Klimawandel: Die Wasserkonflikte in Malawi verschärfen sich

Der Malawisee ist der neuntgrößte See der Erde. [Marion Bobst/Flickr]

Angesichts der zunehmenden Dürreperioden und Wasserknappheit will Malawi die Wasserversorgung seiner Städte sichern und neue Fernleitungen und Dämme bauen. Dies kann aber auf Kosten der Landbevölkerung gehen.

So hat ein Projekt zur Versorgung von Blantyre, Malawis Business-Hauptstadt und zweitgrößter Stadt, mit Wasser aus dem etwa 80 Kilometer entfernten Mulanje Mountain Forest Reserve Proteste von lokalen Anwohnern hervorgerufen. Sie behaupten, dass sie das Wasser selbst brauchen – und nicht ausreichend über den Plan informiert oder in Konsultationen eingebunden wurden.

Im Februar wurden 24 Demonstranten festgenommen und vor Gericht gestellt, weil sie bei Protestaktionen den Zugang zum Gelände des Wasserprojekts blockierten oder in einigen Fällen versuchten, die Festgenommenen aus einer örtlichen Polizeistation zu befreien. Alle wurden seitdem gegen Kaution freigelassen.

Oscar Kachika-Phiri, ein Sprecher der Protestgruppe, sagt, dass die Entscheidung von Blantyre, Trinkwasser aus der Region zu beziehen, „die lokale Gemeinschaft einer überlebenswichtigen Ressource berauben wird, die aufgrund des Klimawandels ohnehin bereits knapp geworden ist.“

Die Entwaldung im Wassereinzugsgebiet des Mulanje-Gebirges hat zu einem Rückgang der Niederschläge und der Fähigkeit des Gebiets, Wasser längere Zeit zu speichern, geführt, erklärt er. In seinem Bezirk müsse die Wasserversorgungen in den Trockenperioden bereits rationiert werden. Die betroffenen Gemeinden fürchten, die Situation werde sich massiv verschlechtern, wenn nun auch noch Wasser nach Blantyre umgeleitet wird.

„Wir können Blantyre nicht mit Wasser beliefern, wenn wir uns selbst kaum versorgen können,“ so der leise sprechende Interessensvertreter vor der jüngsten Gerichtsverhandlung in Mulanje.

Frankreich tritt aus umstrittenen Agrar-Projekt für Afrika aus

Frankreich unterstützt die Neue Allianz für Ernährungssicherheit und Ernährung nicht mehr. Deutschland und die EU finanzieren das umstrittene Landwirtschaftsprojekt jedoch weiterhin.

Im Januar unterzeichnete die Wasserbehörde Blantyre eine Absichtserklärung mit dem Bezirksrat von Mulanje und anderen Gemeinden, um das Projekt zu genehmigen – unter der Bedingung, dass die Behörde Bäume im abgeholzten Einzugsgebiet des Flusses Likhubula pflanzt. Aus Sicht von Kachika-Phiri und den Bewohnern der Region kann das Wasserumleitungsprojekt, das durch ein Darlehen der indischen Exim Bank finanziert wird, erst beginnen, nachdem die Bäume gepflanzt wurden. Nur so könne man „sicherstellen, dass wir eine stabile Wasserversorgung aufrechterhalten.“

Viele Herausforderungen

Priscilla Mateyu, eine Sprecherin des Blantyre Water Board, erklärt, dass das Mulanje Mountain Project nur eine Teilantwort auf Blantyres Wasserprobleme sein könne. Einige Stadtteile hätten inzwischen regelmäßig für mehrere Stunden am Tag keinen Zugang zu Wasser.

Neben dem Wasser aus Mulanje könnte zusätzliches Wasser aus dem Shire-Fluss abgezweigt werden. Dennoch sehe ihre Behörde sich „weiterhin vielen Herausforderungen gegenüber“, so Mateyu. Als vorübergehende Lösung gegen die Wasserknappheit zahlt die Stadt etwa eine halbe Milliarde Kwacha (rund 690.000 US-Dollar) pro Monat an Energiekosten, um Wasser aus einem Gebiet namens Walkers Ferry nach Blantyre zu pumpen.

Beim Wasser aus der hochgelegenen Mulanje-Region würde hingegen „die Schwerkraft einen Teil des Wassertransports übernehmen, wodurch die Energiekosten gesenkt werden,“ erläutert sie. Das Projekt, das voraussichtlich im April 2019 abgeschlossen sein wird, werde eine stabile Wasserversorgung für die Bewohner von Blantyre und Umgebung sicherstellen.

„Diese Versorgung wird nachhaltig sein und auch die öffentliche Gesundheit verbessern, da die Menschen kein unsicheres Wasser aus unsicheren Quellen mehr trinken müssen,“ glaubt die Sprecherin.

Oxfam: Opfer des Klimawandels brauchen Flüchtlingsstatus

Oxfam hat einen Bericht über Klimaflüchtlinge veröffentlicht und fordert die rechtliche Anerkennung von Klimawandelauswirkungen als Fluchtgrund.

Blantyre ist nicht die einzige große malawische Stadt, die nach neuen Wasservorräten sucht. Da sich die Dürreperioden im südlichen Afrika verstärken, plant Malawis Hauptstadt Lilongwe ein Projekt, um Wasser aus dem Malawi-See zu leiten.

Auch Joseph Magoya, ein lokaler Programmverantwortlicher bei Water for People, einer in den USA ansässigen Trinkwasser-NGO, sagte der Thomson Reuters Foundation, dass das Wasser in Malawis Städten infolge der zunehmenden Verstädterung allmählich knapp sei. So leben in Blantyre derzeit 730.000 Menschen, davon etwa 70 Prozent in informellen Häusern, für die der Zugang zu Wasser immer schwieriger wird, so Water for People.

Ironischerweise tragen immer intensivere Niederschläge – eine weitere Folge des Klimawandels – zu den Wasserknappheitsproblemen der Stadt bei. Sie führen regelmäßig zu Überschwemmungen, durch die die Wassersysteme ausgewaschen werden. Die wechselnden Überschwemmungen und Trockenperioden in den Flüssen, die die Stadt mit Wasser versorgen, mache die Planungssicherheit noch ungewisser, so Magoya.

Ernährungssicherheit trotz Klimawandel – ohne Wasser nicht zu haben

Afrika erhält nur fünf Prozent der Gelder, die für die Anpassung an den Klimawandel bereitstehen. Doch für eine leistungsfähige Landwirtschaft sind dringend mehr Investitionen nötig – auch in die Wasserversorgung, meinen Waltina Scheumann und Elke Herrfahrdt-Pähle vom Deutschen Institut für Entwicklungspolitik (DIE).

Subscribe to our newsletters

Subscribe