Oberster Militärbeamter: NATO muss Kriegsführung umgestalten

"Um auch in Zukunft voll handlungsfähig zu sein, brauchen wir eine Umgestaltung der Kriegsführung der NATO", sagte der Chef des NATO-Militärausschusses, der niederländische Admiral Rob Bauer (Bild), bei der Eröffnung des Treffens der 31 Verteidigungsminister der NATO-Mitglieder. Er fügte hinzu, dass die "öffentlich-private Zusammenarbeit der Schlüssel" zu diesem Ziel sei. [EPA-EFE/LISE ASERUD NORWAY OUT]

Die NATO-Mitglieder und die Verteidigungsindustrie müssten verstärkt den militärischen Anforderungen gerecht werden und sich auf alle Eventualitäten vorbereiten. Man befinde sich „in einer Ära, in der jederzeit alles passieren kann“, sagte Chef des NATO-Militärausschusses Rob Bauer.

„Um auch in Zukunft voll handlungsfähig zu sein, brauchen wir eine Neugestaltung der Kriegsführung der NATO“, sagte Chef des NATO-Militärausschusses und niederländischer Admiral Rob Bauer bei der Eröffnung des Treffens der 31 NATO-Verteidigungsminister am Mittwoch (17. Januar). Er fügte hinzu, dass die „öffentlich-private Zusammenarbeit der Schlüssel“ zu diesem Ziel sei.

Die Mitglieder des westlichen Militärbündnisses haben auf einem Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs im Juli letzten Jahres in Vilnius neue Verteidigungs- und Abschreckungspläne verabschiedet. Diese sehen unter anderem 300.000 Soldaten zur Verteidigung des NATO-Gebiets vor. Nun müssen die Regierungen Personal rekrutieren, in zusätzliche Kapazitäten investieren und die Kommando- und Kontrollstrukturen anpassen.

Bauer bezeichnete diese Pläne als „die umfassendsten Verteidigungspläne der NATO seit dem Ende des Kalten Krieges.“

Wenn nicht mehr Geld für die Verteidigung ausgegeben werde, könne die Fähigkeit der NATO zur Verteidigung und Abschreckung von Aggressionen gefährdet werden, hatte Bauer bereits in der Vergangenheit gewarnt.

Der Krieg in der Ukraine nähert sich der Zweijahresmarke und fast alle NATO-Mitglieder haben in der Zwischenzeit ihre Verteidigungsausgaben erhöht. Auf dem Gipfel in Vilnius haben sie zugesagt, 2 Prozent des BIP für die Verteidigung auszugeben,

Die Regierungen haben auch versprochen, Verträge mit der Industrie abzuschließen, um die militärischen Spenden an Kyjiw aufrechtzuerhalten und ihre erschöpften Lagerbestände aufzufüllen. Die Unternehmen erklärten jedoch, dass es ihnen immer noch an Aufträgen fehle, um ihre Produktionskapazitäten aufzustocken und hochzufahren.

Vier Länder haben die Unterstützungs- und Beschaffungsagentur der NATO (NSPA) genutzt, um gemeinsam Patriot-Raketen aus den USA zu beschaffen. Die neuen Verteidigungs- und Abschreckungspläne sind jedoch langfristig und über den Krieg im Nachbarland Ukraine hinaus angelegt.

„Wir müssen gemeinsam dafür sorgen, dass der politische Wille mit den militärischen Fähigkeiten übereinstimmt“, sagte Bauer, der den Vorsitz bei dem Treffen aller Verteidigungschefs der 31 NATO-Mitglieder führte.

„Militärisch müssen noch viele Schritte unternommen werden, um das Ziel unserer kollektiven Verteidigung zu erreichen“, sagte er.

Die Regierungen „arbeiten jetzt aktiv daran, die Durchführbarkeit dieser neuen Verteidigungspläne zu maximieren“, so Bauer.

Er fügte hinzu, dass verschiedene Arbeitsbereiche im Mittelpunkt stehen sollten. Dazu gehören die Erhöhung der Bereitschaft der Truppen, der Aufbau und die Entwicklung von Kapazitäten, die Anpassung der Kommando- und Kontrollstrukturen der NATO, die Schaffung und Sicherung von mehr Möglichkeiten im Bereich Logistik, die Unterstützung von Gastländern, die Instandhaltung, die militärische Mobilität sowie die Wiederauffüllung und Vorpositionierung von Lagerbeständen.

Es werden auch Übungen geplant, um die brandneuen Pläne zu testen, fügte er hinzu.

Hilfe von öffentlichen und privaten Akteuren

Bauer wies darauf hin, dass die Existenz und die derzeitigen Fähigkeiten des Militärs allein nicht ausreichen, um die Verteidigungs- und Abschreckungsbemühungen aufrechtzuerhalten. Er richtete einen Weckruf an die Regierungen und Unternehmen, sich ebenfalls dafür einzusetzen.

„Die Verantwortung für die Freiheit liegt nicht nur auf den Schultern der Uniformierten.“

„Wir brauchen öffentliche und private Akteure, die ihre Denkweise von einer Ära, in der alles planbar, vorhersehbar, kontrollierbar und auf Effizienz ausgerichtet war […], zu einer Ära ändern, in der alles jederzeit passieren kann, einer Ära, in der wir das Unerwartete erwarten müssen, einer Ära, in der wir uns auf Effektivität konzentrieren müssen.“

Das Militärbündnis versucht, der Industrie Anreize zur Steigerung der Produktion zu geben, insbesondere auf der Grundlage seines Aktionsplans, der den künftigen Ausrüstungsbedarf langfristig aufzeigt.

Der Chef obersten militärischen Instanz der NATO forderte einen „gesamtgesellschaftlichen Ansatz“, um die kollektive Verteidigung zu „stärken“ und gleichzeitig die Ukraine mit Rüstungsgütern zu unterstützen.

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine vor 593 Tagen sei die NATO „in eine neue Ära der kollektiven Verteidigung eingetreten, und gemeinsam verteidigen wir weit mehr als die physische Sicherheit unserer eine Milliarde Menschen und 31, bald 32, Nationen“, sagte Bauer.

„Wir verteidigen Freiheit und Demokratie.“

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic/Kjeld Neubert]

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