Kanalinsel Jersey im britisch-französischen Kreuzfeuer

Offiziell ist Jersey im Besitz der britischen Krone [British Crown Dependency], aber nicht Teil des Vereinigten Königreichs. [Shutterstock/Melanie Hobson]

Die Kanalinsel Jersey ist zum ungewöhnlichen Mittelpunkt eines größeren Streits zwischen dem Vereinigten Königreich und Frankreich über den Zugang zu Fischereigewässern geworden. Die Regierung in Paris drohte am Dienstag, dass sogar die Stromversorgung der Insel gekappt werden könnte.

Jersey ist weithin als Steuerparadies bekannt, dessen Wirtschaft sich vor allem auf Offshore-Finanzdienstleistungen stützt. Offiziell ist die Insel im Besitz der britischen Krone [British Crown Dependency], aber nicht Teil des Vereinigten Königreichs.

Die autonome Regierung der Insel hatte in der vergangenen Woche 41 Genehmigungen für französische Fischerboote erteilt. Die französische Regierung beschwert sich jedoch, dass die Genehmigungen einschränkende Bedingungen darüber enthalten, wohin die Schiffe fahren und wie lange sie auf See sein dürfen.

Die britische Regierung ist wiederum der Ansicht, dass der Zugang zu Jerseys Fischereigewässern eine Angelegenheit der Führung in London ist.

Die französische Schifffahrtsministerin Annick Girardin betonte mit Blick auf die Ansichten in London und Jersey, die Forderungen seien inakzeptabel; Frankreich werde Vergeltungsmaßnahmen ergreifen, „wenn es sein muss“.

Auf Nachfrage, ob dazu auch die Unterbrechung der Stromversorgung über drei Unterwasserkabel gehören könnte, die 95 Prozent der Elektrizität Jerseys liefern, antwortete Girardin: „Ich würde es bedauern, wenn es so weit käme“, aber: „Wir werden es tun, wenn wir müssen.“

Das Vereinigte Königreich und Frankreich streiten sich seit einigen Monaten um den Zugang zu den Fischereigewässern im Atlantik.

Frankreichs Europaminister Clément Beaune warf London kürzlich erneut vor, die Rechte der Fischer seines Landes zu blockieren. Er warnte, dass die EU darauf vorbereitet sein sollte, mit Gegenmaßnahmen zu reagieren. Gegebenenfalls müsse man beispielsweise den Zugang zu den europäischen Finanzdienstleistungsmärkten einschränken, falls der Streit andauern sollte.

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