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11/12/2016

Kosovo: Der Traum vom NATO- und EU-Beitritt

EU-Außenpolitik

Kosovo: Der Traum vom NATO- und EU-Beitritt

Der kosovarische Außenminister Enver Hoxhaj.

[Greek Ministry of Foreign Affairs/Flickr]

Der Kosovo will auch weiterhin der NATO und der EU beitreten, bestätigt der kosovarische Außenminister. Geschichtlich fühlt sich das Land schon jetzt als „Teil der europäischen Identität“. EurActiv Spanien berichtet.

Enver Hoxhaj, der Außenminister des Kosovos, beschrieb kürzlich der Presse gegenüber, wie er die Beziehungen mit der EU und dem Vatikan verbessern möchte und ging dabei auch auf die Beitrittspläne zur EU und NATO ein. Der Kosovo unterhalte „exzellente Beziehungen mit der Türkei sowie mit Saudi-Arabien und den anderen Golfstaaten. Sie haben uns in schwierigen Zeiten sehr geholfen“, erklärt er.

„[Mein Land] weiß die Unterstützung Spaniens auf europäischer Ebene sehr zu schätzen. Es bedeutet uns sehr viel, dass Madrid den Kosovo in dieser Hinsicht nicht blockiert hat. Ich hoffe, dass sie sich in Zukunft noch weiter der Möglichkeit öffnen werden, mit einem unabhängigen Kosovo zusammenzuarbeiten“, so Hoxhaj.

Mit Blick auf die EU-Beziehungen betont er: „Geschichtlich und geografisch gesehen, ist der Kosovo ein europäisches Land. Teil der EU zu sein hieße, nach Europa zurückzukehren. Wir haben uns von unserer Geschichte her schon immer als Teil der europäischen Identität gefühlt.“

Sein Land sei nur „ein kleiner Staat in einer unsicheren Welt. „Mitglied der EU zu sein, ist von großer Bedeutung für die Sicherheit und Stabilität im Kosovo, aber auch für unser Wirtschaftswachstum“, betont er.

„Die EU-Mitgliedschaft zu erreichen, ist der beste Weg, die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft zu modernisieren“, erklärt Hoxhaj. „Für uns ist das eine Modernisierungsagenda, die es uns ermöglicht, mit anderen in der Region in Wettbewerb zu treten und zu wachsen.“

Der Kosovo sei außerdem noch immer am NATO-Beitritt interessiert. Dennoch, gesteht er, müsse man zuerst im eigenen Land Reformen durchführen. „Nächstes Jahr werden wir einen ersten Schritt wagen und dann sehen, wie es Stück für Stück vorangeht.“

Dass Montenegro im Mai dieses Jahres das Beitrittsprotokoll unterzeichnete, war Hoxhaj zufolge ein wichtiger Schritt für den Kosovo und die Region. Das Land werde auf den Fortschritten, die auf dem Warschau-Gipfel im Sommer gemacht wurden, bauen.

„Die Situation in den Balkan-Staaten ist viel besser als noch vor zehn Jahren. Wir haben eine wirkliche Transformation durchlaufen, was die zwischenstaatlichen Beziehungen angeht. Aus Feinden sind Freunde geworden.“ Mit Stolz beschreibt der Außenminister, wie sich sein Land globalen Bedrohungen stellt. „Kein einziger kosovarischer Bürger hat sich letztes Jahr dem Daesh (dem IS) angeschlossen.“

Auch mit dem Vatikan wolle man diplomatische Beziehungen aufbauen. „[Der Heilige Stuhl] ist für uns weitaus wichtiger als für so manch anderen Balkan-Staat. Der Vatikan stand in der Geschichte immer an der Seite des Kosovos.“ Beide Parteien einigten sich bereits darauf, Vertreter auszutauschen. So wird Pristina einen Botschafter und der Vatikan einen Nuntius entsenden, einen eklektischen Diplomaten. Der Kosovo sei begeistert von Papst Franziskus, seinem Charisma und seinem Engagement, schlussfolgert Hoxhaj. Ein Besuch des Papstes wäre ihm zufolge „die bestmögliche Botschaft“.

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