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18/01/2017

Serbiens Regierungschef fordert mehr Aufmerksamkeit für Balkan

EU-Außenpolitik

Serbiens Regierungschef fordert mehr Aufmerksamkeit für Balkan

Serbiens Regierungschef Aleksandar Vu?i?.

[Franz Johann Morgenbesser/Flickr]

Der serbische Ministerpräsident Aleksandar Vu?i? hat die Europäische Union und besonders Deutschland zu mehr Engagement auf dem Balkan aufgefordert.

Der Balkan brauche „mehr Aufmerksamkeit“, weil dort ein großer Krieg begonnen habe, sagte Vu?i? der „Süddeutschen Zeitung“. Der proeuropäische Politiker warnte vor immer wieder aufflammenden Feindseligkeiten und mahnte die Volksgruppen auf dem Balkan, die „Geisteshaltung zu ändern und sich nicht ständig als Opfer zu stilisieren“.

Der serbische Ministerpräsident war vor zwei Wochen bei der Gedenkfeier zum 20. Jahrestags des Massakers von Srebrenica mit Steinen beworfen worden. Vu?i? sagte, diese Situation sei nicht angenehm gewesen, aber er habe sich vor den Opfern verbeugen wollen.

„Die Serben verstehen, dass die Menschen in Bosnien immens gelitten haben“, sagte der einstige Nationalist, der sich heute für Verständigung einsetzt. Die Probleme dürften nicht bei jedem Jahrestag wieder aufflammen, mahnte Vu?i?, lehnte die Bezeichnung Völkermord für die Massaker aber ab.

Die Serben in der bosnischen Teilrepublik Republika Srpska warnte Vu?i? vor der Abhaltung eines für September geplanten Referendums, das die Abspaltung der serbischen Zone zur Folge haben könnte. Serbien unterstütze diese Politik nicht, sagte Vu?i?. Er plädierte für eine langsame Annäherung seines Landes an das Kosovo, warnte aber davor, die Serben etwa durch die Forderung nach Anerkennung der Unabhängigkeit der früheren Teilrepublik zu überfordern. „Wir tun unser Bestes, um die Situation mit den Kosovaren zu entspannen“, versicherte Vu?i?. Zu den serbischen Asylbewerbern in Deutschland sagte Vu?i?: „Das sind ja keine Asylbewerber. Die wollen nur deutsches Geld.“ Serbien tue sein Bestes, um den Lebensstandard zu verbessern, doch brauche es dafür die Unterstützung Deutschlands. Besondere Sorge würden die Lebensumstände der Roma bereiten, die vor allem nach Deutschland kommen. Vu?i? verwies darauf, dass die finanzielle Unterstützung für Asylbewerber in der Bundesrepublik für viele Serben attraktiv sei. Der Durchschnittslohn in Serbien liegt bei 380 Euro pro Monat.