Juncker: „Wenn die EU zerbricht, wird es Krieg im Westbalkan geben“

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Mike Pence, Jean-Claude Juncker und Federica Mogherini [European Commission]

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker hat US-Vizepräsident Mike Pence vor einem neuen Krieg auf dem Balkan gewarnt, sollte die EU zerfallen. Die USA müssten aufhören, EU-Mitglieder zum Austritt zu bewegen. EURACTIV Brüssel berichtet.

In einem Interview mit der Financial Times (FT) spricht Kommissionspräsident Jean Claude Juncker erstmals im Detail über sein Treffen mit Mike Pence am 20. Februar in Brüssel. „Ich habe dem Vize-Präsidenten gesagt: Sagen Sie so etwas nicht. Fordern Sie andere nicht dazu auf, auszutreten, denn wenn die Europäische Union zerbricht, wird es erneut Krieg im Westbalkan geben“, so der Luxemburger.

Man müsse den Ländern in der Region einen EU-Beitritt in Aussicht stellen. „Wenn wir sie im Stich lassen – Bosnien-Herzegowina, die Republika Srpska (die serbische Entität von Bosnien-Herzegowina), Mazedonien, Albanien, all diese Länder – wird es wieder Krieg geben“.

Cartoon: Rückschlag für den Balkan-Beitritt

Fidel Castros Tod vom 25. November spaltete weltweit die Gemüter. So stellt sich Berco die Reaktion der EU-Beitrittskandidaten im Balkan vor.

Von 1991 bis 2001 kam es auf dem Balkan zum Jugoslawienkrieg, einer Reihe von ethnischen Konflikten und Aufständen innerhalb der ehemaligen Republik Jugoslawien. Die Auseinandersetzungen gelten noch heute als die verheerendsten in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Es kam zu ethnischen Säuberungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Vergewaltigungen. Für die EU waren sie eine Erniedrigung, denn es bedurfte einer umstrittenen US-Intervention, um dem Ganzen ein Ende zu setzen.

Noch immer bereitet die Situation im Westbalkan (in Albanien, Bosnien-Herzegowina, im Kosovo, in Montenegro und Serbien) vielen Menschen Kopfzerbrechen. Daher beschäftigte man sich auf dem EU-Gipfel vom 8. bis 9. März ausgiebig mit der Lage vor Ort.

Im FT-Interview erklärt Juncker, er habe vor, nächsten Monat nach Washington zu reisen. Er sei sich aber noch nicht sicher, ob er dort auf Trump treffen werde. „Sie versuchen, es einzurichten, aber er hat andere Prioritäten. Ganz nebenbei gesagt, versteht er überhaupt nichts von Europa“, so der Kommissionspräsident. „Er hat mit [dem EU-Ratspräsidenten Donald] Tusk telefoniert und gedacht, er sei ich.“

Ein Balkan-Binnenmarkt nach EU-Vorbild?

Die EU ermutigte die Balkan-Staaten am gestrigen Donnerstag, einen gemeinsamen Markt zu bilden. So könne man womöglich mehr als 80.000 Arbeitsplätze in der beschäftigungsarmen Region schaffen, so EU-Kommissar Johannes Hahn. EURACTIV Brüssel berichtet.

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