Mitteleuropas wachsende Wirtschaftsräume verlangen nach neuen Verkehrslösungen

Mit der Fusion von Siemens und Alstom wäre ein Konzern entstanden, der "in Europa sicherlich dominant, im Vergleich zu seinen chinesischen Konkurrenten aber von bescheidener Größe" wäre, so Bernard Spitz. Im Bild: Ein von Siemens gebauter "Railjet" der ÖBB. [dpa]

Die stark wachsenden Wirtschaftsräume Mitteleuropas sollen durch eine „Europaspange“ besser verkehrsmäßig verbunden werden.

Beim Verkehrsministerium in Wien liegt ein Antrag Niederösterreichs vor, mit dem eine hochrangige Straßenverbindung bewilligt werden soll, die die boomenden Wirtschaftsregionen von Süddeutschland, Tschechien und der Slowakei verbindet.

Die geplante Autobahn wird dabei quer durch das Wein- und Waldviertel führen, zwei Regionen, die bis vor 30 Jahren, bis zum Fall des Eisernen Vorhangs, noch mit dem Problem der „toten Grenze“ zu kämpfen hatten.

Während das Weinviertel vom Einzugsgebiet der Bundeshauptstadt Wien profitiert, führt das Waldviertel ein etwas verträumtes Dasein. Hier sollen neue Infrastrukturmaßnahmen die Region besser vernetzen.

Nutznießer dieser „Europaspange“ sind aber auch die Wirtschaftsräume rund um die Landeshauptstädte von Ober- und Niederösterreich, also Linz und St. Pölten.

Für die niederösterreichische Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner handelt es sich dabei um ein milliardenschweres Zukunftsprojekt, dessen Realisierung an die 25 Jahre beanspruchen wird.

Verfolgt werden damit auch regionale Interessen: „Diese Europaspange soll stark wachsende Räume miteinander verbinden, aber auch das Wald- und Weinviertel an diese internationalen Räume anbinden, damit neue wirtschaftliche Impulse gesetzt und zusätzliche Arbeitsplätze in dieser Region entstehen können.“

Tatsächlich macht sich das Fehlen einer leistungsstarken Transversale, die parallel zur tschechisch-österreichischen Grenze verläuft, schon heute durch den starken LKW-Verkehr auf den Bundesstraßen bemerkbar. Daher will Mikl-Leitner bewusst eine Vision in Angriff nehmen.

Denn: „Die Zeit ist jetzt reif, weiter zu denken und Mitteleuropa stärker zu vernetzen.“

Auch in die Bahn wird investiert

Investiert werden soll nicht nur in den Straßen- sondern auch den öffentlichen Verkehr. Daher wird nun auch der Ausbau der so genannten Franz-Josefs-Bahn in Angriff genommen.

Bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs war dies die Eisenbahn-Hauptverkehrsader von Wien nach Budweis und Prag. Nach 1945 wurde sie mit dem Fall des Eisernen Vorhangs, der die Verkehrsströme zwischen Österreich und der Tschechoslowakei zum Erliegen brachte, zu einer Regionalbahn degradiert.

Das erkennt man zurzeit auch an den dortigen Fahrzeiten: Von Wien nach Budapest oder Salzburg benötigt man die gleiche Zeitspanne wie von Wien nach Gmünd, dem Grenzort zur Tschechischen Republik.

Der Grund liegt darin, dass man in den letzten 30 Jahren die Revitalisierung der Bahn immer nur auf die lange Bank geschoben hatte, da das Waldviertel von der Abwanderung von Betrieben und der jüngeren Bevölkerung betroffen war.

Aus dem Fokus verschwunden ist eine Nord-Süd-Verbindung, die von Iglau bis hinunter an die Donau führt.

Dabei existiert auf dieser Route über weite Strecken sogar eine Eisenbahntrasse, die allerdings nur noch von Iglau bis zur österreichischen Grenze in Betrieb steht. Auf österreichischer Seite ist der Verkehr auf der rund 85 Kilometer langen Strecke schon seit langem stillgelegt. Die restlichen rund 25 Kilometer bis zur Westbahn-Hochleistungsstrecke waren in der Monarchie zwar in Planung, wurden aber nie fertiggestellt.

Editiert von Alexandra Brzozowski

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