OPEC & Co. einigen sich auf weniger Öl

Die OPEC-Länder und ihre Partner haben sich auf eine deutliche Kürzung der Ölfördermengen geeinigt. Ob dies ausreicht, um die Preise angesichts der Coronavirus-bedingt niedrigen Nachfrage zu stabilisieren, ist fraglich. [Christian Bruna/EPA/EFE]

Die OPEC-Länder und Partner wie Russland haben sich am Sonntag auf eine Rekordkürzung der Fördermengen geeinigt. Damit sollen die Ölpreise angesichts der Coronavirus-Pandemie gestützt werden. Die weltweite Ölproduktion konnte um bis zu 20 Prozent gedrosselt werden.

Die weitreichenden Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben der Nachfrage nach Treibstoff geschadet und die Ölpreise deutlich nach unten gedrückt. Dies belastet die Bilanzen der Ölproduzenten, insbesondere der US-Schieferölindustrie, die aufgrund ihrer generell höheren Kosten bei niedrigen Preisen besonders anfällig ist.

Die Gruppe der OPEC-Länder und -Partner (OPEC+) hat sich nun – nach viertägigen Gesprächen und viel Druck von US-Präsident Donald Trump, den Preisrückgang zu stoppen – bereit erklärt, die Förderung für Mai und Juni um 9,7 Millionen Barrel (à je 159 Liter) pro Tag zu reduzieren.

Quellen aus dem Umfeld der OPEC+ gaben an, es sei davon auszugehen, dass die globalen Öl-Förderkürzungen ab dem 1. Mai insgesamt 20 Prozent des weltweiten Angebots ausmachen würden. Diese bisher größte Kürzung der Förderung ist damit über viermal so groß wie die vorherige Rekordkürzung im Jahr 2008.

Die Produzenten wollen die Drosselungen ab Ende Juni langsam lockern; insgesamt dürften gewisse Förderkürzungen aber bis April 2022 in Kraft bleiben.

IEA: Langsames Wachstum führt zu Öl-Überschuss

Das sich verlangsamende Wachstum bei der Nachfrage nach Öl im Jahr 2019 wird voraussichtlich zu einer Ölschwemme im kommenden Jahr führen.

In einer offiziellen Erklärung des Weißen Hauses begrüßte Trump die entsprechenden Zusagen Saudi-Arabiens und Russlands, „die Ölproduktion wieder auf ein Niveau zu bringen, das mit der Stabilität der globalen Energie- und Finanzmärkte vereinbar ist“.

Zuvor hatte Trump bereits per Twitter verkündet: „Der große Öl-Deal mit der OPEC+ ist durch. Das wird hunderttausende Energie-Jobs in den Vereinigten Staaten retten.“ Er dankte Russlands Präsident Wladimir Putin und dem saudi-arabischen König Salman für diesen „tollen Deal für alle“.

Nachfrage um ein Drittel eingebrochen

Die Ölnachfrage ist wegen der Coronavirus-Pandemie weltweit um etwa ein Drittel zurückgegangen; entsprechend litten die Preise. Nach der nun erzielten Einigung stiegen die Ölpreise im Montagshandel kurzfristig um mehr als einen US-Dollar pro Barrel.

Die anvisierten Gesamtkürzungen umfassen auch Beiträge von Nicht-OPEC-Mitgliedern, stärkere freiwillige Kürzungen einiger OPEC+-Mitglieder sowie den Aufkauf strategischer Vorräte durch die größten Verbraucher der Welt. Nach Angaben einiger OPEC+-Vertreter werden auch die Nichtmitglieder Brasilien, Kanada, Indonesien, Norwegen und die Vereinigten Staaten Fördereinschnitte von vier bis fünf Millionen Barrel pro Tag beisteuern.

Derweil wird gemutmaßt, die Internationale Energieagentur (IEA) könnte in den kommenden Monaten Aufkäufe der gelagerten Ölmengen durch ihre Mitglieder in Höhe von drei Millionen Barrel pro Tag ankündigen. Genaueres will die Organisation am Mittwoch bei der Veröffentlichung ihres Monatsberichts bekanntgeben. Die USA, Indien, Japan und Südkorea haben bereits angedeutet, dass sie möglicherweise Öl kaufen und ihre Reserven wieder auffüllen wollen.

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Vor der Einigung am Sonntag hatte US-Präsident Trump dem OPEC-Führer Saudi-Arabien noch mit besonderen Ölzöllen und anderen Maßnahmen gedroht, falls das Überangebotsproblem auf dem Markt nicht behoben würde. Die niedrigen Preise haben die US-amerikanische Ölindustrie, die größte der Welt, in schwere Bedrängnis gebracht.

Der Deal hatte sich seit Donnerstag verzögert, nachdem Mexiko den geforderten Produktionskürzungen widersprochen hatte. Die vereinbarte Kürzung liegt nun auch um 300.000 Barrel pro Tag unter dem ursprünglich beschlossenen Ziel. Der mexikanische Präsident Andrés Manuel López Obrador erklärte am Freitag, Trump habe angeboten, in Mexikos Namen zusätzliche US-Kürzungen vorzunehmen – ein ungewöhnliches Angebot des amerikanischen Präsidenten, der seit langem gegen die OPEC wettert.

Trump bestätigte, Washington werde Mexiko helfen, indem „etwas von der Lücke übernommen“ und später an die USA zurückerstattet werde. Wie genau dies funktionieren soll, erklärte er freilich nicht.

Nicht genug?

Ein zuvor angestrebtes Abkommen der OPEC+, die Produktion in diesem Jahr zu drosseln, war wegen eines Streits zwischen Russland und Saudi-Arabien gescheitert und löste einen Preiskrieg aus, der wiederum zu einer regelrechten Angebotsflut führte, als die Nachfrage nach Treibstoff durch die Coronavirus-Pandemie bereits stark zurückging.

Die weltweite Ölnachfrage ist Schätzungen zufolge um etwa 30 Millionen Barrel pro Tag gesunken.

Die Banken Goldman Sachs und UBS sagten vergangene Woche bereits voraus, dass die Brent-Preise erneut auf 20 US-Dollar pro Barrel fallen dürften, da die angekündigten Kürzungen nicht ausreichen werden, um das starke Nachfragetief auszugleichen.

[Bearbeitet von Tim Steins]

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