In diesen Nachbarländern grassiert die Pandemie besonders stark

Frankreich kämpft derzeit mit einem massiven Anstieg der Infektionszahlen. [IAN LANGSDON/EPA]

Die Coronavirus-Infektionen steigen nicht nur in Deutschland rasant an. Fast alle Nachbarländer kämpfen mit starken Corona-Ausbrüchen, viele mit Rekordzahlen.

Dies ist ein Artikel von EURACTIVs Medienpartner Der Tagesspiegel.

„Die Lage ist ernst“, sagt Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin. Deutschland sei am Beginn einer zweiten Pandemie-Welle. Teilweise gebe es bereits wieder mehr schwer verlaufende Fälle, in denen auch die Intensivstationen der Krankenhäuser genutzt werden müssten.

Die Coronavirus-Infektionszahlen steigen in Deutschland drastisch an. Allerdings ist die Pandemie-Situation in einigen europäischen Staaten noch angespannter.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation kletterte die Zahl positiver Tests binnen 24 Stunden in Europa am Freitag erstmals über die Marke von 100.000. Schon jetzt sind die Intensivstationen von Krankenhäusern vielerorts bereits am Limit. Regierungen verhängen strengere Maßnahmen, um die Ausbreitung der Pandemie einzudämmen.

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In DÄNEMARK sind die Neuinfektionen seit Anfang September rasant gestiegen, zuletzt auf rund sechs bis acht Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner am Tag. Am Sonntag wurden 340 neue Fälle gemeldet. Damit fiel die Zahl der Neuinfektionen in dem 5,8-Millionen-Einwohner-Land zuletzt, auch in der Hauptstadtregion um Kopenhagen.

Dennoch hat die Regierung die Maßnahmen zur Eindämmung des Virus zuletzt verlängert. Restaurants, Cafés und Kneipen in ganz Dänemark müssen seit Mitte September bereits um 22 Uhr schließen. Die Teilnehmerzahl für öffentliche Versammlungen wurde auf 50 herabgesetzt, das wurde später auch auf private Veranstaltungen erweitert.

Arbeitnehmer werden aufgefordert, wenn möglich im Homeoffice zu arbeiten. Soziale Kontakte sollen die Dänen generell begrenzen und den öffentlichen Nahverkehr in Stoßzeiten meiden.

Die SCHWEIZ meldete am Samstag 1487 Coronavirus-Neuinfektionen, 17,5 Fälle pro 100.000 Einwohner. Am Montag vergangener Woche waren es sogar 1548 Fälle – es sind Höchstwerte für das Land mit rund 8,5 Millionen Einwohnern. 2088 Menschen sind seit Beginn der Pandemie an den Folgen des Virus verstorben.

Bereits seit Ende Juni steigen die Fallzahlen an, seit Anfang Oktober aber besonders drastisch. Bislang stuft das Auswärtige Amt die Kantone Genf und Waadt (Vaud) zu Risikogebieten ein.

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Der Präsident der spanischen Regierung, Pedro Sánchez, und der portugiesische Premierminister, António Costa, haben sich darauf geeinigt, gemeinsame Projekte aus beiden Ländern ausfindig zu machen, die mit dem europäischen Recovery Fonds finanziert werden können.

FRANKREICH meldete am Samstag annähernd 27.000 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden – so viele wie noch nie seit Beginn der Pandemie. Auf den Intensivstationen des Landes wurden am Samstagabend 1456 Menschen behandelt, 17 mehr als am Vortag. Auf dem bisherigen Höhepunkt der Pandemie Anfang April wurden in Frankreich mehr als 7000 COVID-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt. 54 Menschen starben in den vergangenen 24 Stunden an COVID-19, womit die Zahl der Toten insgesamt auf mindestens 32.684 stieg.

Frankreichs Regierungschef Jean Castex warnte am Montag vor weiteren Einschränkungen. Sogar eine Verschärfung der Maßnahmen bis hin zu örtlichen Ausgangssperren werde geprüft. „Nichts darf ausgeschlossen werden, wenn man sich die Lage in unseren Krankenhäusern anschaut“, sagte Castex am Montag im Radiosender Franceinfo. In Großstädten wie Paris, Lyon und Marseille gilt bereits die höchste Corona-Warnstufe. Am Montag gab es nach Angaben der Gesundheitsbehörden 8505 neue Fälle.

In ÖSTERREICH sind die täglichen Corona-Neuinfektionen am Samstag auf den Rekordwert von 1235 gestiegen. Tags darauf folgte mit 896 Neuinfektionen der höchste Wert an einem Sonntag. Vor allem in Wien stecken sich viele Menschen mit Sars-CoV-2 an, am Samstag wurden dort 511 neue Fälle verzeichnet. Unter Berücksichtigung der Einwohnerzahl liegen die Werte für die Neuinfektionen und die aktiven Fälle deutlich über denen in Deutschland. In Österreich leben rund 8,9 Millionen Menschen.

TSCHECHIEN verzeichnet einen enormen Anstieg an Neuinfektionen. Ministerpräsident Andrej Babis schließt inzwischen einen zweiten Lockdown wie im Frühjahr nicht mehr aus. Am Freitag gab es mit 8618 Neuinfektionen den vierten Tagesrekord in Folge. Am Sonntag kamen 3105, am Tag zuvor 4635 Fälle hinzu – dies war der höchste Wert an einem Wochenende seit Beginn der Pandemie. Seit Montag müssen Theater, Kinos, Museen, Galerien und Sportstätten schließen. An Gottesdiensten in geschlossenen Räumen dürfen nur noch maximal zehn Menschen teilnehmen.

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An der Corona-Front wird es hektisch. Denn die zweite Welle der Pandemie verläuft regional sehr unterschiedlich und das Ausbruchsgeschehen ist diffus.

In POLEN kündigte Ministerpräsident Mateusz Morawiecki strengere Maßnahmen an, auch die Wiedereinführung von speziellen Einkaufsstunden nur für Ältere. Seit dem Wochenende gilt Maskenpflicht auch im Freien. Die Behörden meldeten am Samstag mit 5300 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden den fünften Tag in Folge einen neuen Höchststand. Am Sonntag lag die Zahl bei 4178. Polen hat knapp 38 Millionen Einwohner. Es ist das einzige Nachbarland Deutschlands, in dem das Auswärtigen Amt noch keine Risikogebiete ausgewiesen hat.

Die NIEDERLANDE meldeten am Samstag 6500 Neuinfektionen, nach knapp 6000 am Freitag und Donnerstag. In den vergangenen sieben Tagen habe es in dem 17,2-Millionen-Einwohner-Land rund 34.000 neue Fälle gegeben, teilte das Institut für Gesundheit und Umwelt RIVM am Freitag mit. Die Zahl der Patienten in Krankenhäusern und auf Intensivstationen steigt zurzeit schnell. Zurzeit besteht in den niederländischen Krankenhäusern eine Intensivkapazität von 1350 Betten, die bei Bedarf auf 1700 Betten erweitert werden können. Vor dem Wochenende lagen 1070 Corona-Patienten im Krankenhaus, 228 davon auf der Intensivstation. Besonders schwer getroffen von der Ausbreitung des Virus sind Rotterdam, Den Haag, Utrecht und Amsterdam.

BELGIEN ist mit seinen knapp 11,5 Millionen Einwohnern von der Pandemie mit am heftigsten betroffen. Insgesamt gibt es bisher fast 157.000 bestätigte Infektionen und 10.175 COVID-19-Tote. Die Todesrate pro eine Million Einwohner ist mit 890 sehr viel höher als in Deutschland (116).

Die 14-Tage-Inzidenz – die Zahl an Infektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb zwei Wochen – lag zuletzt bei 280,7. In der Hauptstadt Brüssel sind Cafés und Bars nun für einen Monat geschlossen. Bürger dürfen pro Monat nur noch mit drei Personen außerhalb der Familie engen Kontakt pflegen. Um 23 Uhr ist Sperrstunde.

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