Russland mit riesigem Militärmanöver

Weißrussische Panzer während der gemeinsamen russisch-belarussischen Militärübung "Zapad 2017", am 20. September 2017. [Tatiana Zenkovich/EPA/EFE]

Russland startete am Mittwoch das größte Militärmanöver seiner Geschichte. Rund 300.000 russische, sowie weitere chinesische Soldaten nehmen an der Übung teil. Die NATO kritisiert sie als Test für „großangelegte militärische Konflikte“.

Die Übung mit dem Namen ‘Ost 2018’ soll bis zum 17. September in Ostsibirien stattfinden. Das Militärmanöver kommt zu einer Zeit, in der weiterhin Spannungen mit dem Westen in Bezug auf die Ukraine, die Konflikte in Syrien sowie die zahlreichen Vorwürfe gegen russische Einmischung in westliche Politik und Wahlen bestehen bleiben, merkt die bulgarische Zeitung und EURACTIV-Medienpartner Dnevnik an.

Russische Armeevertreter verglichen die Übungen mit „Zapad 81“ (West 81), bei denen vor fast 40 Jahren schätzungsweise 100.000 bis 150.000 Soldaten aus den Staaten des Warschauer Pakts in Osteuropa mobilisiert wurden. Dies waren die größten militärischen Manöver, die jemals während der Sowjetzeit organisiert wurden.

„Sie [die aktuellen Manöver] werden ein wenig wie ‚Zapad 81‘ aussehen, aber deutlich beeindruckender sein,“ kündigte Verteidigungsminister Sergej Shoigu Ende August an. Er erklärte, dass rund 300.000 Soldaten, 36.000 Panzer und gepanzerte Fahrzeuge, 1.000 Flugzeuge und 80 Schiffe teilnehmen werden.

„Stellen Sie sich 36.000 Kriegsmaschinen vor, die sich gleichzeitig bewegen: Panzer, gepanzerte Fahrzeuge und Infanterieträger, und das alles natürlich unter möglichst kampfnahen Bedingungen,“ schwärmte Shoigu enthusiastisch.

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Angeblich werden während der Manöver alle modernen Waffen der russischen Armee getestet, einschließlich der Iskander-Rakete, die nukleare Sprengköpfe transportieren kann, sowie der Panzer T-80 und T-90 und der neuesten Militärjets Su-34 und Su-35. Auf dem Meer wird die russische Marine mehrere Fregatten mit Kalibr-Raketen einsetzen, die bereits in Syrien getestet wurden.

Bei früheren russischen Militärmanövern nahmen im Jahr 2014 rund 155.000 Soldaten teil, während bei einer Übung 2017, die in der Nähe der EU-Grenzen stattfand, „nur“ 12.700 Mann eingesetzt wurden, so Moskau. Aus Sicht der Regierungen der Ukraine und der baltischen Staaten sei diese Zahl jedoch in Wirklichkeit sehr viel höher gewesen.

 “Vorbereitung auf nächsten Weltkrieg”

Russlands Präsident Wladimir Putin, der gerade in Wladiwostok weilt, um dort am Eastern Economic Forum (11.-13. September) teilzunehmen, wird auch die „Ost 2018“-Manöver besuchen. Zum Wirtschaftsforum wird auch Chinas Präsident erwartet.

Der Militärexperte Pavel Felgenhauer wird von der Nachrichtenagentur AFP mit den Worten zitiert, bei der aktuellen Übung gehe es darum, „sich auf einen zukünftigen Weltkrieg vorzubereiten. Der russische Führungsstab geht davon aus, dass ein solcher Krieg nach 2020 ausbricht und sich entweder in einem globalen Krieg oder einer Reihe von regionalen Konflikten manifestieren wird. Und der Feind sind dabei die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten.“

Laut Felgenhauer ist vor allem die Teilnahme Chinas an den „Kriegsspielchen“ – wenn auch mit nur 3.200 Soldaten – ein Schlüsselfaktor. „Das ist nicht nur ein Zeichen, eine Botschaft, sondern eine Vorbereitung auf einen echten, großen Krieg,“ betonte er.

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Die NATO scheint diese Meinung zu teilen. Das Bündnis hat bereits erklärt, die Manöver würden zeigen, dass Russland sich auf die Vorbereitung eines groß angelegten Konflikts konzentriert.

„Das entspricht auch dem Trend, den wir seit einiger Zeit beobachten: ein selbstbewussteres Russland, das sein Budget für Verteidigung und militärische Präsenz erhöht,“ sagte NATO-Sprecher Dylan White.

Erwartungsgemäß versuchte Moskau, westliche Bedenken herunterzuspielen. Die Sprecherin des Außenministeriums, Maria Zaharowa, betonte, die Manöver im Osten würden „weit weg vom Zuständigkeitsbereich der NATO“ stattfinden und die Sicherheit der Mitgliedsstaaten des westlichen Militärbündnisses in keiner Weise beeinträchtigen.

Zahlreiche Manöver

Seit 2014 und der gravierenden Verschlechterung der Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen hat Russland die Zahl seiner groß angelegten militärischen Übungen vom Kaukasus über die Ostsee bis zur Arktis erhöht. Dies wird auch als Zeichen seines Widerstands gegen die NATO-Erweiterung nahe der eigenen Grenzen gedeutet. Die neue russische Militärdoktrin, die im selben Jahr verabschiedet wurde, definiert die NATO-Erweiterung als eine „große Bedrohung“ für die Sicherheit des Landes.

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Den russischen Manövern im Fernen Osten waren vom 1. bis 8. September auch Übungen im Mittelmeer mit mehr als 25 Schiffen und rund 30 Flugzeugen vorausgegangen. Damit sollte auch eine weitere Stärkung der russischen Präsenz in der Nähe Syriens demonstriert werden, wo Russland seit 2015 militärisch interveniert.

Ebenfalls Anfang des Monats hatten in der Westukraine allerdings auch militärische Übungen mit 2.200 Soldaten aus der Ukraine, den Vereinigten Staaten und anderen NATO-Mitgliedern stattgefunden.

Ein Kreml-Sprecher machte Ende August deutlich: „Die Verteidigungsfähigkeit Russlands in der gegenwärtigen internationalen Situation – die oft recht aggressiv und unfreundlich für unser Land ist – ist absolut und zweifellos gerechtfertigt.“

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