Nigeria bietet EU an, russisches Gas zu ersetzen

Algerien, Niger und Nigeria haben sich vor kurzem auf den Bau der Trans-Sahara-Gaspipeline geeinigt und bemühen sich, um kommerzielle Investitionen für dieses Projekt anzuziehen. Nach ihrer Fertigstellung wird die Pipeline jährlich 30 Milliarden Kubikmeter Gas Richtung Europa befördern. [EPA/STR]

Nigeria erklärt sich bereit, seine Gaslieferungen nach Europa drastisch zu erhöhen, da die Union dringend auf der Suche nach Alternativen zu seiner derzeitigen Abhängigkeit von russischen Energielieferungen ist.

Timipre Sylva, Staatsminister für Erdölressourcen, erklärte am Freitag (25. März) bei einem Treffen mit EU-Diplomat:innen in Abuja, sein Land sei bereit, sich als alternativer Gaslieferant für die EU zur Verfügung zu stellen.

Er forderte die EU auf, ihre Öl- und Gasunternehmen wie Shell, Eni und Total Energies zu ermutigen, ihre Investitionen in den nigerianischen Gassektor zu erhöhen.

„Wir möchten verlässliche Partner sein, um das Energieproblem in Europa zu lösen, und das können wir nur erreichen, wenn wir zusammenarbeiten. Nur wenn die Investitionen in diesen Bereichen erhöht werden, kann Nigeria dieser Verpflichtung nachkommen“, sagte Sylva.

Letzte Woche hat die EU auf dem Gipfel des Europäischen Rates in Anwesenheit von Präsident Joe Biden ein Abkommen mit den USA über die Lieferung von 15 Milliarden Kubikmetern Flüssigerdgas (LNG) an die EU in diesem Jahr abgeschlossen.

Ferner haben inzwischen einzelne Länder Gespräche mit Algerien, Katar und anderen Staaten aufgenommen, um zusätzliche Gaslieferungen zu ermöglichen. Vor allem Algerien liefert bereits erhebliche Mengen an Gas an Länder wie Italien, Portugal und Spanien.

Algerien, Niger und Nigeria haben sich vor kurzem auf den Bau der Trans-Sahara-Gaspipeline geeinigt – einer 4.128 km langen Gaspipeline, die durch die drei Länder bis nach Europa verlaufen soll – und bemühen sich, um kommerzielle Investitionen für dieses Projekt anzuziehen. Nach ihrer Fertigstellung wird die Pipeline jährlich 30 Milliarden Kubikmeter Gas Richtung Europa befördern.

Bis zur Energiekrise und der Neuordnung der EU-Energieversorgung nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hatte die EU den afrikanischen Staaten vorgeschlagen, sich von der Förderung fossiler Brennstoffe abzuwenden und auf grüne Energie zu setzen.

„Einer der Punkte, auf die wir früher hingewiesen haben, war die Geschwindigkeit, mit der die EU Investitionen in fossile Brennstoffe abzieht. Wir haben gewarnt, dass das Tempo schneller war als die Entwicklung erneuerbarer Energien. Jetzt können Sie sehen, dass das, wovor wir gewarnt haben, genau das ist, was jetzt passiert“, kritisierte Sylva die bisherige Haltung der EU.

„In den letzten 10 Jahren sind Investitionen im Wert von über 70 Milliarden Dollar nach Afrika geflossen, aber leider kamen überraschenderweise weniger als 4 Milliarden Dollar nach Nigeria, obwohl wir das größte Land in Afrika sind. Wenn wir nicht in der Lage sind, Investitionen nach Nigeria zu holen, wissen Sie, wohin wir uns bewegen“, sagte er.

In den letzten Wochen haben hochrangige Beamte der Europäischen Kommission jedoch einen deutlichen Kurswechsel vollzogen.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell gab bekannt, dass die EU mit Gasproduzenten – darunter Algerien – Verhandlungen über eine Ausweitung der LNG-Lieferungen führe.

Eine Woche vor dem Gipfeltreffen zwischen der EU und der Afrikanischen Union im Februar in Brüssel kamen die Vizepräsidentin der Europäischen Kommission, Margrethe Vestager, und der nigerianische Vizepräsident Yemi Osinbajo zusammen, um Fragen zur Energieversorgung der EU zu erörtern.

Daraufhin erklärten sie sich bereit, „alle Optionen für eine verstärkte Lieferung von verflüssigtem Erdgas aus Nigeria in die EU zu prüfen“.

Angesichts der Ukrainekrise, die Europas Gaslieferungen aus Russland infrage stellt, bietet sich für andere afrikanische Gasproduzenten, darunter Nigeria, die Möglichkeit, Exporte nach Europa zu fördern und so ihre Einnahmen zu steigern und zugleich eine wichtige geopolitische Position zu erlangen.

Zurzeit liefert Nigeria den Großteil seiner Gasexporte – etwa 90 Prozent – nach China.

[Bearbeitet von Nathalie Weatherald]

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