Iran will Urananreicherung ausbauen

Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi [EPA-EFE/CHRISTIAN BRUNA]

Mit der Ankündigung, sein Programm zur Urananreicherung auszubauen, hat der Iran den Atomstreit und den Konflikt mit Israel verschärft.

Der Chef der iranischen Atombehörde, Ali Akbar Salehi, erklärte am gestrigen Dienstag, man bereite den Bau leistungsstärkerer Zentrifugen zur Urananreicherung vor. Er versicherte, die iranischen Aktivitäten hielten sich weiter im Rahmen des 2015 mit den fünf UN-Vetomächten und Deutschland geschlossenen Atomabkommens. Allerdings bedeuteten sie auch eine erhebliche Beschleunigung. Damit reagieren die iranischen Behörden auf die Aufkündigung des Atomabkommens durch die USA

Zuvor hatte bereits das religiöse Oberhaupt Ali Chamenei eine härtere Gangart angekündigt. „Unsere Feinde können unseren nuklearen Fortschritt niemals aufhalten“, hatte er einer Nachrichtenagentur zufolge in einer im Fernsehen übertragenen Rede erklärt. Dort erteilte er auch der Forderung Deutschlands und anderer europäischer Staaten eine Absage, das Raketenprogramm des Landes zu beschränken. „Einige Europäer sprechen über eine Begrenzung unseres Raketenprogramms zur Verteidigung. Ich sage den Europäern: unsere Raketenarbeit zu begrenzen, ist ein Traum, der niemals wahr werden wird.“ Auch die geforderte Abkehr von einer aggressiven Außenpolitik wies Chamenei zurück.

Netanjahu kann Merkel nicht überzeugen

Benjamin Netanjahu ist der vielleicht größte Gegner des Iran-Deals. Nun wirbt Israels Premier in Deutschland für einen harten Kurs gegenüber Teheran. Vergeblich.

Israels Regierungschef Netanjahu reist derzeit durch Europa, um die Regierungen davon zu überzeugen, wie die USA das Atomabkommen fallenzulassen. In Paris sagte er zu der iranischen Ankündigung, diese sei keine Überraschung. „Vor zwei Tagen hat Irans Führer Ajatollah Chamenei seine Absicht erklärt, den Staat Israel zu vernichten. Gestern hat er gesagt, wie er das machen will: durch unbeschränkte Anreicherung, um ein Arsenal von Atombomben zu produzieren.“ Man werde es dem Iran aber nicht erlauben, Atomwaffen zu bekommen, bekräftigte Netanjahu frühere Erklärungen.

Hintergrund

Die USA haben den Atomvertrag von 2015 aufgekündigt. Sie wollen den Iran mit massiven Sanktionen zu einer Abkehr sowohl von seinem Atom- als auch von seinem Raketenprogramm bringen und eine Änderung des israelfeindlichen Kurses erzwingen. Die anderen Mitunterzeichner Großbritannien, Frankreich, Deutschland, China und Russland wollen an dem Atom-Abkommen festhalten.

Weitere Informationen

Atomabkommen mit Iran: Polen sieht sich als Mittler zwischen EU & USA

Polens Premierminister Mateusz Morawiecki hat die Uneinigkeit der EU mit den USA in Bezug auf den Iran hervorgehoben und sein Land als informellen Vermittler angeboten.

Die Europäer müssen jetzt ohne die USA mit Iran verhandeln

Nach dem Bruch des Atomabkommens mit dem Iran durch die USA sollten Deutschland und andere ein umfassendes Sicherheitsabkommen mit dem Iran anstreben, das auf der bestehenden Vereinbarung aufbaut, meint Volker Perthes.

Subscribe to our newsletters

Subscribe