Serbischer Politiker im Kosovo erschossen

Oliver Ivanovic, ein serbischer Politiker im Kosovo, wurde heute früh im Nordkosovo ermordet. [EPA-EFE/Andrej Cukic]

Ein bekannter politischer Führer der Serben im Kosovo ist heute im Nordkosovo erschossen worden. Nun wird befürchtet, dass die Spannungen auf dem Balkan wieder zunehmen könnten. Die serbische Delegation hat Gespräche mit kosovarischen Verhandlungspartnern in Brüssel ausgesetzt.

Die Ermordung Oliver Ivanovićs könnte erneut zu Spannungen in der ehemaligen serbischen Provinz führen, die sich 2008 unabhängig erklärt hatte. Der Fall ereignete sich außerdem zu einem Zeitpunkt, an dem Serbien und Kosovo ihre Verhandlungsgespräche wieder aufnehmen wollten, um ihre jeweiligen EU-Perspektiven zu verbessern.

Bisher nicht bekannte Täter schossen am heutigen Dienstagmorgen in Kosovska Mitrovica auf Ivanović, den Chef der Partei Srbija, demokratija, pravda (Serbien, Demokratie, Recht). Er erlag später im Krankenhaus seinen Verletzungen.

Serbiens Präsident Aleksandar Vučić, der den EU-Beitritt seines Landes zur Top-Priorität ausgerufen hat, kündigte eine Notsitzung des Nationalen Sicherheitsrats für Dienstagnachmittag an.

Marko Đurić, Chef der serbischen Delegation im EU-geführten Dialog mit dem Kosovo, sagte gegenüber der Nachrichtenagentur Beta in Brüssel, die Attacke auf Ivanović sei „der Versuch, die Serben im Kosovo ins Chaos zu stürzen.“ Er fügte hinzu: „Das ist ein Angriff gegen das gesamte serbische Volk.“

EU-Sprecherin Maja Kocijančič bestätigte, dass „die Dialog-Diskussionen auf technischer Ebene ausgesetzt“ sind. Sie nannte keine weiteren Details.

Serbien: Kein Krieg um den Kosovo

Die Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo sind noch immer angespannt. Eine neue Studie zeigt jedoch, dass eine große Mehrheit der Serben einen bewaffneten Konflikt um die umstrittene Provinz ablehnt. EURACTIV Serbien berichtet.

Die Beziehungen zwischen Serbien und dem Kosovo hatten sich nach dem Krieg Ende der 1990er-Jahre im Jahr 2008 erneut verschlechtert, nachdem die ehemalige Provinz sich unabhängig erklärte. Von serbischer Seite hieß es, man werde dies niemals anerkennen.

Unter dem Druck der Europäischen Union erklärten sich die beiden Parteien allerdings 2013 bereit, in einen von der EU geleiteten Dialog zu treten, durch den die Verbindungen normalisiert werden sollen. Das ist eine Grundvoraussetzung für einen möglichen Beitritt zur Union.

Die Gespräche hätten eigentlich heute fortgeführt werden sollen. Nach dem Mordanschlag im Kosovo ist ihre Zukunft nun aber ungewiss.

„Wir brechen aufgrund des Mordes den technischen Dialog ab und reisen zurück nach Serbien,“ wird Đurić von Serbiens offizieller Nachrichtenagentur Tanjug zitiert.

Bulgarien hatte den Westbalkan zu einer Priorität seines sechsmonatigen EU-Ratsvorsitzes gemacht. Am 17. Mai soll eine hochrangige EU-Westbalkan-Konferenz in Sofia stattfinden.

Juncker unterstützt bulgarische Initiative für den Westbalkan

Die bulgarische Ratspräsidentschaft will die Beitrittsperspektiven der sechs Westbalkanstaaten verbessern.

Bulgariens Premierminister Bojko Borissow verurteilte in einer Pressemitteilung die Ermordung Ivanovićs. „Ich erwarte, dass sich die politischen Führungen und alle Bürger nun vernünftig verhalten und sich zügeln. Die Rechtstaatlichkeit darf nicht in Frage gestellt werden und ich erwarte, dass die Verantwortlichen für dieses Verbrechen zur Rechenschaft gezogen werden. Ich bin überzeugt, dass es keine Alternative zum Dialog zwischen Belgrad und Pristina gibt und dass ein solcher Vorfall den Dialog nicht behindern darf,“ so Borissow.

Auch der Präsident des Kosovo, Hashim Thaçi, verurteilte den Mord und rief die Polizeikräfte dazu auf, den oder die Täter möglichst schnell vor Gericht zu bringen.

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