Macron: Truppenabzug aus der Sahelzone „wäre ein Fehler“

Frankreich werde seine militärische Präsenz in den kommenden Monaten wahrscheinlich dennoch reduzieren, warnte Macron: "Zweifellos wird es zu gegebener Zeit signifikante Änderungen an unserem Militärsystem in der Sahelzone geben; aber sie werden nicht sofort stattfinden." EPA-EFE/FRANCOIS MORI

Präsident Emmanuel Macron ist am Dienstag von der Forderung nach einem baldigen Abzug der in der Sahelzone stationierten französischen Truppen abgerückt. Diese Entscheidung fällte er nach einem zweitägigen Gipfel über die Zukunft der Mission gegen islamistisch-militante Gruppen in der nordwestafrikanischen Region.

„Ich glaube, dass ein überstürzter Abzug der französischen Truppen […] ein Fehler wäre,“ sagte Macron nach dem G5-Sahel-Gipfel im Tschad, an dem die europäischen Staats- und Regierungschefs per Videoschalte teilnahmen.

Im Vorfeld des Gipfels hatten französische Beamte angedeutet, Macron werde wahrscheinlich eine Reduzierung der Truppen um etwa 600 Soldaten ankündigen. Damit wäre die französische Militärpräsenz in der Region auf 4.500 Personen zusammengekürt worden, wodurch wiederum die neue EU-Mission, die Takuba Task Force, unter Druck geraten wäre, ihr eigenes Engagement in der Region zu verstärken.

Die in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres gestartete Takuba Task Force umfasst Truppen aus Belgien, der Tschechischen Republik, Dänemark, Estland, Deutschland, den Niederlanden, Portugal, Schweden und dem Vereinigten Königreich.

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Frankreich werde seine militärische Präsenz in den kommenden Monaten wahrscheinlich dennoch reduzieren, warnte Macron: „Zweifellos wird es zu gegebener Zeit signifikante Änderungen an unserem Militärsystem in der Sahelzone geben; aber sie werden nicht sofort stattfinden.“

EU-Ratspräsident Charles Michel erklärte seinerseits, dass mehrere EU-Länder „die Möglichkeit eines Beitritts prüfen und auch die Unterstützung für die Takuba-Truppe konsolidieren“ wollen.

Faktisch gab es bisher jedoch keine neuen Zusagen für militärische Unterstützung. Außerdem gibt es wenig Anzeichen dafür, dass die bereits vor Ort präsenten EU-Länder bereit sind, ihre Truppenkontingente in nächster Zeit zu erhöhen. Nach dem Gipfel am Dienstag sagte der deutsche Außenminister Heiko Maas beispielsweise, Berlin werde seinen Anteil von 1.550 Soldatinnen und Soldaten in Mali nicht aufstocken.

Am Montag hatte dafür der Präsident des Tschad Idriss Deby Itno angekündigt, auf Wunsch Frankreichs zusätzlich 1.200 Soldaten in die Dreiländerzone zwischen Mali, Niger und Burkina Faso zu entsenden.

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Daheim in Frankreich hat eine Kombination aus immer mehr Gefallenen sowie steigenden Kosten – die Operation Barkhane kostete Frankreich schätzungsweise 900 Millionen Euro im Jahr 2020 – Macron zunehmend unter Druck gebracht, Frankreichs Truppeneinsatz zu reduzieren.

Gleichzeitig werden seine Angaben über „bedeutende Erfolge“ gegen islamistische Gruppen in den vergangenen zwölf Monaten in der Sahelzone nicht allgemein geteilt. Stattdessen wächst offenbar das Gefühl, dass die sogenannte „Stabilisierungsstrategie für die Sahelzone“ angesichts der Zunahme von Morden und dschihadistischer Militanz sowie der öffentlichen Feindseligkeit gegenüber Frankreich (als ehemaligem Kolonialherrn in der Region) ins Wanken gerät.

Die politische Instabilität, insbesondere in Mali, bereitet der internationalen Gemeinschaft ebenfalls Sorgen. Im vergangenen Monat traf sich Macron mit Malis Interimsführer Bah N’Daw im Elysée-Palast. N’Daws Übergangsregierung soll 18 Monate lang die Regierungsgeschäfte führen, bevor Wahlen abgehalten werden.

Mindestens ein großes Problem bleibt dabei jedoch bestehen: Seit dem Militärputsch im August 2020, mit dem der damalige Präsident Ibrahim Boubacar Keïta gestürzt wurde, haben die Streitkräfte des Landes weiterhin großen politischen Einfluss.

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