noch verheerender: Lediglich jeder zehnte deutsche Befragte gibt an, Vertrauen in den US-Präsidenten zu haben. In Frankreich sind es mit elf Prozent ähnlich wenige. Den höchsten Wert unter den befragten europäischen Ländern weist erneut das Vereinigte Königreich auf, wo 19 Prozent Trump vertrauen.

Faktisch würden somit weniger Befragte Trump vertrauen als dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping oder dem russischen Staatschef Wladimir Putin.

„Ich glaube, dass es nach wie vor Bewunderung für die Vereinigten Staaten gibt, aber diese könnte sehr schnell schwinden – vor allem, wenn Trump wiedergewählt wird,“ kommentierte Sudha David-Wilp, stellvertretende Direktorin des Berliner Büros des German Marshall Fund, gegenüber der Washington Post.

Europäische Führungen deutlich beliebter

Während Trumps internationale Zustimmung also noch weiter gesunken ist, genießen die europäischen Staats- und Regierungschefs ein relativ hohes Maß an Vertrauen.

Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel wird dabei am positivsten wahrgenommen: 76 Prozent aller Befragten in den 13 Länder gaben an, sie würden Merkel zutrauen, „in internationalen Angelegenheiten das Richtige zu tun“. An zweiter Stelle folgt mit 64 Prozent der französische Präsident Emmanuel Macron – trotz einer deutlich geringeren Zustimmung (52 Prozent) in seinem Heimatland.

Auch der britische Premierminister Boris Johnson steht trotz der anhaltenden Kontroversen um den Brexit und das Folge-Abkommen mit der EU deutlich besser da als Trump: 48 Prozent aller Befragten gaben an, Vertrauen in seine Entscheidungen in internationalen Angelegenheiten zu haben; 46 Prozent sagten, sie hätten kein Vertrauen in Johnson.

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Effekte der Pandemie

Seit Trump 2016 sein Amt antrat, hat die Sympathie für die USA in den meisten Ländern gegenüber der vergleichsweise hohen Unterstützung unter Präsident Barack Obama stark abgenommen. Die Zahlen für 2020 stellen jedoch selbst gegenüber 2019 einen deutlichen Einbruch dar: Die Umfrage zeigt, dass die Unterstützung im Vergleich zum Vorjahr in Deutschland um 13 Prozentpunkte, in Frankreich um 17 Prozentpunkte und im Vereinigten Königreich um 16 Prozentpunkte zurückgegangen ist.

Angesichts vorheriger Umfragen in den ersten Wochen der Pandemie gehen die Autorinnen und Autoren der Studie davon aus, dass „ein Teil des Rückgangs im vergangenen Jahr damit zusammenhängt, wie die USA mit der Coronavirus-Pandemie umgegangen sind“.

In der 13-Länder-Studie bewerten demnach 84 Prozent der Befragten die Reaktion Washingtons auf die Pandemie entweder als „eher schlecht“ (32 Prozent) oder als „sehr schlecht“ (53 Prozent). In vielen europäischen Ländern ist diese Zahl deutlich höher: 92 Prozent der dänischen, 88 Prozent der deutschen und 87 Prozent der belgischen Befragten bewerten die Maßnahmen des Landes zur Eindämmung des Virus negativ.

Die USA haben mit aktuell mehr als 6,6 Millionen Infizierten und fast 196.000 Todesfällen (Stand: Mittwochmorgen) weiterhin die weltweit mit Abstand höchste Zahl an Coronavirus-Fällen.

Während die Anzahl der täglichen Neuinfektionen von ihrem Höchststand im Juli und August zurückgegangen sind, nannte der Coronavirus-Berater des Weißen Hauses, Dr. Anthony Fauci, in der vergangenen Woche die jüngsten Daten dennoch erneut „beunruhigend“. Er warnte: „Wir haben immer noch ein Niveau von etwa 40.000 neuen Fällen pro Tag; und die Zahl der Todesfälle liegt bei etwa 1.000 täglich.“

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Trump hingegen hat sich wiederholt für seinen Umgang mit dem Coronavirus selbst gelobt. Erst am vergangenen Wochenende behauptete er in einem Interview mit Fox News, er habe „unglaubliche Schritte“ unternommen, wie zum Beispiel Einreiseverbote für Menschen aus China und der EU in den frühen Tagen der Pandemie.

Im Gegensatz dazu sehen viele die systematische Verharmlosung des Virus durch Trump, gerade zu Beginn der Pandemie, als einen der Gründe für die Schwierigkeiten der USA bei der Eindämmung des Virus. Am 27. Februar behauptete er beispielsweise, das Virus werde „verschwinden: Eines Tages, wie ein Wunder, wird es verschwinden“.

Am Wochenende kehrten diese Aussagen wieder in die US-amerikanischen Nachrichten zurück, nachdem der bekannte Journalist Bob Woodward mehrere Aufnahmen von Gesprächen mit dem Präsidenten veröffentlicht hatte. Darin bezeichnet Trump das Coronavirus als „tödliches Zeug“ – obwohl er öffentlich einen gänzlich anderen Ton anschlug.

Diese Diskrepanz sei Absicht gewesen, sagte Trump Woodward in einer Aufnahme vom März: „Ich wollte es immer herunterspielen. Ich spiele es auch immer noch gern herunter, weil ich keine Panik erzeugen will.“

[Bearbeitet von Tim Steins]

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