Spannungen zwischen Ankara und Athen weiten sich auf Nordägäis aus

Das türkische Forschungsschiff war in internationalen Gewässern im offenen Meer zwischen den griechischen Inseln Lemnos und Agios Efstratios unterwegs. [OPIS Zagreb/ Shutterstock]

Vier griechische Kampfjets haben angeblich das Forschungsschiff Çeşme “bedrängt”, während es in internationalen Gewässern im breiteren Bereich der nördlichen Ägäis segelte. Das behaupteten Quellen des türkischen Verteidigungsministeriums am Dienstag (23. Februar). 

Nach Angaben der staatlichen türkischen Nachrichtenagentur Anadolu warf eines der griechischen Kampfflugzeuge eine Düppelpatrone zur Radartäuschung einige Seemeilen von der Çeşme entfernt ab. Ankara habe mit einer „notwendigen Vergeltung […] in Übereinstimmung mit den Regeln“ reagiert, erklärte der türkische Verteidigungsminister Hulusi Akar.

Das griechische Verteidigungsministerium hingegen wies die Behauptungen entschlossen zurück. Das Ministerium betonte, dass die griechischen Streitkräfte nicht in der Nähe des Schiffes operieren und dass keine griechischen Jets das Schiff überflogen haben. Ferner gab die griechische Behörde an, dass es keine Reaktion seitens türkischer Kampfflugzeuge gegeben habe.

Bohrungen vor Zypern: EU droht Türkei mit Sanktionen

Die Europäische Union könnte die Kontakte zu und die Finanzmittel für Ankara als Vergeltung für die angeblich „illegalen“ Gas- und Ölbohrungen der Türkei vor Zypern einschränken.

Das türkische Forschungsschiff war am Montag (22. Februar) in internationalen Gewässern im offenen Meer zwischen den griechischen Inseln Lemnos und Agios Efstratios unterwegs. Obwohl sich keine griechischen oder türkischen Schiffe in der Nähe der Çeşme befanden, überwachte die griechische Küstenwache seine Bewegungen.

Nach Angaben des türkischen Verteidigungsministeriums wird das Schiff bis zum 2. März „hydrographische Forschungen“ in der nördlichen Ägäis durchführen. 

Ankara hat zudem beschlossen, zwischen dem 25. Februar und dem 7. März eine groß angelegte Marineübung in der Ägäis und im Mittelmeer unter dem provokativen Namen „Mavi Vatan“ (Blaue Heimat) durchzuführen.

Die türkischen Seestreitkräfte werden die Übung unter Beteiligung der türkischen Armee und der Luftwaffe durchführen, teilte das türkische Verteidigungsministerium mit.

Diplomatische Quellen, die mit EURACTIV.gr sprachen, erwarten, dass Ankara seine Provokationen auf See gegen Athen vom östlichen Mittelmeer und der südlichen Ägäis in die mittlere und nördliche Ägäis „verlegen“ wird.

Griechenland drängt auf Sanktionen gegen die Türkei, EU wünscht sich Dialog

Der griechische Außenminister wird die EU heute voraussichtlich um eine Liste möglicher Sanktionen gegen die Türkei bitten. Allerdings teilten EU-Quellen bereits mit, man wolle dem Dialog Vorrang einräumen.

Auf die Manöver der Türkei im Meer zwischen Griechenland und Zypern reagierten bereits die Staats- und RegierungschefInnen der EU mit einer offiziellen Erklärung. Man werde Gegenmaßnahmen ergreifen, wenn die Provokationen nicht aufhören würden, hieß es darin.

Es scheint, dass die Türkei – die seit langem mit Griechenland über die Seehoheit streitet – nun versucht, die Spannungen in ein anderes Seegebiet zu verlagern, in dem sie sich vor möglichen EU-Sanktionen „sicher“ fühlt. 

Griechische Medien berichteten ebenfalls, dass die neue Provokation Ankaras darauf abzielt, die laufenden Sondierungsgespräche zwischen den beiden Ländern zu untergraben.

Die NATO ihrerseits besteht darauf, dass anstehende Fragen zwischen Athen und Ankara diskutiert und gelöst werden könnten, indem die NATO als Plattform für Koordination und Kooperation genutzt wird.

„Es gibt Probleme, aber die NATO bietet eine Plattform, um nach positiven Ansätzen und Wegen zur Lösung einiger dieser Probleme zu suchen“, erklärte Stoltenberg auf einer Pressekonferenz am 17. Februar.

Weniger Europa, mehr NATO im Griechenland-Türkei Konflikt

Die ungelösten Probleme zwischen Athen und Ankara könnten diskutiert und gelöst werden, indem man die NATO als Koordinations- und Kooperationsplattform nutzt, betonte NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg auf einer Pressekonferenz.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN