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22/01/2017

Kosovo: IS nutzt Armut und Ahnungslosigkeit der Jugendlichen aus

EU-Außenpolitik

Kosovo: IS nutzt Armut und Ahnungslosigkeit der Jugendlichen aus

Der Islamische Staat (IS) will mithilfe von Angst und Terror in Syrien und im Irak ein neues Kalifat errichten. Nun hat die Terrororganisation eine ergiebige Quelle für neue Terror-Rekruten gefunden: den verarmten Kosovo. EurActiv Serbien berichtet.

Geschätzte 200 Kosovo-Albaner sind in dschihadistischen Gruppen in Syrien und im Irak aktiv. Und wie in einigen anderen europäischen Länder auch, verabschiedeten die Behörden in Pristina Gesetze, die eine Beteiligung der Kosovaren an Konflikten im Ausland kriminalisieren. Es ist jedoch entscheidend, die Beweggründe der potenziellen Rekruten zu verstehen und sich mit dem Problem im armen, mehrheitlich muslimischen Kosovo befassen.

Die Hauptgründe für die Ausreise der kosovarischen Jugendlichen nach Syrien und in den Irak seien finanzielle Vorteile und der Informationsmangel über den Krieg, in den sie eintreten, glauben die Vertreter der islamischen Gemeinschaft im Kosovo.

Es gebe verschiedene Faktoren, die die jungen Menschen in die Arme von Organisationen wie dem Islamischen Staat treiben würden, meint der Professor für islamische Studien, Xhabir Hamiti. Diejenigen, die die Reise unternehmen, seien nicht in der Lage ihre Ziele oder Beweggründe klar zu bestimmen, so Hamiti. Sie hätten wenig Kenntnis von den globalen geopolitischen und geostrategischen Interessen in diesem Teil der Welt.

Die wahre islamische Religion basiere auf wirklichen und gesunden Prinzipien, erklärt Hamiti.

Der Einfluss bestimmter Personen habe die jungen Leute seines Landes davon überzeugt, nach Syrien zu gehen, meint der Generalsekretär der islamischen Gemeinschaft im Kosovo, Resul Rexhepi. Der in der Region geführte Krieg sei kein heiliger.

„Es ist möglich, dass sie dafür bezahlt werden. Wieviel weiß ich nicht, aber niemand geht für zehn oder 20 Euro. Die fragliche Summe beeindruckt sie, darum versuchen sie, sie zu bekommen. Aber wie groß diese Geldmenge auch sein mag, man sollte nicht seine Seele und seinen Körper für Geld verkaufen. Söldner gab es schon immer und jeder Krieg hatte sie“, sagt Rexhepi.

Die Ausreise junger Menschen aus dem Kosovo in den Nahen Osten ist ein verstörender Vorgang. Doch Rexhepi zufolge nimmt das Interesse ab, am Dschihad teilzunehmen. Die Zahl der Kosovaren, die sich dem Islamischen Staat anschließen, sei niedriger als im vergangenen Jahr.

Nach Angaben von Beamten des kosovarischen Innenministeriums beteiligen sich rund 300 Kosovaren am Krieg in Syrien und im Irak. Im vergangenen Jahr wurden Dutzende Bürger, darunter auch Imame, wegen des Verdachts der Beteiligung an den Kämpfen verhaftet. Sie sollen auf Seiten des Islamischen Staates und der radikalislamischen Al-Nusra-Front gekämpft haben.

Doch die meisten Verdächtigen wurden freigelassen.

Das Parlament der Republik Kosovo verabschiedete im März ein Gesetz, das die Beteiligung von Kosovaren an Konflikten im Ausland verbietet. Den Kämpfern, denen, die andere zu einer Beteiligung am Krieg anstiften und denen, die Gesetzesbrecher verstecken, drohen Gefängnisstrafen von fünf bis 15 Jahren.

Hintergrund

Die Aufständischen des Islamischen Staats (IS) sind salafistische Dschihadisten. Sie wollen ein mittelalterliches Kalifat erichten, das den Irak, Syrien und andere Länder des Levant umspannt. Die Organisation wurde von früheren irakischen Geheimdienstoffizieren nach der US-Invasion des Irak 2003 gegründet.

Ursprünglich wurde IS von den Golfstaaten finanziert. Doch mittlerweile finanziert er sich aus besetzten Ölfeldern und Raffinerien, durch Schmuggelware und die organisierte Kriminalität. IS-Kämpfer schwärmten im Sommer 2014 in den gesamten Nordirak aus und drängten die irakischen und kurdischen Kräfte zurück. Doch insbesondere um die nordirakische Stadt Mossul herum musste der IS im Herbst wegen koordinierter US-Luftangriffe und den Einsatz türkisch-kurdischer PKK-Milizen Einflussverluste hinnehmen.

Der Islamische Staat beansprucht für sich, angegliederte Organisationen in Libyen, Nigeria und Mali sowie mit dem IS verbundene Aufständische in Europa zu haben, die mit den Terroranschlägen in Brüssel und Paris in Verbindung stehen. Die Terrororganisation ist zu einem Magnet für europäische Jugendliche geworden.