Große NATO-Übung gegen potenzielle russische Aggression

Niederländische Soldaten kurz vor Abflug in Eindhoven. Sie werden in den kommenden Tagen an der NATO-Übung "Trident Juncture" teilnehmen. [Remko De Waal/EPA/EFE]

Bei der größten Übung der NATO seit dem Ende des Kalten Krieges wird die Verteidigung Norwegens simuliert. Die Aktion „Trident Juncture“ beginnt am morgigen Donnerstag und umfasst 50.000 Soldaten aus 31 Ländern – die 29 NATO-Mitglieder sowie Schweden und Finnland.

Offiziell geht es bei der Übung, die bis zum 7. November laufen soll, nicht darum, auf einen russischen Angriff auf ein NATO-Mitglied zu reagieren. Mitteilungen einiger US-Beamte legen jedoch nahe, dass die geopolitische Botschaft von Trident Juncture klar ist: Die NATO verstärkt ihre Fähigkeiten, auf russische Aggression zu reagieren.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg bekräftigte am Mittwoch gegenüber Pressevertretern, das Szenario sei fiktiv, aber „die daraus abzuleitenden Lehren“ seien real. Er sei der Ansicht, das Sicherheitsumfeld Europas habe sich in den letzten Jahren ernsthaft verschlechtert. Trident Juncture sei daher auch ein Ausdruck der Anpassung der NATO an diese neuen Herausforderungen.

Trident Juncture ist eine Simulation, bei der die „Nördlichen Kräfte“ gegen die „Südlichen Kräfte“ antreten – hauptsächlich an Land in Mittel- und Ostnorwegen. Das Kernübungsgebiet liegt dabei mehr als tausend Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Allerdings werden auch Luftstreitkräfte von Flughäfen im Norden aus operieren. Dabei liegt beispielsweise die finnische Luftwaffenbasis Rovaniemi nur etwa 150 Kilometer von der Kola-Halbinsel entfernt, auf der Russland Militärbasen hat.

Darüber hinaus werden der US-amerikanische Flugzeugträger Harry S. Truman und seine Kampftruppe, darunter weitere Schiffe und Flugzeuge, ebenfalls an Trident Juncture teilnehmen. Dies ist das erste Mal seit dem Kalten Krieg, dass eine solche US-Flugzeugträgergruppe in norwegischen Gewässern unterwegs ist.

Das Ende der finnischen und schwedischen „Blockfreiheit“?

In den vergangenen Jahren haben sich die Nicht-NATO-Länder Finnland und Schweden dem Bündnis im Bereich der operativen militärischen Zusammenarbeit immer weiter angenähert.

„Es ist nicht notwendig, den potenziellen Angreifer zu benennen,“ schrieb der ehemalige Außenminister Schwedens, Carl Bildt, in einem Meinungsartikel für Project Syndicate.

Bildt weiter: „In den letzten Jahren hat sich die Sicherheitssituation Nordeuropas verändert. Als Reaktion auf die russische Aggression und ihren Revisionismus hat die NATO Bataillonskampfgruppen in Estland, Lettland und Litauen sowie Luftwaffenstaffeln eingesetzt, um den Luftraum dieser Länder zu überwachen. Und sowohl in Schweden als auch in Finnland steigen die Verteidigungsausgaben. Außerdem wird derzeit darüber diskutiert, ob die privilegierte Partnerschaft mit der NATO zur Vollmitgliedschaft ausgebaut werden sollte.“

Studie: Mehrheit der Deutschen würde NATO-Partnern bei Russland-Krieg nicht beispringen

Laut einer US-Studie steigt die Zustimmung vieler europäischer Bürger zur NATO. Auch in Deutschland stehen die meisten Befragten hinter der Allianz – bei einem Konflikt mit Russland würde jedoch nur eine Minderheit ein Partnerland verteidigen.

Russland: „Verletzung der guten Nachbarschaftsbeziehungen“

Russlands Außenministerin Maria Sacharowa sagte der staatlichen Nachrichtenagentur Tass, der Ausbau der Präsenz des US Marine Corps und die insgesamt erhöhte westliche Militärpräsenz in Norwegen stelle eine „Verletzung aller bewährten Traditionen der guten Nachbarschaftsbeziehungen“ dar und sei „gegen die Neutralitäts-Politik der norwegischen Regierung“, die sie bereits in der Zeit des Kalten Krieges verfolgt habe.

Im vergangenen Monat hatte Russland selbst seine größten Militärübungen seit mindestens 1981 gestartet. An der Aktion Vostok-18 nehmen auch chinesische und mongolische Truppen teil.

Stoltenberg hingegen betonte, das westliche Militärbündnis habe russische Beobachter zur NATO-Aktion eingeladen. Er betonte, die NATO habe Russland über Trident Juncture informiert – ebenso wie Moskau im Vorfeld über Vostok informiert habe.

Russland mit riesigem Militärmanöver

Russland startet heute das größte Militärmanöver seiner Geschichte. Rund 300.000 Soldaten nehmen teil.

Stoltenberg erklärte weiter: „Solange sie [russische Beobachter] sich professionell verhalten und gefährliche Situationen und Verhaltensweisen vermeiden, halte ich das Ganze für überhaupt nicht problematisch.“ Russische Militärangehörige seien willkommen, „um die Übung Trident Juncture zu beobachten“.

Desweiteren teilte der NATO-Generalsekretär mit, ein Termin für den nächsten NATO-Russland-Rat sei bisher nicht festgelegt worden; die beiden Seiten hätten sich wegen der Vereinbarung eines Termins jedoch bereits in Verbindung gesetzt. Er fügte hinzu, der Zeitraum 2014-2016, in dem keine derartigen Treffen stattfanden, sei nun definitiv vorbei.

Weitere Informationen

Merkel will Interventionsarmee

Bundeskanzlerin Angela Merkel geht in der Debatte über eine engere europäische Verteidigungspolitik auf Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zu. Auch bei den Euroreformen nähert sie sich Paris an.

Juncker gegen das "Eindreschen auf Russland"

Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker will das Russland-Bashing beenden - und stößt mit diesem Ansinnen auf wenig Gehör in der EU.

Trump hat die NATO stärker gemacht - meint Trump

US-Präsident Donald Trump gab bekannt, er habe seinen NATO-Verbündeten Zusagen über weitere Verteidigungsausgaben abringen können, wodurch die NATO "viel, viel stärker" geworden sei.

Subscribe to our newsletters

Subscribe