Nur-Sultans Finanzzentrum als Garant für Wiederaufbau und grüne Investitionen

Ein bisschen Zukunft, ein bisschen grün: Das Astana International Financial Center ist offenbar gut aufgestellt, meinen Experten. [PopTika/Shutterstock]

This article is part of our special report Kasachstan: Wiederaufbau und Erneuerung.

Mit der Unterstützung von Behörden und wachsenden „grünen Kompetenzen“ ist der Internationale Finanzplatz Astana (Astana International Financial Center, AIFC) gut aufgestellt, um eine Schlüsselrolle bei der wirtschaftlichen Erholung des Landes und der nachhaltigen Entwicklung zu spielen, meinen Experten.

„Ich glaube, dass die einzigartigen Möglichkeiten des AIFC maximal genutzt werden sollten, um das Wirtschaftswachstum wiederherzustellen, Investitionen anzuziehen und die regionale Zusammenarbeit zu entwickeln,“ sagte Kasachstans Präsident Qassym-Schomart Toqajew nach der Sitzung des AIFC-Verwaltungsrates in der vergangenen Woche.

Als der AIFC, eine Initiative von Kasachstans vormaligem Präsidenten Nursultan Nasarbajew, vor zwei Jahren eingeweiht wurde, betonten ausländische Würdenträger die Bedeutung des Projekts – auch für die von China betriebene Belt and Road Initiative (BRI, auch bekannt als Neue Seidenstraße).

Mit der zunehmenden Bedeutung von Nachhaltigkeit und Klimaschutz erweist sich die grüne Orientierung des AIFC als einer der stärksten Aktivposten des Finanzplatzes.

Der AIFC basiert auf dem Gemeinrecht, mit Englisch als Arbeitssprache, und folgt dem Beispiel erfolgreicher internationaler Finanzzentren in Singapur, Hongkong und Dubai, um ausländische Direktinvestitionen anzuziehen und das bestmögliche rechtliche Umfeld für Investoren im postsowjetischen Raum zu schaffen.

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„Zusammenfassend lassen sich Nur-Sultans Stärken vor allem darin sehen, dass die Stadt ideal für die Entwicklung der grünen Finanzwirtschaft positioniert ist,“ meint Michael Mainelli, Executive Chairman der Z/Yen Group, einem in London ansässigen kommerziellen Think-Tank sowie Beratungs- und Venture-Unternehmen. Die Z/Yen Group erstellt halbjährlich einen Index der globalen Finanzzentren, in dem der AIFC inzwischen auf Platz 72 von 108 Städten rangiert, knapp hinter Moskau.

Die „Dekarbonisierung“ der chinesischen BRI werde „angesichts des Umfangs der Infrastruktur, die dort geschaffen wurde und wird, ziemlich viel Arbeit erfordern“, fügt Mainelli hinzu. „Sicherlich hat Nur-Sultan somit eine ausgezeichnete Position sowohl für die Finanzierung als auch als Standort für Doppel-, Dreier- und Vierergeschäfte in diesem Bereich gefunden,“ resümiert er.

Going Green

Auf internationalen Druck hin sagte der chinesische Präsident Xi Jinping im April 2019, die BRI solle nun „offen, sauber und grün“ werden. Man versucht in Peking offenbar, die Ängste vor Umweltzerstörung, Schuldenfallen und Korruptionsrisiken zu zerstreuen, die viele durch Chinas massives Infrastrukturprojekt befürchten.

Das BRI-Forum erarbeitete daher im vergangenen Jahr die Green Investment Principles for Belt and Road Development (GIP). Dies sind unverbindliche Grundsätze, die von Finanzinstitutionen verlangen, sich öffentlich zur Durchführung von Umweltverträglichkeitsprüfungen zu verpflichten und Umweltinformationen für ihre Investitionen offenzulegen.

Kasachstan positioniert sich als Brücke zwischen Asien und Europa

Die Hauptbereiche, auf die sich die Region Zentralasien in den kommenden Jahren konzentrieren will, sind nach eigenen Angaben Umweltschutz und Handelsliberalisierung.

Astana International Exchange (AIX), der Börsenzweig des AIFC, der in Partnerschaft mit dem Nasdaq und der Börse von Shanghai gegründet wurde, hat sich diesen „grünen Prinzipien“ angeschlossen.

Die Pläne des AIFC sollen zur nachhaltigen wirtschaftlichen Entwicklung Kasachstans beitragen, indem die Kreislaufwirtschaft skaliert, in die Infrastruktur investiert und die sogenannte „vierte industrielle Revolution“ genutzt wird, die eine stärkere Digitalisierung und datengesteuerte Geschäftsmodelle mit sich bringt.

„Aber was für uns innovativ ist, mag in Hongkong oder London nicht innovativ sein, da sich der AIFC noch in einer frühen Wachstumsphase befindet,“ räumt der Chief Strategy Officer des AIFC, Alexander Van de Putte, ein. Er fügt hinzu, dass „wir mit der Zeit natürlich versuchen werden, unser Geschäft weiterhin neu zu erfinden“.

Angesichts der Coronavirus-Pandemie beschleunige sich aktuell „der letzte End-Kampf des Öls“. Dies werde „Auswirkungen auf Kasachstan und andere rohstoffreiche Länder haben, aber wir glauben auch, dass es Chancen schaffen wird“, so Van de Putte.

Während aktuell noch mehr als 70 Prozent der Elektrizität des zentralasiatischen Landes durch Kohleverbrennung erzeugt wird, ist die Entwicklung erneuerbarer Energien unter der neuen Führung des postsowjetischen Staates zu einem wichtigen Punkt auf der Agenda geworden. Das Land verstärkt seine Bemühungen um den Übergang zu einer kohlenstoffarmen Entwicklung, um die Diversifizierung der Wirtschaft – und um privates Kapital und Investitionen.

Kasachstan hat sich inzwischen verpflichtet, seinen Anteil an erneuerbarer Energie bis 2020 auf drei Prozent und bis 2030 auf zehn Prozent zu erhöhen und bis 2050 die Hälfte der verbrauchten Energie aus grünen Quellen zu beziehen.

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Nach seiner Eröffnung im Juli 2018 beherbergt der AIFC nun 500 Unternehmen aus 35 Ländern und hat etwa 5.000 lokale Fachkräfte aus- und weitergebildet, die staatliche Dienstleistungen für Expats erbringen, sowie eine „Green-Bond-Taxonomie“ zur Klassifizierung grüner Projekte entwickelt.

„Das digitale Finanzzentrum ist eine der wichtigsten Prioritäten, die wir haben“, sagt AIFC-Chefökonom Baur Bektemirow. „Wir sind jetzt zum Beispiel in der Lage, Unternehmen online zu registrieren und online Lizenzen zu vergeben“.

Der AIFC hat auch ein „regulatorisches Testfeld“ eingerichtet, der es bereits 17 Fintech-Startups ermöglicht hat, in einem sicheren, vorübergehend gelockerten regulatorischen Umfeld zu investieren, Produkte zu entwickeln und zu skalieren.

Um sein Ziel zu erreichen, das führende Finanzzentrum für die Region zwischen Osteuropa und Westchina zu werden, muss der AIFC jedoch – in erster Linie durch eine Erhöhung der Marktliquidität – vom Grenz- zum Schwellenmarktstatus übergehen, und zwar auf der Grundlage der führenden globalen Marktindizes, um einen größeren Kapitalzufluss zu ermöglichen.

„Wenn wir über den lokalen Kapitalmarkt sprechen, verstehen wir natürlich, dass wir uns in einem sehr frühen Entwicklungsstadium befinden und das Liquiditätsniveau noch sehr niedrig ist. Es handelt sich um einen flachen Markt“, sagt Bektemirow. „Deshalb hatten wir, als wir unseren Trip für die Entwicklung der Kapitalmärkte begannen, wichtige Ankerprojekte im Sinn, und eines der wichtigsten Projekte war das Privatisierungsprogramm der Regierung.“

„Die Regierung hat sich nun verpflichtet, ihren Anteil am Markt zu verringern, und sie privatisiert eine Reihe wichtiger Vermögenswerte,“ fügt er erklärend hinzu.

Kasachstan und Belarus besprechen Öl-Lieferdeal

Kasachstan und Weißrussland werden noch vor dem 20. Januar über ein Öllieferabkommen diskutieren, teilte der kasachische Energieminister Nurlan Nogajew am Mittwoch (15. Januar) mit.

Anfang des vergangenen Monats nahm Kasachstans Staatsfonds Samruk-Kazyna mehr als 200 Millionen US-Dollar ein, indem eine 6,3-prozentige Beteiligung am weltgrößten Uranbergbaubetrieb Kazatomprom verkauft wurde, der 2019 fast 24 Prozent der weltweiten Uranproduktion ausmachte.

Einige Tage später gaben die Behörden jedoch bekannt, dass die Privatisierung der anderen Vermögenswerte des Fonds für die Jahre 2021-2023 – zu denen die staatliche Öl- und Gasgesellschaft, Fluggesellschaften und die nationale Eisenbahngesellschaft gehören – aufgrund der hohen Marktvolatilität, der niedrigen Energiepreise und des wirtschaftlichen Abschwungs vorerst aufgeschoben werde.

Die Rolle der Verfügbarkeit von Finanzmitteln für den grünen Übergang in der Region steht derweil auch bei der EU ganz oben auf der Tagesordnung. „Wir müssen und wollen diesen Übergang zu grünen Volkswirtschaften durch verfügbare Finanzinstrumente erleichtern,“ sagte Peter Burian, der EU-Sonderbeauftragte für Zentralasien, am vergangenen Mittwoch (1. Juli) auf der Online-Konferenz Astana Finance Days.

„Wir haben in unseren Gesprächen [mit den Führern Zentralasiens] auch betont, dass diese Krise vielleicht etwas Gutes bewirken könnte. Sie kann genutzt werden, um Dinge anders zu machen, um wirklich auf einen nachhaltigeren, grüneren Aufschwung und letztendlich auf nachhaltigere Wirtschafts- und Sozialmodelle hinzuarbeiten,“ gab sich Burian optimistisch.

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Kasachstans Präsident Nasarbajew hat dem Außenministerium den Hauptauftrag gegeben, ausländische Investitionen einzuwerben.

Burian sagte weiter, er beobachte eine Zunahme des Interesses von EU-Unternehmen an der Region. Diese würden aber auch erwarten, dass die Regierungen Zentralasiens einen einladenden und sicheren Raum schaffen, in dem die europäischen Firmen nach angemessenen Standards arbeiten können.

„Wir glauben, dass sich die Region an einem sehr wichtigen historischen Scheideweg befindet,“ so Burian. „Wenn die Dinge schnell verbessert werden können und sich das wirtschaftliche Gravitationszentrum weiter nach Osten verlagert, hat Zentralasien meiner Meinung nach das Potenzial, sich recht schnell zu erholen und viele Investitionen für den Aufbau von Verbindungen anzuziehen, um als echte Drehscheibe für Verbindungen zwischen Europa und Asien zu dienen.“

Ökologisierung, grüne Finanzen sowie Digitalisierung dürften daher auch die Tagesordnung des EU-Zentralasien-Wirtschaftsforums in Kirgisistans Hauptstadt Bischkek dominieren, die aufgrund der Pandemie nun auf 2021 verschoben wurde.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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