Afrikanische Kleinbauern in absoluter Notlage

Teilnehmer der Diskussionsrunde im Rahmen der EU Development Days. [Matthew Tempest/Flickr]

Ungefähr 70 Prozent der Nahrungsmittel weltweit stammen von Kleinbauern, die meisten von ihnen leben in Entwicklungsländern. Diese Bauern müssten bis 2030 ihre Produktion verdoppeln, um mit dem Bevölkerungswachstum Schritt zu halten, hieß es am Donnerstag bei einer Diskussionsrunde mit Experten während der European Development Days in Brüssel.

Die Lage dieser Kleinbauern, die meist nur ein Hektar Land oder weniger bewirtschaften, werde jedoch beim Kampf gegen Armut und aufgrund des medialen Fokus auf Migration oft übersehen, gab ein führender Beamter der EU-Kommission für europäische Entwicklungszusammenarbeit zu.

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Dr. Leonard Mizzi, der Chef der Direktion Ländliche Entwicklung, Nahrungsmittelsicherheit und Ernährung, warnte, dass sich die globale Nahrungsmittelerzeugung aufgrund des Bevölkerungswachstums „bis 2030 verdoppeln und dann bis 2050 noch einmal verdoppeln“ müsste.

Während Landwirte im Westen zumindest teilweise durch Subventionen wie die gemeinsame Agrarpolitik der EU oder bundesstaatliche Förderung der US-Regierung unterstützt werden, wird es für die 70 Prozent der Bauern in ländlichen Gebieten in Entwicklungsländern eine riesige Herausforderung, ihre Produktion derart zu erhöhen.

„Wir brauchen mehr Kooperation“, forderte Mizzi während der Veranstaltung „Global Partnerships supporting smallholder partnerships” am letzten Tag der von der EU ausgerichteten Konferenz. „Das Wachstum der Kleinbauern ist eine Herzensangelegenheit und der Kernpunkt des neuen Europäischen Konsens über die Entwicklungspolitik.“ Es müssten Partnerschaften entlang der Nahrungsmittel-Wertschöpfungsketten gebildet werden, „wenn wir Erfolg haben wollen“, so Mizzi weiter.

Der Fokus auf den Privatsektor bei den diesjährigen – und auch bei vorherigen – EU Development Days ist kontrovers. Kritiker sind der Meinung, für westliche Firmen sei der Profit das einzige Motiv für Investitionen in Subsahara-Afrika.

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Dem widersprach Maaike Groot, Europa-Vertreterin der East-West Seed Company, die sich auf die Züchtung tropischer Pflanzensamen für den Entwicklungssektor spezialisiert. Ihre Firma sei ein Privatunternehmen, habe aber das Ziel, „die Lebensumstände von Kleinbauern zu verbessern.“

East-West habe letztes Jahr mehr als 250 Millionen seiner 1-Dollar-Saatgutpakete verkauft und es Landwirten damit ermöglicht, mit neuen Pflanzenarten zu experimentieren, erklärte Groot. „Wir arbeiten am absoluten Startpunkt der Wertschöpfungskette und bieten innovative Produkte, die das Einkommen von Kleinbauern wachsen lassen.“

In Zusammenarbeit mit Regierungen hätten bereits 34000 Landwirte von den Samen – die im Labor gezüchtet werden, um den lokalen Umweltanforderungen und Geschmäckern der Verbraucher zu entsprechen – profitiert. In den nächsten Jahren werde diese Zahl verdoppelt, hofft Groot.

Bei 500 Millionen Kleinbauern auf der Welt sei dies aber ein Tropfen auf den heißen Stein, musste sie zugeben. Sie sieht die größte Herausforderung für den Privatsektor in der fehlenden Beständigkeit: Unternehmen müssten „am Ball bleiben und Märkte und Vertriebswege aufbauen“. Es dauere fünf bis zehn Jahre, bis eine Firma in diesen sich entwickelnden Märkten profitabel werde.

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Henry Msatilomo, ehemaliger Landwirtschaftminister Malawis, erklärte, die erfolgreichsten öffentlich-privaten Partnerschaften „starten am Farmtor”. Es sei wichtig, „dass der Bauer seine eigenen Pläne und Bedürfnisse einbringen kann.“

Hauptprobleme sind sowohl ein Technologiemangel sowie mangelnde Bildung. Viele der Kleinbauern leben in den abgelegensten Regionen der ärmsten Länder der Welt. Dr. Roberto Ridolfi, verantwortlich für nachhaltiges Wachstum und Entwicklung bei der DG Entwicklung und Zusammenarbeit, gab ein Beispiel: In einigen Entwicklungsländern würden Bauern „nicht als Mann angesehen“, wenn sie kein Mais anbauen – obwohl die Pflanze auf heftige Regenfälle angewiesen ist und beispielsweise der Anbau von Cashewnüssen profitabler sein könnte.

Mit Mobiltechnologie könnten aber 50 Millionen Bauern erreicht werden und durch einen einzigen Klick zum Beispiel über einen Schädlingsbefall von Bananenstauden informiert werden, erklärte Ridolfi.

Auch Washington Otieno, Direktor des Centre for Agricultural and Bioscience International (CABI), verwies auf solche Technologie und beschrieb die sogenannten „Pflanzenärzte“ seiner Organisation. In der Initiative können Kleinbauern über WhatsApp oder Telegram ein Bild ihrer Pflanzen an einen Experten schicken, der mit einer derzeitigen Erfolgsrate von 92 Prozent den Schädlingsbefall diagnostiziert und Tipps zur Bekämpfung gibt.

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