Der tschechische Vizepremier und Innenminister Jan Hamáček von der sozialdemokratischen ČSSD hat Vorwürfe zurückgewiesen, er habe geplant, Informationen über die Beteiligung russischer Agenten an einer Explosion in einem Munitionslager 2014 gegen eine Million Sputnik-V-Impfstoffe sowie die Ausrichtung des US-Russland-Gipfels in Prag „einzutauschen“. Über derartige Pläne hatte zuvor die tschechische Nachrichten-Website Seznam Zpravy berichtet.
Seznam Zpravy berief sich dabei auf „mehrere anonyme Quellen“. Diese hatten angeblich an geheimen Treffen bezüglich der kürzlich aufgedeckten Vorfälle im Munitionsdepot in Vrbětice teilgenommen.
Hamáček bestritt weiter, dass seine ursprünglich im April geplante Reise nach Moskau dem Zweck eines solchen Tauschgeschäfts habe dienen sollen. Vielmehr sei der Besuch als „Vorwand“ gedacht gewesen, um den tschechischen Botschafter in Moskau zu Konsultationen zurück nach Prag zu holen.
Ende April hatte die tschechische Führung beschlossen, 18 russische Staatsangehörige auszuweisen. Zuvor war bekannt geworden, dass russische Geheimdienste offenbar für den Anschlag auf das Munitionslager in Vrbětice im Jahr 2014 verantwortlich waren.
Der Schritt löste einen ausufernden diplomatischen Streit zwischen Prag und Moskau aus, der letztendlich dazu führte, dass die russische Regierung die Tschechische Republik auf ihre Liste der „feindlichen Staaten“ setzte.
Die von Seznam Zpravy am Dienstag veröffentlichten Informationen lösten in der tschechischen Politik derweil Empörung aus: Oppositionsparteien forderten eine Sondersitzung des Parlaments, um Hamáček die Möglichkeit zu geben, sein Vorgehen zu erklären und sich zu verteidigen.
Das Treffen fand statt, brachte allerdings keine neuen Erkenntnisse und führte lediglich zu verbalen Schlagabtäuschen zwischen den Abgeordneten.





