Probleme bei der Rückführung europäischer Touristen

Reisende warten am internationalen Flughafen Mariscal Sucre in der ecuadorianischen Hauptstadt Quito auf einen Rückführungsflug nach Europa, 22. März 2020. [EPA-EFE/Elias L. Benarroch]

Bürgerinnen und Bürger aus EU-Ländern, die sich aktuell noch in Drittstaaten befinden, sehen sich diversen Problemen gegenüber, in die europäische Heimat zurückzukehren. Das geht einerseits auf geschlossene Grenzen und gestrichene Flüge zurück, andererseits aber auch auf Desinformation und Ängste angesichts der Coronavirus-Pandemie.

Die EU-AußenministerInnen haben in einer Videokonferenz am Montag die laufenden Bemühungen um die Rückführung von Hunderttausenden europäischer Bürgerinnen und Bürger erörtert, die seit dem Ausbruch der COVID-19-Pandemie im Ausland gestrandet sind.

Am Montag wurde derweil die Marke von 160.000 gemeldeten Fällen auf dem Kontinent überschritten. Es gab über 8.600 Todesfälle. Der weiterhin deutliche Anstieg der Fälle veranlasste Länder auf anderen Kontinenten (mit einer viel geringeren Anzahl von Fällen), Beschränkungen für Touristen und Geschäftsreisende aus Europa zu erlassen.

„Es gibt einige Länder, in denen wir gewisse Bedenken haben, besonders in Asien, Lateinamerika und Subsahara-Afrika, wo eine wachsende Zahl von Reisenden Hilfe bei ihrer Rückkehr [nach Europa] sucht,“ räumte der Hohe Außenvertreter der EU, Josep Borrell, nach dem gestrigen Treffen ein.

Der Chefdiplomat der EU bestätigte, dass es weltweit etwa 20 Länder gebe, in denen es aktuell schwierig sei, Flugverkehr zu organisieren.

TUI setzt wegen Coronavirus seinen Reisebetrieb großteils aus

Betroffen sind unter anderem Pauschalreisen, Kreuzfahrten und der Hotelbetrieb. Mit der Einstellung des „größten Teils“ der Reiseaktivitäten wolle das Unternehmen einen Beitrag dazu leisten, die Ausbreitung des Virus einzudämmen.

Borrell erklärte weiter, die bisherigen Rückführungsversuche der EU würden lediglich Reisende betreffen, nicht aber EU-Staatsangehörige, die dauerhaft im Ausland leben. Der spanische Diplomat erinnerte gegenüber der Presse außerdem daran, dass konsularischer Schutz und Rückführung in erster Linie in der Verantwortung der Mitgliedsstaaten liege.

Eine geschätzte Zahl von 300.000 Unionsbürgern ersuche derzeit aufgrund des Coronavirus-Ausbruchs um Rückführung, wobei Lateinamerika und Südostasien zwei Regionen seien, in denen es sich als schwierig erweise, Menschen nach Hause zu bringen, hatte Borrell bereits am vergangenen Freitag (20. März) mitgeteilt.

Seit Beginn der Coronavirus-Pandemie konnte über den EU-Katastrophenschutzmechanismus bisher die Rückführung von EU-Bürgerinnen und Bürgern aus dem chinesischen Wuhan, aus Japan, dem US-amerikanischen Oakland, Marokko und Tunesien ermöglicht werden.

Desinformation schürt Angst

„Eine weitere Sache, die uns beunruhigt, ist der offensichtliche Versuch, die Europäische Union zu diskreditieren, und sogar europäische Bürger im Ausland zu stigmatisieren, indem das Coronavirus als eine Art „Krankheit der Weißen“ dargestellt und die EU-Bürger dafür verantwortlich gemacht werden,“ sagte Borrell. Er kritisierte, in einigen Staaten habe es einen „populistischen Vorstoß gegeben, demnach die europäischen Flugzeuge die Krankheit mit ins Land bringen würden“.

Flut an Fake News zu Coronavirus: Alarmsystem der EU im Einsatz

Ein EU-Warnsystem zur Überwachung von Desinformation wurde nach einer Reihe von Fake News rund um den Coronavirus-Ausbruch erstmals genutzt.

Borrel warnte: „Die Verbreitung von Desinformationen ist ein Spiel mit dem Leben von Menschen. Desinformation kann töten.“ Die Desinformations-Task-Force der EU habe mehr als 1.000 entsprechende Fälle gefunden. Das Problem sei dabei nicht auf Erklärungen ausländischer Regierungen zurückzuführen, betonte der Diplomat. Die „weite Verbreitung von Fake News führt aber zu Reaktionen und Einstellungen, die sehr gefährlich sind.“

Iberia kann nicht in Ecuador landen

In diesem Zusammenhang bestätigte Borrell, dass eine Stadt in Ecuador aus Angst vor einer Einschleppung des Virus die Landung einer EU-Maschine unterbunden habe. Der konkrete Vorfall ereignete sich am Flughafen von Guayaquil, wo die örtliche Bürgermeisterin Cynthia Viteri am Donnerstag Lastwagen auf die Startbahn beorderte, um die Landung eines Iberia-Flugzeugs zu verhindern, das 190 EU-Bürgerinnen und Bürger zurückführen sollte.

Nach dem ungewöhnlichen Vorfall hat die EU Ecuador aufgerufen, den Zugang zu seinen Flughäfen zu garantieren, um sicherzustellen, dass EU-Staatsangehörige aus dem südamerikanischen Land per Flugzeug abtransportiert werden können.

Die spanische Außenministerin Arancha González teilte am Freitag mit, ihr Ministerium habe die Situation mit dem ecuadorianischen Außenminister besprochen. Es würden nun neue Flüge nach Guayaquil vorbereitet.

In einer Mitteilung erklärte derweil die Iberia, man erwarte auch eine Zusage der peruanischen Regierung, in Lima zu landen und festsitzende spanische StaatsbürgerInnen ausfliegen zu dürfen.

[Bearbeitet von Samuel Stolton und Tim Steins]

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