Russland beschießt ukrainische Schiffe vor der Krim

Ukrainische Marineboote seien illegal in russische Gewässer eingedrungen, heißt es aus Moskau. [Aptyp_koK/ Shutterstock]

Vor der von Russland annektierten Krim-Halbinsel ist es zu einem militärischen Zwischenfall gekommen, der die ohnehin angespannte Situation massiv verschärft.

Russische Grenzschutzboote beschossen nach übereinstimmenden Angaben der russischen und der ukrainischen Regierung am Sonntag zunächst im Schwarzen Meer vor der Halbinsel drei Marineschiffe der Ukraine und verletzten dabei mehrere Matrosen. Anschließend beschlagnahmten sie die Boote, wie auch der russische Geheimdienst FSB in der Nacht zum Montag bestätigte. Beide Staaten machten sich gegenseitig für die Eskalation verantwortlich. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko forderte das Parlament auf, noch am Montag das Kriegsrecht auszurufen.

Die Krise begann am Sonntag, als Russland mithilfe eines Frachtschiffs den ukrainischen Booten die Einfahrt ins Asowsche Meer verwehrte. Mindestens zwei russische Kampfflugzeuge flogen nach Augenzeugenberichten über den Schauplatz der Konfrontation. Russischen Fernsehberichten zufolge wurden auch russische Kampfhubschrauber in der Region stationiert. Bei dem anschließenden gewaltsamen Übernahmemanöver der ukrainischen Schiffe wurden nach Angaben der ukrainischen Armee sechs, nach russischer Darstellung drei ukrainische Matrosen verletzt.

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Russland verteidigte das Vorgehen als gerechtfertigt, weil die ukrainischen Marineboote illegal in russische Gewässer eingedrungen seien und auch auf Aufforderungen zu stoppen, nicht reagiert hätten. Überdies hätten die drei kleineren Schiffe versucht “illegale Handlungen” zu begehen, erklärte der FSB nach Berichten russischer Nachrichtenagenturen. “Als Ergebnis wurden alle drei ukrainischen Marineboote in Hoheitsgewässern der russischen Föderation beschlagnahmt”, teilte der FSB mit.

Den russischen Angaben zufolge befinden sich die drei verletzten ukrainischen Matrosen nicht in Lebensgefahr und wurden medizinisch behandelt.

Poroschenko will Kriegsrecht ausrufen

Die Regierung in Kiew verurteilte das russische Vorgehen als aggressiven militärischen Akt. Die internationale Gemeinschaft wurde aufgefordert, Russland zu bestrafen. Präsident Petro Poroschenko berief am Abend seine wichtigsten militärischen und zivilen Berater zusammen, um über Konsequenzen zu beraten. Anschließend gab er bekannt, noch am Montag im Parlament die Ausrufung des Kriegsrechts beantragen zu wollen. Dies würde dem Staat erheblich mehr Befugnisse geben und das zivile Recht einschränken.

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Auf Antrag Russlands sollte sich ebenfalls noch am Montag der UN-Sicherheitsrat mit dem Zwischenfall befassen. Die Europäische Union forderte Russland auf, den freien Schiffsverkehr in der Region sicherzustellen. Beide Seiten wurden aufgerufen, mit Zurückhaltung auf die zugespitzte Situation zu reagieren. Einen ähnlichen Appell richtete die Nato an beide Seiten.

Russland hat die Krim 2014 annektiert und durch den Bau einer Brücke eine Landverbindung zu Südrussland geschaffen. Wegen der Annexion hatten die USA und die Europäische Union Sanktionen gegen Russland verhängt. Das Asowsche Meer darf nach einer Vereinbarung zwischen den Nachbarstaaten befahren werden.

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