Kasachstan positioniert sich als Brücke zwischen Asien und Europa

"Die EU ist unser größter Handels- und Investitionspartner", betont der stellvertretende Außenminister Kasachstans, Roman Wassilenko [Georgi Gotev]

Die Hauptbereiche, auf die sich die Region Zentralasien in den kommenden Jahren konzentrieren will, sind nach eigenen Angaben Umweltschutz und Handelsliberalisierung. EURACTIV.cz berichtet aus Nur-Sultan.

Die Länder Zentralasiens – Kasachstan, Usbekistan, Tadschikistan, Kirgistan und Turkmenistan – haben sich in den vergangenen Jahren der Welt geöffnet. Sie wollen von der Initiative Neue Seidenstraße, der Eurasischen Wirtschaftsunion und den Bemühungen der EU um eine Liberalisierung des Welthandels profitieren.

Eine engere Zusammenarbeit mit der EU ist vor allem für Kasachstan, dem größten Land der Region, wichtig.

„Die EU ist unser größter Handels- und Investitionspartner. Europäische Investitionen machen mehr als die Hälfte aller ausländischen Investitionen aus, die nach Kasachstan fließen,“ erläutert der stellvertretende Außenminister des Landes, Roman Wassilenko, gegenüber EURACTIV.cz.

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Doch Zentralasien ist auch für die EU wichtig, die im Juni 2019 eine neue Strategie für die Region verabschiedet hatte. Laut Wassilenko ist dieses Dokument ein wichtiger Schritt nicht nur für den gegenseitigen Handel, sondern für die künftigen Beziehungen im Allgemeinen.

Darüber hinaus soll noch in diesem Jahr ein neues erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen zwischen der EU und Kasachstan in Kraft treten.

„Das Abkommen ist von allen gesetzgebenden Organen außer dem italienischen Senat ratifiziert worden. Es umfasst Dutzende von Bereichen wie Handel, Investitionen, internationale Sicherheit, Infrastrukturentwicklung, Sport oder Tourismus. Die Mobilität der Menschen ist für uns eine der Prioritäten“, fügt Wassilenko hinzu.

Großeurasien?

Mukhtar Yerman, der Vorsitzende des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten, Verteidigung und Sicherheit der Mazhilis des Parlaments, teilt diese Ansicht und die Ziele.

„Die Delegation unseres Parlaments trifft sich regelmäßig mit einer Delegation der EU. Das ist gut und richtig; wir sind Befürworter der eurasischen Zusammenarbeit. Die Idee eines „Groß-Eurasiens“ ist immer populärer geworden, die Massenmedien verwenden den Begriff mehr und mehr, ebenso wie Experten und Politiker,“ erklärt er.

Was er mit dem Begriff „Groß-Eurasien“ genau meine? „Es handelt sich nicht nur um ein geografisches Konzept, sondern auch um ein geopolitisches und geoökonomisches Konzept, das an Bedeutung gewonnen hat.“

Yerman fügt hinzu, die Euroasiatische Wirtschaftsunion oder auch die Initiative „Neue Seidenstraße“ seien gute Beispiele für dieses Phänomen.

Andererseits werden diese Initiativen allerdings auch kritisiert, weil sie Instrumente Russlands und Chinas bei deren Bemühungen sind, ihre geopolitische Dominanz zu stärken.

Nach Ansicht von Yearman ist eine Zusammenarbeit dennoch vor allem vorteilhaft: „Die Wirtschaftsbeziehungen entwickeln sich sehr gut, das schafft neue Möglichkeiten für alle“, meint er.

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Die Idee einer eurasischen Dominanz im 21. Jahrhundert wurde auch während des Treffens der Parlamentspräsidenten der eurasischen Länder diskutiert, das Anfang dieser Woche in Nur-Sultan, der Hauptstadt Kasachstans, stattfand.

Die Konferenz wurde zum vierten Mal ausgerichtet; vorherige Austragungsorte waren Russland, Südkorea und die Türkei.

Klimawandel und mehr Kooperation

Verbindungen und Interdependenzen zwischen Asien und Europa sind für Zentralasien dennoch offenbar nicht das Allerwichtigste: Priorität Nummer eins sei stattdessen der Umwelt- und Klimaschutz.

„Das größte Problem, vor dem wir stehen, ist der Mangel an Wasser- und Energiequellen, sowie das Bevölkerungswachstum. Zentralasien hat heute 60 Millionen Einwohner, aber bis 2050 soll die Zahl auf 90 Millionen steigen. Der Klimawandel verursacht schmelzende Gletscher und austrocknende Seen. Und das Wasser wird weniger,“ betont Wassilenko.

Er weist darauf hin, dass sich die kasachische Regierung verpflichtet hat, bis 2030 einen Anteil von 30 Prozent der benötigten Energie aus erneuerbaren Ressourcen zu produzieren. Aktuell machen die erneuerbaren Energien nur fünf Prozent aus.

Während der EXPO-Ausstellung 2017, die in Nur-Sultan stattfand, zeigte sich, dass der Klimawandel ein viel diskutiertes Problem ist: Die Ausstellung konzentrierte sich vor allem auf erneuerbare Ressourcen, Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung, inklusive „Smart Cities“.

Neben Umwelt- und Klimathematiken scheinen sich die zentralasiatischen Länder in letzter Zeit indes auch beim Handel, bei der Visaliberalisierung oder bei der Schaffung neuer Luft- und Eisenbahnverbindungen anzunähern.

Das zweite Gipfeltreffen der Staatschefs Zentralasiens fand Anfang dieses Jahres statt. Die Treffen sollen die Länder in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Sicherheit einander näher bringen.

[Bearbeitet von Zoran Radosavljevic]

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