Seidenstraße: Baku will Drehkreuz zwischen Asien und Europa werden

Die Betreibergesellschaft des Hafens von Baku unterzeichnete bei dem Treffen weitere Vereinbarungen mit chinesischen und indischen Partnern. [@azmissiongeneva, Twitter]

Im Herzen der geplanten Seidenstraße des 21. Jahrhunderts, die Asien und Europa verbinden soll, erscheint Baku als der natürliche geographische Knotenpunkt zwischen Ost und West. An der ursprünglichen Seidenstraße gelegen, hat die aserbaidschanische Hauptstadt nun das Ziel, eine Freihandelszone nach dem Vorbild Dubais zu werden.

Fast 400 Delegierte kamen in der vergangenen Woche in Baku zum jährlichen Treffen der International Association of Ports and Harbours (IAPH) zusammen.

Am Mittwoch sagte der EU-Kommissar für Europäische Nachbarschaftspolitik Johannes Hahn, der per Video zugeschaltet wurde, die EU werde die wirtschaftliche Entwicklung Bakus weiterhin unterstützen.

„Aserbaidschan ist sehr gut positioniert, um eine Schlüsselrolle bei der Verbindung zwischen Europa und Asien zu spielen, und die Europäische Union wird den Hafen von Baku weiterhin dabei unterstützen, ein internationales Logistik- und Handelszentrum zu werden,“ versprach Hahn.

Die Investitionen der EU-Mitgliedstaaten in die aserbaidschanische Wirtschaft betragen aktuell mehr als 15 Milliarden Dollar, vor allem in den Bereichen Energie, Verkehr und Handel, berichtete der Wirtschaftsminister des Landes, Shahin Mustafayev, am Dienstag. Mehr als 1.500 Unternehmen aus den EU-Mitgliedsländern sind in Aserbaidschan tätig.

Auch Vertreter der Europäischen Kommission waren auf der Konferenz in Baku zugegen, um die im Rahmen des Infrastrukturprogramms für transeuropäische Verkehrsnetze TEN-V angebotenen Finanzierungsinstrumente vorzustellen und Darlehen des Europäischen Fonds für nachhaltige Investitionen sowie der Europäischen Investitionsbank in Aussicht zu stellen.

Druck aus Südostasien

Derweil ist nicht zu ignorieren, dass Südostasien einen deutlichen Sprung nach vorne gemacht zu haben scheint: Chinas „Seidenstraße“-Initiative, bestehend aus Straßen- und Schienenwegen, wird Öl und Gas aus China nach Europa liefern. Die zugesagten Mittel für die geplanten Infrastrukturprojekte in ganz Eurasien belaufen sich inzwischen auf 1,2 Billionen Dollar.

Am Rande der in Baku veranstalteten Konferenz unterzeichnete die Betreibergesellschaft des Hafens von Baku weitere Vereinbarungen mit der chinesischen Lianyungang Port Group, mit der COSCO Shipping Lines Company sowie mit den Hafenverwaltungen des chinesischen Guangzhou Ports und dem indischen Hafen Mumbai.

„Sie [die aserbaidschanische Führung] setzen sehr stark auf diese chinesische Strategie – die maritime und Bahnstrategie – und als Drehscheibe am Kaspischen Meer haben sie auch großes Potenzial,“ sagte Patrick Verhoeven, Geschäftsführer der IAPH, gegenüber EURACTIV.

„Hier sind wir Europäer nur einer von vielen Spielern,“ kommentierte ein EU-Beamter.

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Neue Chancen

Aber auch die europäischen Delegierten sind sich der neuen Chancen bewusst, die sich aus der Öffnung der Handelsbeziehungen gen Osten ergeben. „Ich bin mir nicht sicher, ob Europa in dieser Hinsicht wirklich außen vor bleiben wird,“ betonte Verhoeven.

„Die eigentliche Frage ist, wie der Osten nach Europa blickt und was das Haupt-Einfallstor zum Westen sein wird. Die Transportwege werden wohl überwiegend maritim bleiben, aber nun gibt es bald auch eine Landverbindung.“

„Die Tatsache, dass Cosco neue Terminals in Griechenland gekauft hat, hat die gesamte Perspektive ind er Frage, wo das Tor zu Europa ist, verändert“, fügte Verhoeven hinzu.

„Aserbaidschan hat Potenzial“

Bald soll der internationale Handelshafen Baku die Arbeit aufnehmen. Darüber hinaus hat die Inbetriebnahme der Eisenbahnverbindung Baku-Tiflis-Kars die Transportmöglichkeiten in Aserbaidschan und im Südkaukasus bereits verbessert und ausgeweitet.

„Auch im Energiesektor hat das Land ein enormes Wachstumspotenzial; und aus Sicht der Europäischen Union ist es wichtig, dass wir unsere Energieimporte aus Aserbaidschan weiter steigern können,“ sagte der Europaabgeordnete Sajjad Karim, Ko-Vorsitzender des Parlamentarischen Kooperationsausschusses EU-Aserbaidschan, gegenüber EURACTIV.

Weiter erklärte er, das Land habe darüber hinaus „die Chance, ein echter Verkehrsknotenpunkt und eine Verbindung zwischen Ost und West, Nord und Süd zu sein. Das sind die Ambitionen, die es hat. Und es liegt sicherlich im Interesse Europas, Teil der Verwirklichung dieser Ambitionen zu sein.“

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