Norwegen zeigt COP21 die kalte Schulter

Erna Solberg

Die norwegische Premierministerin Erna Solberg hält auch nach der COP21 an der Öl- und Gasförderung fest [Trondheim Havn/Flickr]

Umweltverbände fordern von Norwegen nach der UN-Klimakonferenz (COP21) einen Richtungswechsel in der Wirtschaft. Diese setze noch immer zu sehr auf Öl- und Gasexporte. Die norwegische Premierministerin Erna Solberg besteht jedoch auf den momentanen Kurs. EURACTIV Brüssel berichtet.

Öl- und Gasexporte sind seit den 1960ern wichtiges Standbein der norwegischen Wirtschaft. Sie machten das skandinavische Land zu einem der weltweit größten Produzenten in diesem Bereich.

Am vergangenen Samstag einigte sich die Weltgemeinschaft bei der UN-Klimakonferenz COP21 in Paris auf ein historisches Abkommen im Kampf gegen die Erderwärmung. Fast 200 Länder beschlossen, den globalen Temperaturanstieg auf „weit unter“ zwei Grad im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter zu beschränken. Im Abschlussdokument nahm man dabei Bezug auf das niedrigere, langfristige 1,5-Grad-Ziel. Das bedeutet, dass man die von fossilen Brennträgern wie Öl verursachten Emissionen dramatisch senken muss.

Laut Bellona-Stiftung, einer internationalen Umwelt-NGO mit Sitz in Oslo, könnte das am Wochenende beschlossene Pariser Klimaabkommen das Ende des norwegischen Ölgeschäfts ab 2035 einläuten. Der Umweltverband Zero betonte, Norwegen müsse eine besondere Verantwortung übernehmen, um den Ausstieg aus den fossilen Brennstoffen sicherzustellen.

„Wir müssen unter anderem die Ölbohrungen in den nördlichen Gebieten stoppen,“ sagte Lars Haltbrekken vom norwegischen Naturschutzbund. „Ein 1,5-Grad-Szenario lässt ab 2040 einfach keinen Raum mehr für norwegisches Öl oder Gas aus der Barentssee,“ so Greenpeace-Vertreter Truls Gulowsen.

Mit Volldampf weiter im Öl- und Gasgeschäft

Die norwegische Premierministerin Erna Solberg sieht jedoch vor allem Kohle als das Hauptproblem. Norwegisches Gas könne ihr zufolge Teil der Lösung zur europaweiten Emissionsminderung vor 2030 sein.

„Wir werden in allen Bereichen der norwegischen Wirtschaft gewisse Änderungen vornehmen, um die ehrgeizigen Klimaziele zu erreichen, die sich das Parlament gesetzt hat. Das bedeutet jedoch nicht, dass der Bedarf an Öl und Gas in den kommenden Jahrzehnten ausbleiben wird,“ sagte die Premierministerin. „Wir werden Öl und Gas weiterhin fördern. Gleichzeitig werden wir aber auch versuchen, Arbeitsplätze in anderen Sektoren zu schaffen.“

Wenn man das norwegische Erdölgeschäft einstelle, könnten andere Länder mit höherem CO2-Ausstoß ihre Produktion ausweiten, argumentierte Oskar Grimstad, klimapolitischer Sprecher der regierenden Fortschrittspartei. „Wir empfehlen daher, in Zukunft mit Höchstgeschwindigkeit an der Öl- und Gasförderung weiterzuarbeiten, damit wir die Ziele des Pariser Abkommens erreichen.“