Richard Grenell als US-Botschafter in Deutschland zurückgetreten

Richard Grenell, hier in Belgrad, bleibt US-Sondergesandter für Serbien und den Kosovo. [ANDREJ CUKIC/EPA]

Der US-Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, ist zurückgetreten. Grenell reichte am Montag offiziell seinen Rücktritt beim US-Außenministerium in Washington ein, wie der Sprecher der US-Botschaft in Berlin, Joseph Giordono-Scholz, am Dienstag der Nachrichtenagentur AFP bestätigte.

Seine Stellvertreterin Robin Quinville soll die Botschaft demnach nun vorübergehend als Geschäftsträgerin leiten.

Grenell hatte im Februar neben seinem Job als Botschafter geschäftsführend auch das Amt des Geheimdienstkoordinators der US-Regierung übernommen. Im Mai wurde dann der Kongressabgeordnete John Ratcliffe vom US-Senat als neuer Geheimdienstkoordinator bestätigt. Damit löste er Grenell auf dem Posten ab.

Spekulationen, dass Grenell auch seinen Botschafterposten abgeben will, gab es schon seit einigen Wochen. Im Mai hatte seine Sprecherin Medienberichte über einen möglichen Rücktritt des Botschafters allerdings noch nicht bestätigt.

Welle der Anti-Rassismus-Proteste in den USA ebbt nicht ab

Erneut haben am Dienstag landesweit Demonstranten das immer wieder brutale Vorgehen von Polizisten gegen Afroamerikaner angeprangert. Zu der wohl größten Demonstration des Tages strömten schätzungsweise 60.000 Menschen zusammen. Die erneuten Proteste blieben zunächst überwiegend friedlich.

Dem US-Magazin Politico zufolge könnte Grenell sich nun dem Wahlkampfteam von Präsident Donald Trump anschließen. Nach Angaben des Botschaftssprechers soll er auf jeden Fall der US-Sondergesandte für Serbien und das Kosovo bleiben. Dieser Posten ist nicht beim US-Außenministerium, sondern beim Weißen Haus angesiedelt.

Der Diplomat war seit Mai 2018 Botschafter in Berlin. Als Sprachrohr Trumps eckte er immer wieder an: Grenell brach mit der üblichen diplomatischen Zurückhaltung und sorgte mit offensiven Ansagen an die Bundesregierung für Aufsehen – wie sein Mentor Trump oft per Twitter.

So drohte Grenell im vergangenen August im Streit um die deutschen Verteidigungsausgaben mit einem Teilabzug der US-Soldaten aus Deutschland, sollte die Bundesregierung ihren Wehretat nicht erhöhen. Im März 2019 drohte er der Bundesregierung in der Debatte um eine Beteiligung des chinesischen Huawei-Konzerns am Aufbau des 5G-Mobilfunknetzes mit Konsequenzen für die Geheimdienstzusammenarbeit.

Schon kurz nach seinem Antritt in Berlin 2018 hatte Grenell für Ärger gesorgt: Im Zusammenhang mit Trumps Entscheidung zum Ausstieg aus dem Atomabkommen mit dem Iran forderte der Botschafter in einer Twitter-Botschaft deutsche Firmen auf, ihr Iran-Geschäft „sofort“ herunterzufahren. Außerdem kündigte er an, konservative Anti-Establishment-Bewegungen in ganz Europa zu stärken.

Facebook-Mitarbeiter protestieren mit virtuellem Streik

Anders als Twitter ist Facebook nicht gegen eine umstrittene Aussage des Präsidenten vorgegangen. Das hat Facebook-Chef Zuckerberg Kritik eingehandelt. 

Sein Auftreten und seine Äußerungen brachten Grenell in Deutschland viel Kritik ein. Wiederholt wurde ihm eine Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen. Bei Trump steht der 53-Jährige aber schon seit längerem hoch im Kurs. In der Vergangenheit war Grenell immer wieder für wichtige Posten im Gespräch, so etwa für das Amt des Nationalen Sicherheitsberaters oder des US-Botschafters bei den Vereinten Nationen.

Der ehemalige PR-Berater hatte sich schon vor dessen Wahl für Trump eingesetzt. Als politischer Kommentator im Fernsehen und auf Online-Portalen nahm er den Präsidenten auch in der Russland-Affäre in Schutz. Die Affäre um mutmaßliche russische Einmischungen in den US-Wahlkampf und eine mögliche Verwicklung von Trump-Mitarbeitern bezeichnete er als aufgeblasen.

Grenell stammt aus dem US-Bundesstaat Michigan und wuchs in einem evangelikalen Elternhaus auf. An der Elite-Universität Harvard machte er einen Abschluss in öffentlicher Verwaltung und war später Mitbegründer einer international tätigen PR-Firma. Unter Präsident George W. Bush war er sieben Jahre lang Sprecher der US-Delegation bei der UNO.

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN