In Wien wächst die Akzeptanz von Flüchtlingen

Der FPÖ-Kandidat für das Amt des Bundespräsidenten Norbert Hofer machte aggressiv Wahlkampf gegen Flüchtlinge. [sangriana/Shutterstock]

Einerseits wollen die Österreicher keine Flüchtlinge mehr aufnehmen. Andererseits wächst die Akzeptanz mit den Neuankömmlingen, sobald man sich an deren Anwesenheit gewöhnt hat.

Vor einem Monat hatten sich 69 Prozent der Österreicher noch gegen das Umsiedlungs-Programm der EU ausgesprochen, das Österreich verpflichtet, eine bestimmte Anzahl minderjähriger unbegleiteter Flüchtlinge aus Italien aufzunehmen. Das ging aus einer Erhebung des Marktforschungsinstituts Research Affairs hervor. Auch die Politik reagierte auf die ablehnende Haltung der Österreicher mit schärferen Gesetzen zum Aufenthaltsrecht.

Eine Umfrage des Sora-Institutes unter Einwohnern der Hauptstadt Wien sieht nun anders aus. Aus der Befragung der Wiener Bürger geht hervor, dass sich die Einstellung zum Thema Flüchtlinge im Verlauf der vergangenen Monate deutlich verändert hat – und zwar zum Positiven. Auch im ländlichen Raum kommen Erhebungen zu ähnlichen Ergebnissen

Wiener haben nichts gegen Flüchtlinge als Nachbarn

Tatsächlich entsteht offenbar eine Art Gewöhnungseffekt. Dass der Zustrom von Flüchtlingen massiv abgebremst wurde, findet eine hohe Zustimmung. Kaum werden Nachrichten bekannt, dass ein Neuzuzug zu erwarten ist, baut sich eine starke Ablehnungsfront auf. Wenn sich aber ein gewisser Zustand eingependelt und man sich mit der Situation abgefunden hat, folgt eine Art gesellschaftlicher Klimawandel.

Das zeigt sich am Studienfall Wien, wonach 56 Prozent der Wiener nichts dagegen hat, wenn Flüchtlinge und Asylbewerber in ihrer Nachbarschaft wohnen. 20 beziehungsweise zwölf Prozent sind zumindest für eine Aufnahme in der eigenen Stadt beziehungsweise im eigenen Land. Nur 12 Prozent würden die Einreise verweigern.

Dringende Voraussetzung: Spracherwerb und Schulbesuch

Der Integration von Flüchtlingen messen die Wiener eine große Bedeutung zu, wobei Spracherwerb und Schulbesuch als besonders dringlich genannt wurden. Auffallend an dieser Umfrage: Je näher die Befragten an einer Flüchtlingsunterkunft leben, desto freundlicher sind sie gegenüber den Neuankömmlingen eingestellt. Statt 28 Prozent sind in diesem Fall nur 14 Prozent für eine Schließung der Unterkunft.

Das kommt auch bei der Hilfsbereitschaft zum Ausdruck. Demnach haben 60 Prozent bereits für Flüchtlinge gespendet, 13 Prozent sich ehrenamtlich engagiert. Acht Prozent nahmen laut der Studie schon an einer Demonstration für die Rechte von Flüchtlingen teil und nur ein Prozent an Protestkundgebungen gegen Flüchtlinge.

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