Russland meldet Vereinbarung zu Sputnik-V-Produktion in Deutschland

In Tunesien wird Sputnik V bereits verimpft. [MOHAMED MESSARA/EPA]

Während immer mehr Länder die Corona-Impfung mit Astrazeneca wegen möglicher schwerer Nebenwirkungen aussetzen, geht Russland mit seinem Vakzin Sputnik V in die Offensive: Es seien bereits Produktionsabkommen mit Firmen in Deutschland und drei anderen EU-Staaten geschlossen worden, teilte der Hersteller am Montag mit.

Wegen mutmaßlicher Nebenwirkungen setzte am Montag auch Deutschland die Impfungen mit dem Astrazeneca-Vakzin aus. Frankreich, Spanien und Italien folgten.

Der Kreml nimmt TikTok ins Visier

Während der Proteste von Nawalny-Anhängern in Russland ist TikTok auch zu einer Anti-Kreml-Plattform geworden. Die Behörden reagieren mit Druck – und könnten die Influencer so erst recht politisieren, glauben manche.

Neben Deutschland seien Produktions-Abkommen für Sputnik V auch mit Unternehmen in Frankreich, Spanien und Italien geschlossen worden, hieß es in einer Erklärung des russischen Staatsfonds RDIF, der die Entwicklung des Vakzins finanziert hatte. Mit weiteren Unternehmen in EU-Staaten gebe es Gespräche. „Dadurch wird es möglich sein, ab der Zulassung durch die
Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) mit der Versorgung des europäischen Marktes mit Sputnik V zu beginnen.“

Eine offizielle Bestätigung aus den europäischen Ländern über Verträge zur Produktion von Sputnik V gab es zunächst nicht. Das Wirtschaftsministerium in Paris erklärte, es wisse nichts über Vereinbarungen mit französischen Firmen. Ähnlich äußerte sich das spanische Gesundheitsministerium.

Das Dessauer Unternehmen IDT Biologika, das seit einigen Wochen mit dem Hersteller des russischen Impfstoffs in Kontakt steht, dementierte ebenfalls. Ein Vertrag sei noch nicht geschlossen worden, sagte ein Unternehmenssprecher der Nachrichtenagentur AFP. Die Gespräche dauerten an.

Diskussion um Impfstoffversorgung nach Astrazeneca-Lieferkürzung verschärft sich

Österreich und vier weitere Staaten forderten Gipfelberatungen zu den „riesigen Ungleichheiten“ bei der Impfstoffverteilung. Derweil setzte auch Irland die Impfungen mit dem Vakzin wegen möglicher Nebenwirkungen aus.

Sputnik V ist derzeit in der Europäischen Union (EU) noch nicht zugelassen, die EMA hat aber bereits ein sogenanntes rollierendes Verfahren zur Zulassung des Vakzins gestartet. Dabei werden erste Ergebnisse wissenschaftlicher und klinischer Tests nach und nach analysiert, bevor alle für eine Zulassung nötigen Daten vorliegen. Bei den bisher von der EMA zugelassenen Corona-Impfstoffen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca hatte das
Verfahren zwischen mehreren Wochen und drei Monaten gedauert.

Russland hatte seinen Corona-Impfstoff im Sommer vergangenen Jahres zugelassen – noch bevor die klinischen Studien abgeschlossen waren. Dies hatte mit Blick auf die Wirksamkeit des Vakzins international Skepsis ausgelöst. Mittlerweile ist das Vakzin in mehr als 50 Ländern zugelassen. Laut einer im angesehenen Fachblatt „The Lancet“ veröffentlichten Studie hat Sputnik V eine Wirksamkeit von 91,6 Prozent gegen Corona-Infektionen mit Symptomen.

Die Erklärung zu den Produktionsvereinbarungen für Sputnik V erfolgte inmitten zunehmender Zweifel am Impfstoff von Astrazeneca. Das schwedisch-britische Unternehmen steht bereits seit längerem wegen Lieferproblemen in der Kritik, hinzu kommen immer neue Hinweise auf mögliche schwere Nebenwirkungen.

Serbiens Präsident: EU-Impfpass mit Vorteil für westliche Stoffe wäre "skandalös"

Eine denkbare Entscheidung der EU, Reisenden aus Drittstaaten nur dann die Einreise in die Union zu gestatten, wenn diese westliche Impfstoffe erhalten haben, wäre „skandalös“ und „unvernünftig“, warnte Serbiens Präsident Aleksandar Vučić.

Nach einer Reihe von Fällen schwerer Blutgerinnsel nach Impfungen setzten mehrere Länder die Impfung mit dem Vakzin vorsorglich aus, zuletzt Deutschland, Spanien, Frankreich und Italien. Bislang aber ist nicht geklärt, ob die Impfung der Auslöser war.

Die EMA erklärte am Montag, sie halte vorerst an ihrer Bewertung des Vakzins fest. Die Vorteile der Impfung würden die Risiken überwiegen. Experten der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden am Dienstag über den Impfstoff von Astrazeneca beraten. Die leitende WHO-Wissenschaftlerin Soumya Swaminathan empfahl den Ländern, ihre Impfungen mit Astrazeneca einstweilen fortzusetzen. Die EMA kündigte für Donnerstag eine Sondersitzung an.

Der britisch-schwedische Hersteller betonte, die Analyse von mehr als zehn Millionen Fällen habe „keinerlei Beweis für ein erhöhtes Risiko für eine Lungenembolie oder Thrombose“ ergeben. Mitentwickler Andrew Pollard, Leiter der Oxford Vaccine Group, erklärte am Montag, es gebe „sehr beruhigende Beweise“, dass das Vakzin in Großbritannien – bislang sein Haupteinsatzgebiet in Europa – nicht zu einer Zunahme von Blutgerinnseln geführt habe.

Subscribe to our newsletters

Subscribe