Serbien und Kroatien in der Aufwärmphase

Die Präsidenten der früheren Konfliktgegner Kroatien und Serbien haben am Montag eine Verbesserung der angespannten Beziehungen angekündigt. [EPA-EFE/STRINGER]

Die Präsidenten der früheren Konfliktgegner Kroatien und Serbien haben am Montag eine Verbesserung der angespannten Beziehungen angekündigt.

Die kroatische Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic sagte am Montag nach einer Unterredung mit ihrem serbischen Kollegen Aleksandar Vucic in Zagrab, leider laste die Geschichte noch immer auf den Beziehungen, so dass derzeit von einem freundschaftlichen Verhältnis nicht die Rede sein könne. Ihr serbischer Gast befand, das Verhältnis müsse sich in Zukunft verbessern.

Vucic traf am Montag zu einem zweitägigen Besuch im Nachbarland ein, dem ersten eines serbischen Staatsoberhaupts seit 2010. Nach dem Ende des Krieges zwischen dem seit 1990 unabhängigen Kroatien und von Belgrad unterstützten serbischen Rebellen gab es eine leichte Besserung im gegenseitigen Verhältnis.

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Nach rund zehn Jahren mit mehr oder weniger Stillstand hat die EU-Kommission gestern ihre neue Strategie für den Westbalkan vorgestellt.

Doch in jüngster Zeit warfen sich die beiden ehemaligen jugoslawischen Teilrepubliken gegenseitig Kriegsverbrechen vor – begangen sowohl zwischen 1991 und 1995 als auch im Zweiten Weltkrieg.

Serbien, seit 2012 EU-Beitrittskandidat, wirft Kroatien vor, Belgrads Verhandlungen mit der Europäischen Union zu behindern. Kroatien ist seit 2013 EU-Mitglied, bereits 2009 trat es dem Nato-Militärbündnis bei.

Beide Staatschefs sagten, sie hätten einen Donau-Grenzstreit, Minderheitenrechte und das Schicksal von mehr als 1900 Vermissten aus den Kriegen der 90er Jahre erörtert. „Wir waren uns bei vielen Fragen nicht einig, bei einigen haben wir uns angenähert und bei anderen wird es in den kommenden Monaten eine Annäherung geben“, resümierte Grabar-Kitarovic.

Serbiens Weg in die EU ist ein langer

Serbien ist in zuletzt zurück ins mediale Bewusstsein gerückt, als es seine Grenzkontrollen in der Flüchtlingskrise verschärfte. Der Balkanstaat, der Teil der wichtigsten Fluchtroute nach Europa ist, ist bereits von einigen Mitgliedsstaaten der EU als „sicherer Herkunftsstaat“ ausgewiesen. Doch Serbiens Weg in die EU ist gepflastert mit Problemen.

Der Grenzstreit soll den beiden Präsidenten zufolge in den kommenden zwei Jahren beigelegt werden. Sollte dies nicht der Fall sein, wollen sie ein internationales Schiedsgericht einschalten. Die Beilegung dieses Streits ist Voraussetzung für den Beitritt Serbiens zur EU.

Gegen Vucics Besuch gab es in Zagreb Proteste mit etwa 400 Menschen, die von Kriegsveteranen und einer kroatischen Rechtsaußenpartei organisiert wurden. Dabei wurde Vucic als „reueloser Aggressor“ und „Tschetnik“ beschimpft. Tschetniks waren während des Zweiten Weltkriegs die nationalserbischen Royalisten, die sowohl gegen die deutsche Wehrmacht als auch gegen Titos kommunistische Partisanen kämpften.

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Serbien ist offizieller Kandidat für einen EU-Beitritt. Doch nun könnte Kroatien die Belgrader EU-Bestrebungen durchkreuzen – der Ton zwischen den einstigen Kriegsgegnern wird ruppiger.

Vucic, ehemaliger Ultranationalist mit mittlerweile gemäßigt proeuropäischen Positionen, antwortete darauf, weder väterlicherseits noch mütterlicherseits habe es in seiner Familie Tschetniks gegeben.

In der als regierungsnah geltenden serbischen Zeitung „Informer“ hieß es unterdessen auf der Titelseite, in Kroatien gebe es angesichts des Vucic-Besuchs eine „Ustascha-Hysterie“. Alle Medien in Zagreb riefen zu „gewalttätigen Protesten“ und zu einem „neuen Krieg“ auf.

Nach Angaben unabhängiger Experten wurden während der mit Hitler kollaborierenden Ustascha-Herrschaft hunderttausende Serben, Juden, Sinti und Roma sowie oppositionelle Kroaten grausam verfolgt und in Lagern umgebracht.