Kräftemessen zwischen Litauen und Russland um Kaliningrad

Die Suwałki-Lücke ist ein schmaler, 70 km langer Landstreifen, der Kaliningrad mit Belarus verbindet. Seit Jahren wird sie als die Achillesferse der NATO angesehen. [Stratfor.com]

Litauen hat den Bahntransit von russischen Gütern zwischen der militärisch strategischen Ostsee-Exklave Kaliningrad und dem russischen Kernland teilweise eingeschränkt. Vilnius besteht darauf, dass es damit lediglich die von der EU verhängten Sanktionen gegen Russland umsetzt. Der Kreml hat angekündigt, nicht untätig zu bleiben

Die Suwałki-Lücke ist ein schmaler, 70 km langer Landstreifen, der Kaliningrad mit Belarus verbindet. Seit Jahren wird sie als die Achillesferse der NATO angesehen.

Der derzeitige Schienentransit über die Suwałki-Lücke, bei dem sowohl Güter als auch Passagiere über Litauen transportiert werden, beruht auf einem Abkommen zwischen Brüssel und Moskau.

In den frühen 2000er Jahren, als Litauen sich auf die EU und die NATO zubewegte, schloss Brüssel mit Moskau ein Abkommen über den Transit von Passagieren und Waren ab.

Der Kreml stimmte zu, obwohl er zuvor versucht hatte, Litauen zu drängen, einem Militärkorridor oder einer fortgesetzten russischen Truppenpräsenz zuzustimmen. Ein solcher Korridor hätte jedoch die NATO-Bestrebungen des Landes im Wesentlichen zum Stillstand gebracht.

Das vereinfachte Transitverfahren wurde am 1. Juli 2003 in Kraft gesetzt, weniger als ein Jahr bevor Litauen am 1. Mai 2004 der EU beitrat.

Rund hundert Züge rollen jeden Monat aus Belarus nach Litauen ein und fahren über Vilnius weiter in die russische Enklave Kaliningrad.

EU verteidigt Litauen beim Transitverbot für Kaliningrad

Litauen habe nicht einseitig gehandelt und lediglich EU-Sanktionen angewandt als das Land beschloss, die Durchfuhr bestimmter Waren in die russische Exklave Kaliningrad zu verbieten, sagte der EU-Chefdiplomat Josep Borrell.

Kriegsszenarien

2017 und 2021 absolvierten belarussische und russische Streitkräfte gemeinsame Militärübungen – bekannt unter den Namen Sapad 2017 und Sapad 2021. Beide Militärmanöver umfassten die Annektierung des Korridors zwischen Belarus und Kaliningrad.

In diesem Fall wären die drei baltischen Staaten vom Rest der NATO isoliert.

Analyst:innen befürchten, dass ein solches Szenario die NATO in einen Krieg mit Russland hineindrängen könnte.

Unter der Voraussetzung, dass Finnland und Schweden der NATO beitreten, hätte die Allianz jedoch die Möglichkeit, Russland als Reaktion auf eine Übernahme der Suwałki-Lücke auf dem Seeweg zu blockieren.

„Sie [Russland] blockieren meinen Suwałki, ich blockiere Ihren Finnischen Meerbusen“, sagte Generalleutnant Martin Herem, der oberste estnische Militärkommandant, kürzlich in einem Interview.

Der russische Exil-Politologe Ivan Preobrazhensky wies darauf hin, dass Wladimir Putin zivile Flugzeuge durch die Suwałki-Lücke fliegen könnte, obwohl Litauen, wie auch der Rest der EU, seinen Luftraum für russische Flugzeuge gesperrt hat.

In einem solchen Szenario könnte Putin dann drohen, NATO-Jets abzuschießen, die die zivilen Flugzeuge abfangen, so Preobrazhensky.

Die gleiche Warnung wurde auch von Michail Chodorkowski ausgesprochen, einem ehemaligen russischen Oligarchen und jetzt prominenten Dissidenten.

[Bearbeitet von Georgi Gotev und Zoran Radosavljevic]

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