Nach Anschlägen auf Christen: Ausnahmezustand in Ägypten

Der ägyptische Präsident Abdel-Fattah al-Sisi kann kein Partner im Kampf gegen den Terrorismus sein, meint Stephan Roll.

Als Reaktion auf die Anschläge auf zwei koptisch-christliche Kirchen in Ägypten hat das Militärregime gestern den Ausnahmezustand über das ganze Land verhängt.

Armee und Polizei erhielten damit weitreichende Befugnisse zur Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und Sicherheit. Der Ausnahmezustand gilt zunächst für drei Monate. Das Parlament muss den Kabinettsbeschluss innerhalb von sieben Tage bestätigen, damit er in Kraft bleibt.

Bei den Anschlägen auf Kirchen in Tanta im Nil-Delta und Alexandria waren mindestens 44 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 100 wurden verletzt. Die Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu den Attentaten. Im Kloster Sankt Mina bei Alexandria versammelten sich am Montag die Familien der Getöteten zur Beisetzung ihrer Angehörigen. 17 Särge waren vor der berühmten Wallfahrtsstätte aufgereiht. Die Trauerfeier fand unter scharfen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizisten durchsuchten alle Autos. An der Straße von Kairo nach Alexandria waren mehrere Panzer postiert.

Präsident Abdel Fattah al-Sisi hatte unmittelbar nach den Attentaten am Sonntag den Ausnahmezustand angekündigt. Zugleich ordnete er den landesweiten Einsatz des Militärs an, um die Polizei beim Schutz wichtiger Einrichtungen zu unterstützen.

„Die Streitkräfte und die Polizei werden alles Notwendige unternehmen, um den Bedrohungen entgegenzutreten, die vom Terrorismus und dessen Finanzierung ausgehen“, erklärte die Regierung. Es gehe darum, die Sicherheit im Land zu gewährleisten, öffentliches und privates Eigentum sowie das Leben der Bürger zu schützen.

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Papst wird Ende April in Ägypten erwartet

Die Anschläge zielten offenbar darauf ab, unter den koptischen Christen Angst zu schüren. Zehn Prozent der Ägypter sind Kopten. Sie wurden in der Vergangenheit immer wieder zum Ziel von Angriffen radikaler Muslime. Die Anschläge am Palmsonntag weckten auch Sorgen um die Sicherheit von Papst Franziskus, der am 28. und 29. April Ägypten besuchen will. Der Papst werde trotz der Anschläge an seinem Reiseplan festhalten, zitierten Medien einen Erzbischof aus dem Staatssekretariat des Vatikans.

Das Auswärtige Amt in Berlin aktualisierte nach den Anschlägen seine Reise- und Sicherheitshinweise für Ägypten. Es bestehe landesweit ein erhöhtes Risiko terroristischer Anschläge und die Gefahr von Entführungen. Demonstrationen und Menschenansammlungen, insbesondere vor religiösen Stätten, Universitäten und staatlichen Einrichtungen sollten unbedingt gemieden werden. Auch bei Reisen in die Touristengebiete am Roten Meer werde zu Vorsicht geraten.

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