Georgien meldet Cyberangriffe – und verdächtigt Russland

Kommt er zurück? Zumindest "drohen" Hacker mit Saakaschwilis Bild. [David Osborn, Twitter]

Das georgische Außenministerium hat am Donnerstag mitgeteilt, dass bereits im Oktober 2019 ein massiver Cyberangriff auf die staatlichen Institutionen und Medien des Landes stattgefunden habe. Untersuchungen hätten ergeben, dass Russland dafür verantwortlich sei.

„Am 28. Oktober 2019 wurde ein groß angelegter Cyberangriff gegen die Websites, Server und andere Betriebssysteme der Administration der Präsidentin von Georgien, die Gerichte, verschiedene Gemeindeversammlungen, staatliche Einrichtungen, Organisationen des privaten Sektors und Medien gestartet. Infolge des Angriffs wurden die Server und Betriebssysteme dieser Organisationen erheblich beschädigt, wodurch ihre Funktionalität stark beeinträchtigt wurde,“ teilte das georgische Außenministerium mit.

Tausende staatliche, private und Medien-Websites wurden von Hackern ausgeschaltet und mit einem Bild des ehemaligen Präsidenten Micheil Saakaschwili mit der Überschrift ‚Ich komme wieder‘ versehen.

Georgien war einst eine Sowjetrepublik, will heute aber dem westlichen Bündnis NATO sowie der EU beitreten. In einem fünftägigen Krieg mit Russland im August 2008 verlor das Land rund 20 Prozent seines Territoriums – die Regionen Abchasien und Südossetien, die nun mehr oder weniger unter russischer Kontrolle stehen. Saakaschwili, der inzwischen im Exil lebt, war damals Präsident Georgiens. Viele im Land werfen ihm vor, einen Krieg provoziert zu haben, den das Land nicht gewinnen konnte.

Diplomatischen Quellen hatten EURACTIV.com bereits zuvor mitgeteilt, die georgischen Behörden würden Ankündigung bezüglich der Cyberattacke machen, sobald sie Beweise über seinen Ursprung gesammelt hätten.

Nun hieß es von Seiten des Außenministeriums: „Die von den georgischen Behörden durchgeführten Untersuchungen und die durch die Zusammenarbeit mit Partnern gesammelten Informationen führten zu dem Schluss, dass dieser Cyberangriff von der Hauptdivision des Generalstabs der Streitkräfte der Russischen Föderation geplant und durchgeführt wurde.“

Indes erklärten auch die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich in eigenen Erklärungen, der Angriff sei von einer Einheit des russischen militärischen Nachrichtendienstes GRU, auch bekannt unter Namen wie Einheit 74455 und Sandworm, durchgeführt wurde.

Zuvor war Sandworm von US-Cybersicherheitsfirmen bereits für Attacken auf ukrainische Systeme verantwortlich gemacht worden; ebenso wie für Versuche, die französischen Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen.

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„Die Vereinigten Staaten fordern Russland auf, dieses Verhalten in Georgien und anderswo einzustellen,“ erklärte US-Außenminister Mike Pompeo und fügte hinzu, dass Washington Georgien Unterstützung gewähren werde, um die Fähigkeiten des Landes zu verbessern, solche Angriffe künftig besser abwehren zu können.

Aus dem britischen Außenministerium unter Dominic Raab hieß es: „Diese rücksichtslose und dreiste Kampagne des GRU mit Cyberangriffen gegen Georgien – eine souveräne und unabhängige Nation – ist absolut inakzeptabel.“

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg teilte ebenfalls mit, die georgische Regierung habe festgestellt, dass Russland hinter den Cyberangriffen stehe. Daher halte er fest: „Ich verurteile solche böswilligen Aktivitäten.“ Der Europäische Auswärtige Dienst hatte zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieses Artikels im englischen Original noch nicht reagiert.

Moskau wiederum bestreitet eine Beteiligung am Hack gegen georgische Regierungswebsites: „Russland hat bisher nicht geplant und plant auch weiterhin nicht, sich in irgendeiner Weise in die inneren Angelegenheiten Georgiens einzumischen,“ betonte Vize-Außenminister Andrej Rudenko gegenüber russischen Nachrichtenagenturen.

(Bearbeitet von Benjamin Fox und Tim Steins)

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