Globales Bündnis gegen Corona sammelt 7,4 Milliarden Euro ein

Kommissionspräsidentin Ursula Von der Leyen bei der Geberkonferenz. [OLIVIER HOSLET /POOL/EPA]

Ein weltweites Bündnis zur Entwicklung eines Corona-Impfstoffes hat binnen weniger Stunden 7,4 Milliarden Euro an Spendenzusagen eingesammelt.

“Dies wird dazu beitragen, eine beispiellose globale Zusammenarbeit in Gang zu bringen”, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen zum Abschluss der Online-Geberkonferenz am Montag, zu der sie eingeladen hatte. Die Brüsseler Behörde selbst hatte mit der Zusage von einer Milliarde Euro den Auftakt gemacht. “Wir müssen ein Bündnis schmieden, unser Geld und unser Wissen bündeln, um die Forschung an Impfstoffen, Tests und Medikamenten gegen das Coronavirus in Schwung zu bringen”, betonte von der Leyen.

Deutschland versprach 525 Millionen Euro. Die Pandemie sei eine globale Herausforderung, die auch nur global besiegt werden könne, mahnte Kanzlerin Angela Merkel. Ziel des Bündnisses aus Ländern und Organisationen ist es, zunächst 7,5 Milliarden Euro einzusammeln und die Arzneimittel nach der Entwicklung auch ärmeren Ländern zugänglich zu machen.

Merkel sprach bei der Geberkonferenz von einer Stunde der Hoffnung. “Ich finde dies in einer Zeit, in der wir nicht immer multilateral so zusammenarbeiten, wie ich mir das wünsche, ein ganz wichtiges Signal heute”, sagte sie und spielte damit wohl auf die USA an, die sich nicht an dem Bündnis beteiligen. US-Präsident Donald Trump hatte die Weltgesundheitsorganisation WHO zuletzt scharf kritisiert und unter dem Namen “Operation Warp Speed” ein eigenes Programm zur Beschleunigung der Impfstoff-Entwicklung gestartet. Die Stiftung des US-Milliardärs Bill Gates, der seit langem die Entwicklung von Impfstoffen fördert und vor Pandemien warnt, ist dagegen Teil der globalen Allianz.

Corona-Impfstoff: Zwischen Profitinteressen und Weltgesundheit

Unter Hochdruck arbeiten Firmen an einem Corona-Impfstoff. Ein Wettrennen um Profite und Gesundheit. Industrie und Politik wollen vermeiden, dass es am Ende vor allem Verlierer gibt. Doch nicht alle machen mit.

Norwegen: „Krisen geht man gemeinsam an“

Norwegen sagte rund 900 Millionen Euro zu. Die Summe solle dazu dienen, einen Impfstoff gegen die Lungenkrankheit Covid-19 ebenso wie Impfstoffe gegen andere Krankheiten weltweit zu verteilen, kündigte Ministerpräsidentin Erna Solberg an. Das Geld solle an die Impfallianz GAVI gehen, die einer der Partner der Geberkonferenz ist. Solberg bedauerte, dass die Vereinigten Staaten sich nicht in dem Bündnis engagieren. “Es ist schade, dass die USA nicht mitmachen. Wenn man in einer Krise steckt, geht man das gemeinsam an.” Frankreich versprach 500 Millionen Euro und Spanien 125 Millionen Euro.

Experten halten 7,5 Milliarden Euro als Anschubfinanzierung für nötig, um Impfstoffe, Medikamente und neue Schnelltests zu entwickeln. Die Mittel sollen später zu erschwinglichen Preisen weltweit verfügbar sein – egal, wo sie entwickelt wurden und wer dafür bezahlt hat. Dass die Anschubfinanzierung dafür nicht ausreichen wird, ist schon jetzt klar. “Wir wissen, dass dies nicht die letzte Konferenz war und dass noch mehr Anstrengungen nötig sein werden”, sagte Merkel.

EU-Wirtschaftskommissar rechnet mit EU-Wiederaufbaufonds in Höhe von 1,5 Billionen Euro

Der geplante Wiederaufbaufonds für die europäische Wirtschaft nach der Corona-Krise wird sich nach Einschätzung von EU-Wirtschaftskommissar Paolo Gentiloni auf rund 1,5 Billionen Euro belaufen.

Biontech und Curevac suchen in Deutschland nach Impfstoff

Auch in Deutschland arbeiten mehrere Firmen fieberhaft an einem Impfstoff: Als erstes deutsches Unternehmen erhielt die Mainzer Firma Biontech im April die Zulassung, einen von ihr entwickelten Impfstoff an Menschen zu testen. Das Tübinger Unternehmen CureVac, das von der EU mit 75 Millionen Euro gefördert wird, will seinen Impfstoff zum Sommerbeginn in die klinische Erprobung am Menschen bringen. Der US-Biotechkonzern Moderna hatte Mitte März die weltweit erste klinische Studie gestartet.

Zu den Gastgebern der Konferenz zählten neben der EU unter anderem Deutschland, Frankreich, Norwegen, Italien, Spanien, Großbritannien und Saudi-Arabien, das den Vorsitz der Gruppe der 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G20) innehat. Partner sind die Weltgesundheitsorganisation WHO, die Bill & Melinda-Gates-Stiftung, die Impfallianz Gavi und die Weltbank.

Melden Sie sich für "The Capitals" an

Vielen Dank für das Abonnieren des The Capitals Newsletters!
  • Mit EURACTIV immer auf dem Laufenden!

Subscribe to our newsletters

Subscribe
UNTERSTÜTZEN