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09/12/2016

IS-Chef ruft zu Attacken gegen Türkei und Saudis auf

EU-Außenpolitik

IS-Chef ruft zu Attacken gegen Türkei und Saudis auf

Der Kampf um Mossul ist noch nicht beendet.

Foto: Andrei Mayatnik/shutterstock

Nach fast einem Jahr Funkstille hat sich der Anführer der Extremistenmiliz Islamischer Staat (IS) zurückgemeldet und seine Anhänger zu Anschlägen in der Türkei und Saudi-Arabien aufgerufen.

Im „totalen Krieg“ gegen die Feinde des IS dürfe es keinen Rückzug geben, sagte Abu Bakr al-Bagdadi in einer am Donnerstag veröffentlichten Audiobotschaft. Er rief zudem die Einwohner der irakischen Provinz Ninive auf, sich nicht vor den Kämpfen zwischen den IS-Extremisten und der irakischen Armee in Sicherheit zu bringen. An die Kämpfer gerichtet sagte er: „Ehrenhaft in Eurem Land zu bleiben ist tausendmal besser als sich mit Schande zurückzuziehen.“

Al-Bagdadi hatte im Jahr 2014 von einer Kanzel in einer Moschee der Millionenstadt Mossul ein sogenanntes Kalifat ausgerufen. Die Stadt ist bis heute die wichtigste Hochburg der Extremisten im Irak. Sie sind allerdings unter Druck geraten, weil die irakische Armee mit Hilfe kurdischer und schiitischer Milizionäre bis auf das Stadtgebiet vorgedrungen ist. Dabei werden sie von einer internationalen Koalition unter Führung der USA unterstützt.

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Al-Bagdadi erklärte, die Kämpfe stärkten nur den Glauben und die Zuversicht, das es letztlich einen Sieg geben werde. Er rief zugleich zum Kampf gegen Schiiten, westliche „Kreuzritter“ sowie Saudi-Arabien und die Türkei auf. Die beiden sunnitischen Staaten hätten sich auf die Seite des Gegners geschlagen. Deswegen sollten IS-Kämpfer „das Feuer ihrer Wut entfesseln“, türkische Truppen in Syrien angreifen und die Schlacht in die Türkei selbst tragen.

Seine Anhänger in Saudi-Arabien rief der Extremistenführer auf, Sicherheitskräfte, Regierungsmitglieder, die Familie des Königshauses und Medien zu attackieren. Sie alle stünden auf der Seite von „Ländern der Ungläubigen“, die dem Islam und den Sunniten im Irak und Syrien den Krieg erklärt hätten.

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Auf das Konto des IS sollen in der Türkei mehrere schwere Bombenanschläge gehen. Die türkische Armee kämpft deswegen gegen die Dschihadisten in Syrien und will zugleich verhindern, dass kurdische Kämpfer in Nordsyrien Boden gutmachen. Die saudiarabischen Behörden kämpfen seit vielen Jahren gegen Aufständische, obwohl die extrem konservative sunnitische Strömung des Wahhabismus dort Staatsreligion ist und oft mit der Ideologie des IS verglichen wird.

Aufenthaltsort von Abu Bakr al-Bagdadi unklar

Wo genau sich Al-Bagdadi aufhält, ist unklar. Berichten zufolge soll er in Mossul selbst oder im vom IS beherrschten Gebiet westlich der Stadt sein. Der britische Außenminister Boris Johnson sagte unter Berufung auf Geheimdienstler, der IS-Chef habe wohl „die Bühne verlassen“. Wo genau er sich nun aufhält, sagte Johnson nicht.

Kurz nach Veröffentlichung der Rede wurde der Osten Mossuls Bewohnern zufolge von schweren Explosionen erschüttert. Einer von ihnen berichtete, die Aufständischen hätten auf die Viertel Intisar, Kuds und Sama Raketen abgefeuert, wo die Regierungstruppen auf dem Vormarsch sind. Die Kämpfer hätten anders als sonst sogar ihre Gesichter gezeigt und gerufen: „Der Kalif hat uns im Kampf gegen die Ungläubigen angespornt.“