Serbien nutzt Fußball, um geopolitische Ziele im ehemaligen Jugoslawien zu erreichen

Seit 2019 hat die staatliche Telekom Srbija über ihre Tochtergesellschaft Arena Sport, ein regionaler Fernsehsender, der in allen sechs Ländern des ehemaligen Jugoslawiens verfügbar ist, Rechte an den besten Sportwettbewerben der Welt aufgekauft. [Andy Rain/EPA/EFE]

Der serbische Präsident Aleksandar Vučić hat eine Reihe verschiedener, scheinbar harmloser Mittel eingesetzt, um seine politischen Ziele im ehemaligen Jugoslawien zu erreichen, berichtet der serbische Journalist Darko Čačić für EURACTIV Bulgarien.

Seit 2019 hat die staatliche Telekom Srbija über ihre Tochtergesellschaft Arena Sport – ein regionaler Fernsehsender, der in allen sechs Ländern des ehemaligen Jugoslawiens verfügbar ist – Rechte an den besten Sportwettbewerben der Welt aufgekauft.

Kürzlich zahlte Telekom Srbija 100 Millionen Euro pro Saison für die Spiele der Premier League der nächsten sechs Jahre. Das ist etwa achtmal so viel wie der Hauptkonkurrent, das regionale Netz Sport Klub der United Group, zuvor gezahlt hat.

Auch für die UEFA Champions League, die Europa League, die spanischen, italienischen und französischen Spitzenligen und die NBA hat das Unternehmen reichlich gezahlt.

Aber warum sollte der serbische Staatssender Hunderte von Millionen Euro für Sportübertragungsrechte ausgeben?

Wirtschaftlich nicht tragfähig

Professor Marko Milosavljević von der Fakultät für Sozialwissenschaften der Universität Ljubljana sagte, dass sich eine solche Investition in einem so kleinen, relativ armen Markt wirtschaftlich nicht auszahlen könne.

„Wenn man alle Aspekte in Betracht zieht, glaube ich nicht, dass wirtschaftliche Gründe hinter dem Deal stehen, den Telekom Srbija gemacht hat“, sagte Milosavljević gegenüber EURACTIV.

Stattdessen sieht er darin einen Versuch, der privaten United Group zu schaden, deren Kabelbetreiber Serbia Broadband (SBB) regierungskritische TV-Sender wie N1, Nova S und Newsmax Adria ausstrahlt.

Auch der Autor und Wirtschaftsjournalist Mijat Lakićević sieht darin vor allem den Versuch, unabhängige Medien aus dem Markt zu drängen.

„Die Absicht ist, die Nutzer:innen davon abzulenken, die Nachrichtensender der SBB, N1 und Nova S, zu schauen. Vučić macht das schon seit mehreren Jahren, in denen die Telekom Srbija mehrere kleinere Kabelanbieter und TV-Sender aufgekauft hat und dafür deutlich höhere Preise als die marktüblichen zahlt“, so Lakićević gegenüber EURACTIV.

Er wies darauf hin, dass die serbische Regierung gerne Staatsgelder ausgibt, um den Wettbewerb zu unterdrücken oder führende unabhängige TV-Sender zu schwächen.

„Telekom Srbija wird nicht eingesetzt, um den Wettbewerb im Unterhaltungsbereich zu unterdrücken; es geht nicht um Fußball oder Fernsehserien. Das Ziel ist es, die Bürger:innen dazu zu bringen, so wenig wie möglich unabhängige Nachrichtensender zu sehen, und diese Fernsehsender finanziell zu schwächen und sie daran zu hindern, neue Programme und Sendungen zu verbreiten und in sie zu investieren“, so Lakićević.

In einem kürzlich erschienenen Bericht der Initiative für freie Medien auf dem Balkan wurde festgestellt, dass Telekom Srbija dazu benutzt wird, „den kommerziellen Markt zu manipulieren“, „die staatliche Kontrolle über private Medien zu stärken“ und Einfluss zu gewinnen.

Durch die Bereitstellung äußerst populärer Inhalte, wie z. B. die besten Fußballwettbewerbe der Welt, will Telekom Srbija eindeutig Kund:innen des Kabelanbieters SBB abwerben. Und wenn sie erst einmal bei Telekom Srbija unterschrieben haben, könnten sie mit unkritischen Nachrichten konfrontiert werden, während sie von politischen und Korruptionsskandalen abgeschirmt werden.

Eine sanfte Machtübernahme

Milosavljević sieht in der Investition eine Möglichkeit, Telekom Srbija als wichtigen Akteur in der Region zu positionieren und die Soft Power Serbiens zu stärken.

„Durch den Erwerb der Rechte an der ersten Liga erhält Telekom Srbija ein Druckmittel in der gesamten Region, da Telekommunikationsbetreiber, beispielsweise in Kroatien und Slowenien, mit diesem Unternehmen verhandeln müssen, wenn sie in den nächsten sechs Jahren die erste Liga in ihren Paketen haben wollen“, erklärte Milosavljević.

Ein harter Marktkampf, wie der zwischen Telekom und SBB in Serbien, sei auch in anderen Ländern der Region möglich, in denen die Kabelbetreiber der United Group präsent sind, so Milosavljević.

„Dieses Thema hat regionale Auswirkungen. Aufgrund der freundschaftlichen Beziehungen zwischen Vučić und dem slowenischen Premierminister Janez Janša ist eine Einigung zwischen Telekom Srbija und Telekom Slowenien möglich, vor allem wenn man bedenkt, dass beide Unternehmen unter starker staatlicher Kontrolle stehen“, sagte er.

„Ein ähnliches Ergebnis ist in Kroatien wahrscheinlich. Auf diese Weise wird der United Group nicht nur in Serbien, sondern auch in anderen Ländern, in denen sie Kabelbetreiber besitzt, ein potenzieller wirtschaftlicher Schaden zugefügt“, so Milosavljević.

Aufgrund der gestiegenen Verhandlungsmacht wird Telekom Srbija wahrscheinlich den Kauf anderer Programme im Paket zusammen mit den Arena Sport-Kanälen verlangen.

„Zum Beispiel könnte das Paket, das nun teurer ist, den Sender Euronews Serbia enthalten, dessen Partner Telekom Srbija ist. Durch Euronews Serbien kann ein gewisser Einfluss in der Region ausgeübt werden, da die Menschen in Kroatien, Bosnien und Herzegowina und sogar in Slowenien diese Nachrichtenberichte verstehen, die, soweit ich weiß, unter dem starken Einfluss der serbischen Regierung stehen“, sagte Milosavljević.

In ihrem Bericht von letzter Woche über die Fortschritte Serbiens im EU-Beitrittsprozess stellte die Europäische Kommission fest, dass „die politische und wirtschaftliche Einflussnahme auf die Medien weiterhin Anlass zur Sorge gibt“.

[Bearbeitet von Alice Taylor/Zoran Radosavljevic]

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