Macron wirbt in den USA für internationale Zusammenarbeit

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. [EPA-EFE/ERIK S. LESSER]

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich bei seiner mit Spannung erwartete Rede vor dem US-Kongress nachdrücklich für internationale Zusammenarbeit ausgsprochen.

Macron und US-Präsident Donald Trump betonen zuletzt gerne ihre Gemeinsamkeiten. Auch politsch einen die beiden Nationen derzeit viele Interessen, etwa in der Kritik am deutschen Merkantilismus oder im Syrien-Konflikt. Beim Iran-Abkommen und dem Kampf gegen die globale Erwärmung bezog Macron am Mittwoch in seiner Ansprache vor beiden Kammern jedoch andere Positionen als sein Gastgeber.

Europa und die USA müssten die weltweiten Probleme wie Terrorismus gemeinsam angehen, sagte Macron. Internationale Organisationen wie die NATO oder die UN müssten geschützt werden. “Wir können uns für Isolationismus, Rückzug und Nationalismus entscheiden. Das ist eine Option”, sagte er. Dies sei verführerisch, weil damit Ängste vorübergehend abgestellt würden. “Aber die Welt wird sich auch dann weiterentwickeln, wenn man die Tür zuschlägt.”

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Donald Trump ehrt den französischen Präsidenten Emmanuel Macron mit einem pompösen Empfang. Die deutsche Kanzlerin fällt hingegen in seiner Gunst zurück.

Zum Iran erklärte Macron, das Atomabkommen solle nicht aufgegeben werden, wenn man nichts Substanzielleres habe. Frankreich will wie die anderen europäischen Unterzeichnerstaaten Deutschland und Großbritannien an der Vereinbarung festhalten, die Trump massiv kritisiert. Im Gegensatz zu seinem amerikanischen Kollegen befürwortete Macron die Lösung von Handelsstreitigkeiten durch die Welthandelsorganisation (WTO). Er sei für freien und fairen Handel, sagte er in seiner auf Englisch vorgetragenen Rede.

Zum Pariser Klimaabkommen sagte Macron, er gehe davon aus, dass die USA irgendwann wieder beitreten würden. In Anspielung auf Trumps Wahlkampfspruch “make America great again” forderte der Franzose: “Make our planet great again” (“Macht unseren Planeten wieder groß”).

Frankreichs Staatschef appellierte an die USA, auf der Basis der demokratischen Werte an einer Stärkung des Multilateralismus mitzuwirken. Die Vereinigten Staaten hätten bei Aufbau und Schutz einer „freien Welt“ eine entscheidende Rolle gespielt. Sie müssten nun helfen, diese Weltordnung „zu bewahren und neu zu erfinden“.

Hintergrund

Macron ist zu einem dreitägigen Staatsbesuch in den USA. Am Dienstag hatten die beiden Präsidenten ihre Bereitschaft bekundet, die Differenzen über den Atomvertrag mit Iran beizulegen. Am Freitag wird Bundeskanzlerin Angela Merkel zu Gesprächen mit Trump in Washington erwartet.

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Kein neuer Macron-Effekt

Mit viel Spannung wurde die gestrige Rede des französischen Präsidenten vor dem EU-Parlament erwartet. Wenn es hart auf hart kommt, steht Emmanuel Macron mit seinen Visionen jedoch recht alleine da.

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