Senegalesische Milchproduzenten suchen ihren eigenen Weg

Durstige Kühe im Norden Senegals. [shutterstock/BOULENGER Xavier]

This article is part of our special report Die Landwirtschaft als Schlüsselfaktor für Afrikas Aufstieg.

Molkereien im Senegal sind harter Konkurrenz durch europäische Billigexporte ausgesetzt. Das erschwert ihre Entwicklung, berichtet EURACTIV Frankreich.

In Westafrika versucht die Kampagne “Mon lait est local” („Meine Milch ist lokal“), den Konsum inländischer Milch zu bewerben – so etwa in Burkina Faso, Mali, Mauretanien, Niger, Senegal und dem Tschad.

Im Senegal ist das eine große Herausforderung: Zwar gibt es 200.000 Landwirte und einen steigenden Milchverbrauch. Doch er Großteil der verbrauchten Milch kommt als importiertes Pulver aus Europa.

“Im Senegal wird Milch in Form von Milchpulver konsumiert, das mit pflanzlichem Material angereichert wurde,“ erklärt Christian Corniaux von CIRAD, dem französischen Landwirtschafts-Forschungszentrum für internationale Entwicklung.

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Das Milchpulver wird 30 Prozent billiger verkauft als die lokal produzierte Milch. Dafür ist teilweise die Zollpolitik verantwortlich, die importierte Milch bevorteilt. Europäische Milch wird gemäß der gemeinsamen Außentarife der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) mit lediglich fünf Prozent besteuert. Rund 25.000 Tonnen Milch werden daher Jahr für Jahr importiert. Das sind 90 Prozent des nationalen Verbrauchs.

Auf diesem offenen Markt wurde Westafrika mit hochsubventionierter europäischer Milch, für die dringend Absatzmärkte gesucht werden, überflutet. Beschleunigt wurde diese Entwicklung seit 2015 durch die Aufhebung der Milchquoten und den Rückgang des Verbrauchs in Europa. Die europäischen Exporte haben sich seit 2009 laut einer Studie von Oxfam und SOS Faim verdreifacht.

Inländischer Verbrauch

“Milchimporte betreffen im Senegal vor allem den Konsum im urbanen Bereich. Die vorwiegend auf dem Land produzierte, einheimische Milch wird hingegen auch vor allem auf dem Land konsumiert,“ sagt Corniaux.

Derzeit wächst die senegalesische Milchproduktion langsamer als der inländische Milchkonsum. Während sich der Milchverbrauch pro Kopf in Westafrika zwar weiterhin auf niedrigem Niveau befindet (19 kg pro Jahr in den ECOWAS-Staaten), wächst die Nachfrage schnell.

Allerdings halten die Verbraucher kaum nach lokalen Molkereiprodukten Ausschau, da diese teurer sind. Außerdem ist der Wunsch, lokale Produkte zu konsumieren, bisher kein Verkaufsargument.

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„Beispielsweise können die Konsumenten hier nicht wirklich den Unterschied zwischen Butter und Margarine erklären,“ so Corniaux. Zudem haben Produkte, die mit pflanzlichen Fetten wie Palmöl angereichert wurden, die Verbraucher an Produkte mit süßlichem Geschmack gewöhnt.

Einige lokale Initiativen versuchen mittlerweile, professionelle, lokale Produktionsstrukturen aufzubauen, indem sie dem Beispiel von La Laiterie du Berger folgen. Das Unternehmen produziert Dolima-Joghurt mit Milch aus der Region. Durch die Nutzung von Milch kleiner, ländlicher Anbieter, ist es La Laiterie du Berger teilweise gelungen, eine alternative Lieferkette aufzubauen. Allerdings wird seit 2014 ebenfalls bis zu 50 Prozent importiertes Milchpulver verarbeitet, damit die große Nachfrage bedient werden kann.

Mangelnde Produktivität

Ein anderes Hindernis ist die mangelnde Produktivität im Molkereisektor. Zwar ist der senegalesische Viehbestand groß, doch wird er vorwiegend für die Fleisch- statt für die Milchproduktion verwendet. „Bezüglich der Produktivität ist das in etwas so, als würden wir in Frankreich versuchen, Charolais-Rinder zu melken,“ erklärt Corniaux.

Letztlich führe dies zu einer geringen Pro-Kopf-Produktivität des Viehbestandes: Senegalesische Kühe produzieren durchschnittlich nur 300 Liter Milch im Jahr – im Vergleich zu 7000 Litern bei europäischen Rassen.

Hinzu kommt das Thema Futterverfügbarkeit, vor allem während der Trockenzeit. Auch dadurch werden die Entwicklungsmöglichkeiten der Molkereiindustrie stark eingeschränkt.

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Zugleich ermöglichen die Milchpulverimporte aus Europa in einem Land mit einer nach wie vor sehr hohen Armutsquote allerdings auch Zugang zu Milchprodukten zu niedrigen Preisen. Die billigen Importprodukte können die Ernährung der verarmten Stadtbevölkerung sicherstellen.

Wirtschaftspartnerschaftsabkommen

Das Thema Zollschranken ist somit zentral, wenn es darum geht, der Molkereiindustrie Westafrikas Entwicklungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Derzeit ist der Zoll auf Milchpulver mit fünf Prozent schon recht niedrig. Unter dem vorgeschlagenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommen zwischen der EU und ECOWAS würde er komplett verschwinden.

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