Österreich organisiert Afrika-Gipfel zum Ende der Ratspräsidentschaft

Der Präsident von Ruanda, Paul Kagame, zusammen mit dem Bundeskanzler von Österreich, Sebastian Kurz beim "Compact with Africa" im Oktober im Kanzleramt. [Action Press/ epa]

Noch vor Jahresende will Österreich mit einem Afrika-EU-Gipfel einen Anstoß für verstärkte wirtschaftliche Kooperationen mit Afrika setzen. Dazu ist Bundeskanzler Kurz nach Äthiopien und Ruanda gereist.

Schon vor Beginn der EU-Ratspräsidentschaft hatte sich Österreich vorgenommen, gegen Jahresende einen EU-Afrika-Gipfel anzuberaumen. Nun wurde dazu für den 17. und 18. Dezember nach Wien eingeladen. Bundeskanzler Sebastian Kurz und Ruandas Präsident Paul Kagame, derzeitiger Vorsitzender der Afrikanischen Union, laden Staats- und Regierungschefs aus Afrika und Europa sowie über 1000 Unternehmer ein. Unter dem Motto „Taking cooperation to the digital age“ sollen Möglichkeiten der Kooperation zwischen den beiden Kontinenten in den Bereichen Innovation und Digitalisierung ausgelotet werden, um diese möglichst rasch auch zu realisieren.

In Vorbereitung dieses Gipfels unternahm Sebastian Kurz nun eine Reise nach Äthiopien und Ruanda. Beide Länder gelten als politisch stabil und gehören mit einem durchschnittlichen Jahreszuwachs von etwa 8 Prozent zu den Ländern Afrikas mit dem stärksten Wirtschaftswachstum. Diese Entwicklung ist laut Kurz Resultat eines Reformprozesses, aufgrund dessen „in Staaten wie Äthiopien und Ruanda derzeit Aufbruchsstimmung herrscht“. Ein solch positives Signal stellt die verstärkte Präsenz von Frauen in der Politiklandschaft dar. So wurde erst kürzlich in Äthiopien mit Sahle-Work Zewde erstmals eine Präsidentin in das höchste Amt gewählt. Darüber hinaus werden über 50 Prozent der Ministerämter von Frauen bekleidet.

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Die nachhaltigste Form von Entwicklungszusammenarbeit

Ministerpräsident Abiy Ahmed monierte, dass Afrika in der Vergangenheit von Europa oft ignoriert worden wäre, setzt aber nun Hoffnungen auf den im Gang befindlichen Wandel. Auch Sebastian Kurz unterstrich: „Aus unserer christlich-sozialen Verantwortung heraus haben wir den Wunsch, alles zu tun, um die Lebensbedingungen in Afrika zu verbessern. Die wahrscheinlich nachhaltigste Form von Entwicklungszusammenarbeit ist die Unterstützung der Wirtschaft.“

Hoffnungen auf politischen Fortschritt sind in vielen afrikanischen Ländern immer wieder gescheitert. Ausgelöst durch Bürgerkriege, diktatorische Regime und islamische Terrorgruppen sind Millionen von Menschen auf der Flucht. Trotz finanzieller Zugeständnisse sind die aus Europa bisher verhalten und beschränken sich zumeist auf Ankündigungen wie die Schaffung eines neuen „Marshall-Plans“ für Afrika. China nutzt seit Jahren das wirtschaftliche Potential des Kontinents und hat massiv in einige afrikanische Regionen investiert.

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Ruandas Präsident Paul Kagame betonte beim Besuch von Kurz nachdrücklich die Notwendigkeit und Wichtigkeit von Investments in den afrikanischen Staaten, um den Menschen bessere Perspektiven bieten zu können. Auch wenn lange Zeit versäumt wurde, sich mit Fragen zur Flucht und Migration auseinanderzusetzen, so sei es „nie zu spät dafür“, sagte er. Durch eine Verbesserung der Lebensbedingungen könne man der afrikanischen Bevölkerung leichter klar machen, dass es besser sei, im eigenen Land zu bleiben.

Afrika ist mit derzeit 1,3 Milliarden Menschen mittlerweile der am zweitdichtesten bevölkerte Kontinent der Erde. Bis zum Jahre 2050 soll die Bevölkerung auf zwei Milliarden anwachsen – bereits jetzt zählen etwa Kairo, Lagos, Kinshasa, Johannesburg zu den weltgrößten Ballungsräumen. Trotz eines Reichtums an Rohstoffen, Ackerflächen und einer überdurchschnittlich jungen, arbeitsfähigen Bevölkerung, ist die Wirtschaft der meisten afrikanischen Staaten allerdings verhältnismäßig schwach.

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