Hunderte von Kosovaren eilten am Montag zum Flughafen von Pristina, um in die EU zu reisen. Zuvor war die Visumspflicht für den Schengen-Raum aufgehoben worden.
Der Kosovo war das einzige Land auf dem westlichen Balkan, dessen Bürger noch immer ein Visum benötigten, um in die EU zu reisen. Viele Mitgliedstaaten der EU sind bereits Teil des Schengen-Raums.
„Ich fühle mich frei wie ein Vogel, weil ich jetzt überall hinreisen kann“, sagte Habib Spahiu, der mit seinem Sohn zu einem zweitägigen Besuch in Wien war.
Er gehörte zu einer Gruppe von 50 Personen, die in einer von der Regierung bezahlten staatlichen Lotterie gewonnen hatten und die Reise anlässlich der Visafreiheit antraten.
Kosovos Premierminister Albin Kurti begrüßte die Reisenden am Flughafen.
„Wir haben zu lange gewartet. Es war eine lange Ungerechtigkeit, aber schließlich haben wir es geschafft“, sagte Kurti.
Der Schengen-Raum ermöglicht es mehr als 400 Millionen Menschen, frei zwischen den teilnehmenden Staaten zu reisen, ohne Grenzkontrollen durchlaufen zu müssen.
Strenge Auflagen der EU-Mitgliedstaaten und innerstaatliche Streitigkeiten haben den Prozess viele Jahre lang verzögert.
Im Jahr 2018 erklärte die EU, alle Anforderungen seien erfüllt. Doch Frankreich und die Niederlande hielten die Entscheidung auf, weil sie eine neue Migrationswelle befürchteten.
Der Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien, ist aber insbesondere aufgrund der Einwände Serbiens, Russlands und Chinas noch immer kein Mitglied der Vereinten Nationen.
Seine Staatlichkeit wird von mehr als 110 Ländern anerkannt, aber die 1,8 Millionen Bürger können in weniger als 20 Staaten ohne ein Visum reisen.
Das Kosovo ist nach wie vor eines der ärmsten Länder Europas. Viele sehen die Befreiung von der Visumspflicht als Chance, einen Arbeitsplatz zu finden.
„Ich fahre für ein paar Tage nach Deutschland, um mich nach einem Job umzusehen. Ich werde erneut nach Deutschland kommen, um ein Arbeitsvisum zu beantragen“, sagte ein Bauarbeiter, der seinen Namen nicht nennen wollte und auf seine Bordkarte wartete.
Die Regierung hat die Menschen aufgefordert, die Schengen-Bestimmungen nicht zu missbrauchen. Diese besagen, dass man sich 90 von 180 Tagen als Tourist aufhalten kann, aber nicht arbeiten darf.

