Reaktionen auf Berliner Libyen-Konferenz: Libyen liegt in Afrika

Vertreter afrikanischer Staaten sowie der Afrikanischen Union nahmen an der Berlin-Konferenz teil. [OMER MESSINGER/EPA]

Die afrikanischen Reaktionen auf die Libyen-Konferenz sind gemischt. Viele ärgern sich, dass die Zukunft Libyens in Europa entschieden werde. Die Hoffnungen ruhen nun auf Südafrikas Präsident Ramaphosa.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Deutsche Welle

Einen dauerhaften Waffenstillstand sollte es geben – so das Signal von der Berliner Libyen-Konferenz. Doch nach wie vor ist die Region um Tripolis, die unter der Kontrolle der international anerkannten Regierung steht, vom Rest des Landes abgeschnitten. Regierungschef Fajis al-Sarradsch will nicht mit Gegenspieler General Chalifa Haftar verhandeln, der wiederum lässt die wichtigen Ölexporte aus der Region blockieren. Doch die Bevölkerung hofft.

Der Zusammenhalt von einst

„Wir hoffen, dass aus der temporären Waffenruhe bald ein dauerhafter Waffenstillstand wird, so dass wir wieder zu unserer Verbundenheit zurückkehren können“, fordert etwa ein Arbeiter der National Oil Company in Ras Lanuf gegenüber der DW. Die Kriegsparteien sollten sich an die jetzigen und frühere Einigungen halten.

Rund 700 Kilometer weiter westlich klingt das ähnlich: „Wir hoffen, dass die internationale Gemeinschaft uns beistehen und uns aus dieser schwierigen Situation befreien wird“, sagt ein Bauer aus Zawiyaa, einer Stadt in der Nähe von Tripolis. Er kenne die Libyer als eine Nation gutmütiger Menschen, die stets zusammenhalten. „Ich weiß nicht, was sie zu Feinden gemacht hat. Ich hoffe, dass diese schlechte Einstellung bald verfliegen wird.“

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Wer sorgt für den Frieden?

Die internationale Gemeinschaft in der Pflicht sieht auch Fonteh Akum, der im Senegal für das Institut für Sicherheitsstudien (ISS) arbeitet.Er verweist auf das Verursacher-Prinzip: „Es waren keine afrikanischen Flugzeuge, die Libyen bombardiert haben. Es waren NATO-Flugzeuge.“

Dennoch wünschen sich viele eine stärkere afrikanische Führungsrolle in Libyen. „Die afrikanischen Staatschefs müssen sich einen Ruck geben und Libyen als ein verbrüdertes Land anerkennen, das sie unterstützen müssen“, sagt ein Passant in der Hauptstadt des benachbarten Niger gegenüber der DW. Ein anderer pflichtet ihm bei: „Ich verstehe nicht, warum die libysche Krise in Berlin verhandelt wird, ohne dass Länder wie Tschad und Niger eingebunden sind – Länder, die eine Grenze mit Libyen teilen!“

Wo bleibt Afrika?

Ein deutliches politisches Statement kam zuletzt aus der Republik Kongo, deren Präsident Dénis Sassou-Nguesso als Lybien-Gesandter der AU vermitteln soll: „Libyen ist ein afrikanischer Staat und noch dazu ein Gründungsmitglied der Afrikanischen Union“, erklärte Sassou-Nguessos Außenminister Jean-Claude Gakosso gegenüber der französischen Wochenzeitung Jeune Afrique. Doch leider sei der afrikanische Standpunkt bei den Lösungsversuchen in der Libyen-Krise oft unterbewertet worden. Und der sei eindeutig: „Es muss eine Versöhnungskonferenz geben, die Libyer müssen sich an einem Tisch vereinen.“

Doch die Hoffnung darauf scheint auch nach der Berliner Konferenz minimal. „Die Akteure in Libyen neigen dazu, eher auf die zu hören, die sie im Kampf ausrüsten, und nicht auf diejenigen, die ihnen Ratschläge geben“, sagt Acheick Ibn Oumar, diplomatischer Berater des tschadischen Präsidenten Idriss Déby.

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Libyen-Gipfel der afrikanischen Staaten

Die Berliner Konferenz sei überhaupt erst durch den drohenden Vormarsch Chalifa Haftars auf Tripolis erzwungen worden, betont Analyst Fonteh Akum. Dieser könne jetzt seine Macht ausspielen. Entscheidend sei, wie er sich gegenüber Russland und die Türkei verhalte – zwei neue Akteure, die das ölreiche Libyen genau verfolgen.

Für den 30. Januar hat nun Vermittler Dénis Sassou-Nguesso die afrikanischen Staaten zum Gipfel nach Brazzaville geladen. Sein Außenminister Gakosso hat sich in einer Werbetour um eine einheitliche Position bemüht und dabei auch das Gespräch mit Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa gesucht, der in wenigen Tagen den Vorsitz der Afrikanischen Union von Ägyptens Abdel-Fattah al-Sisi übernehmen wird.

Auf Ramaphosa, der weiter weg und laut Gakossa weniger befangen ist, ruhen nun alle Hoffnungen, sagt Analyst Fonteh Akum vom ISS. „Unter Ramaphosa wird es nicht nur die Gelegenheit geben, eine afrikanische Position zu bestärken. Präsident Ramaphosa übernimmt den AU-Vorsitz auch in einer Zeit, in der Südafrika sein Mandat im UN-Sicherheitsrat beendet.“

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