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08/12/2016

Irakische Armee rückt näher an IS-Hochburg Mossul

EU-Außenpolitik

Irakische Armee rückt näher an IS-Hochburg Mossul

Der Kampf um Mossul ist noch nicht beendet.

Foto: Andrei Mayatnik/shutterstock

Bei ihrem Vormarsch auf die letzte irakische IS-Hochburg Mossul haben Armee und kurdische Kämpfer die Extremistenmiliz am Wochenende aus weiteren Orten vertrieben.

Regierungstruppen nahmen den ursprünglich von Christen bewohnten Ort Karakosch ein, aus dem die Bevölkerung vor zwei Jahren vor dem Islamischen Staat (IS) geflohen war. Kurdische Kämpfer meldeten am Sonntag die Einnahme des zwölf Kilometer nordöstlich von Mossul gelegenen Ortes Baschika. Beim Kampf um Mossul wird mit so schweren Gefechten gerechnet, wie es sie im Irak seit der US-geführten Invasion 2003 gegen den damaligen Machthaber Saddam Hussein nicht mehr gegeben hat.

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Rund 30.000 irakische Soldaten stehen zusammen mit US-Spezialeinheiten zum Sturm auf die Stadt mit 1,5 Millionen Einwohnern bereit. Aus der Luft unterstützt werden sie dabei von amerikanischen, französischen und britischen Einheiten. In den vergangenen Monaten hatten die Regierungstruppen bereits die Städte Falludscha, Ramadi und Tikrit wieder unter ihre Kontrolle gebracht. Im nordirakischen Mossul sollen sich noch bis zu 8000 IS-Kämpfer verschanzt halten. Sie sollen Sprengfallen gelegt sowie Tunnel gegraben und Schützengräben ausgehoben haben. Sie könnten auch Zivilisten als menschliche Schutzschilde benutzen.

Türkische Hilfe beim Sturm auf Mossul unerwünscht 

Der Irak lehnte unterdessen Hilfe der Türkei bei der Offensive auf Mossul ab. Er bedanke sich bei der Türkei für das Angebot, sagte der Ministerpräsident des Landes, Haider al-Abadi. Der Irak werde die Aufgabe aber selbst bewältigen. „Sollten wir Hilfe brauchen, werden wir die Türkei oder andere Länder der Region darum bitten“, betonte er nach einem Treffen mit US-Verteidigungsminister Ashton Carter. Die Türkei bildet im Militärlager Baschika unweit von Mossul unter anderem sunnitische Einheiten für den Angriff aus. Auch die Bevölkerung dort besteht überwiegend aus Sunniten. Die von Schiiten beherrschte Regierung in Bagdad steht dem türkischen Engagement kritisch gegenüber.

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Der US-Verteidigungsminister war am Samstag zu einem Überraschungsbesuch in den Irak gereist, um sich über die Offensive zu informieren. Bei einem Besuch in Erbil zeigte sich Carter zuversichtlich und lobte die Erfolge von Peschmerga-Einheiten. Laut der kurdischen Regionalregierung ist die Anti-IS-Allianz an einer Stelle bereits auf fünf Kilometer an Mossul herangerückt.

Die irakische Armee erklärte, seit Beginn der Offensive am vergangenen Montag seien rund 50 Dörfer vom IS zurückerobert worden. Der IS wurde auch aus der ebenfalls im Nordirak gelegenen Ölstadt Kirkuk vertrieben, wo die Islamisten unter dem Druck des Vormarsches auf Mossul eine Entlastungsoffensive gestartet hatten.

Der IS versuchte auch mit einer Reihe von Anschlägen, die Kräfte der Regierungsallianz zu binden und so den Mossul-Vorstoß zu verzögern. Unweit der Stadt setzten die Miliz eine Schwefelfabrik in Brand. Die dabei entstandene Schwefelgaswolke löste bei fast 1000 Menschen Atemproblemen aus. Sie wurden in Krankenhäusern behandelt. Irakische und amerikanische Soldaten schützten sich mit Gasmasken.