Nowitschok-Nervengift aus Tschechien?

Senden verschiedene Signale in Sachen Nowitschok: Präsident Zeman und Regierungschef Babis. [EPA-EFE/MARTIN DIVISEK]

Nachdem Präsident Milos Zeman äußerte, dass das Nervengift Nowitschok in Tschechien hergestellt wurde, gibt es widersprüchliche Signale aus Prag.

Unmittelbar nach dem Anschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal im britischen Salisbury machte London den Kreml verantwortlich. Beweise konnten nicht vorgelegt werden, die unmittelbare Beteiligung Moskaus sei jedoch die einzig logische Erklärung, da nur in der Sowjetunion dieses Gift produziert worden sei.

Entsprechend pikant sind die Äußerungen Zemans. Londons Glaubwürdigkeit in der Affäre ist ohnehin angekrazt, seit die Regierung eingestehen musste, dass bei Labortests der russische Ursprung des Giftes nicht nachgewiesen werden konnte. Der tschechische Regierungschef Andrej Babis hat sich nun allerdings von Äußerungen Zemans distanziert: „Die Tschechische Republik hat niemals irgendeine Substanz aus der Nowitschok-Gruppe hergestellt, entwickelt oder gelagert, teilte Babis am Montag via Twitter mit.

In einer Erklärung von Babis‘ Büro hieß es allerdings, Prag habe 2017 geringe Mengen von Nowitschok A-230 als Teil eines Militärprogramms zum Schutz von Soldaten und Zivilisten gewonnen. Das dabei angewandte Verfahren gelte internationalen Abkommen zufolge aber nicht als Herstellung oder Entwicklung der Substanz. Außerdem unterscheide sich Nowitschok A-230 von Nowitschok A-234, das beim Anschlag auf Skripal eingesetzt worden sei. Zemans Äußerungen beruhten auf einem „Missverständnis“, erklärte Babis.

Hintergrund

Der prorussische Staatschef hatte am Donnerstagabend in einem Fernsehinterview erklärt, Tschechien habe eine Substanz aus der Gruppe der Nowitschok-Gifte "hergestellt und getestet". Es habe sich allerdings um eine kleine Menge gehandelt, die später vernichtet worden sei. Zeman zitierte einen Bericht des Militärgeheimdienstes, räumte aber gleichzeitig ein, dass der Inlandsgeheimdienst die Behauptungen zurückweise.

Bei dem Giftanschlag waren Skripal und seine Tochter Anfang März schwer verletzt worden. Julia Skripal konnte die Klinik inzwischen verlassen, auch Sergej Skripal ist auf dem Wege der Besserung. Der Westen macht unter anderem wegen der Art des verwendeten Gifts Russland für den Anschlag verantwortlich. Moskau bestreitet das entschieden.

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