Pflanzenwelt in Burkina Faso: Bedrohlich bedroht

Klimaversicherungen haben für die Landwirtschaft in Entwicklungsländern unerwünschte Nebenwirkungen. [Hrusa/dpa, Archiv]

Der Großteil der Bevölkerung in Burkina Faso ist auf pflanzliche Produkte angewiesen. Doch nicht nur die Wüstenbildung gefährdet die Ernährungssicherheit in dem armen Land. Auch ein großer Teil der dortigen Pflanzenwelt ist stark bedroht, zeigt eine Studie.

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt, und als Agrarland akut von wachsendem Hunger durch sinkende Ernteerträge bedroht. Denn ein großer Teil der Pflanzenwelt ist akut gefährdet, zeigt nun eine Untersuchung.

In dem westafrikanischen Land lebt ein Großteil der 17 Millionen Einwohner im ländlichen Raum und ist auf pflanzliche Erzeugnisse angewiesen – über 50 Prozent der dortigen Pflanzenarten werden für traditionelle Medizin, Lebensmittel und Tierfutter verwendet. 80 bis 90 Prozent der Menschen leben als Selbstversorger von der Landwirtschaft, die rund 30-40 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) beiträt.

Doch ein erheblicher Teil der dortigen Pflanzenwelt könnte bald verschwinden, warnen Wissenschaftler vom Senckenberg-Forschungsinstitut, die gemeinsam mit einem internationalen Team aus Genf, Göteborg und Ouagadougou die gesamten Farn- und Blütenpflanzen des Landes aufgelistet und untersucht haben.  Das Ergebnis: Nicht nur wiederkehrende Dürren und erodierte Böden lassen die Erträge immer weiter schrumpfen und bringen immer mehr Kleinbauern der in der trockenen Sahelzone liegenden nördlichen Landesteile Burkina Fasos in existenzielle Not.

"Die SDGs gelten für Frankreich wie auch für Burkina Faso"

Die Entwicklungsagenturen müssen ihren Ansatz in Afrika an die tatsächlichen Gegebenheiten auf dem Kontinent anpassen, fordert der Vorsitzende der Französischen Entwicklungsagentur.

Das Ergebnis der kürzlich im Fachjournal „Phytotaxa“ erschienenen Studie alarmiert auch die Forscher. „Bisher hatte man keine Vorstellung, wie viele dieser Pflanzenarten in ihrem Fortbestand gefährdet sind – unsere neuen Ergebnisse zeigen nun, dass 22 Prozent der Flora Burkina Fasos bedroht sind“, sagt Georg Zizka, Botaniker am Senckenberg Forschungsinstitut in Frankfurt.

Es ist zum einen der Klimawandel und die Verödung von ehemals fruchtbaren Böden, die Burkina Faso ebenso wie viele andere Ländern  des Globalen Südens besonders hart trifft. Laut dem Übereinkommen der Vereinten Nationen zur Bekämpfung der Wüstenbildung (UNCCD) ist bereits die Hälfte aller Agrarflächen rund um den Erdball von Verödung betroffen, jedes Jahr verliert die Erde demnach zwölf Millionen Hektar an Ackerland – 23 Hektar pro Minute.

In Zukunft sei zudem sowohl mit einem Bevölkerungswachstum als auch mit einer Zunahme der Landnutzung zu rechnen – zwei Faktoren, die die Vielfalt der Flora beeinträchtigen werden, so Zizka. Hinzu komme außerdem eine verstärkte Einführung von nicht-heimischen Pflanzen, mahnt er.

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Die Entwicklungsagenturen müssen ihren Ansatz in Afrika an die tatsächlichen Gegebenheiten auf dem Kontinent anpassen, fordert der Vorsitzende der Französischen Entwicklungsagentur.

Wie fatal die Folgen für Burkina Faso – eines der zehn ärmsten Länder der Welt mit einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 59 Jahren und einer Kindersterblichkeit von fast zehn Prozent – wären, wird schnell deutlich, wenn man die aktuellen Bedingungen betrachtet.

Ein Großteil der Bevölkerung Burkina Fasos leidet schon jetzt unter der Nahrungsmittelknappheit, vor allem in jenen zwei bis drei Monaten des Jahres, in denen die Ernte noch auf sich warten lässt, die Getreidespeicher aber schon leer sind. Gepaart mit den Standortnachteilen des Landes – ungünstige Binnenlage mit hohen Transportkosten, Marktferne, Mangel an preisgünstigen Energiequellen, kaum Bodenschätze, geringes Ausbildungs- und Produktivitätsniveau – könnte das Sterben der Flora schlimme Folgen haben.

Zwar gibt es angesichts des knappen Wassers und karger Böden internationale Projekte, die helfen sollen, die vorhandenen Naturressourcen bestmöglich zu nutzen udn auch den Gartenbau zu fördern. Das Forscherteam um Georg Zizka fordert jedoch mit Blick auf seine Studienergebnisse, dass zudem auch sinnvolle Schutzmaßnahmen für die überlebenswichtige Flora rechtzeitig ergriffen werden müssen. Anteil unterernährter Kinder innerhalb eines Jahrzehnts um mehr als ein Drittel, ist aber mit 30 Prozent (2015) immer noch sehr hoch.

 

 

 

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