Gabriel: Deutschland darf nicht in Falle von Großmächten laufen

Der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel.

Deutschland darf sich nach Ansicht von Außenminister Sigmar Gabriel von Großmächten nicht in die „Falle“ zu starker bilateraler Kontakte locken lassen.

In der EU gebe es nicht ein Land, das alles dominieren könne, sagte Gabriel heute in Berlin bei einer Veranstaltung zu Ehren des früheren Außenministers Hans-Dietrich Genscher. „Wir dürfen uns nicht verführen lassen von Peking, Moskau oder Washington, die immer nur mit uns reden wollen“, sagte der Minister. Hintergrund sind etwa Äußerungen aus der US-Regierung, dass man auch Handelskonflikte mit Deutschland bilateral und nicht mit der zuständigen EU regeln wolle.

US-Regierung will Handelsprobleme mit Deutschland bilateral lösen

Die Trump-Regierung will das hohe amerikanische Defizit im Handel mit Deutschland von zuletzt 65 Milliarden Dollar bilateral klären – und damit nicht im Rahmen der EU.

Gerade in einer Zeit, in der man Europa zusammenhalten müsse, sei es in der EU wichtig, „den anderen eine zugewandte Seite zu zeigen, nicht die Stärke in den Mittelpunkt zu stellen, nicht Gefolgschaft zu fordern“. Es sei wichtig, dass „wir uns nicht in Falle locken lassen, dass man immer nur mit uns reden will. Das machen die Chinesen, die Russen und die Amerikaner derzeit leider gemeinsam“, sagte er.

Gabriel hatte bereits vergangene Woche gemahnt, dass Deutschland mehr Rücksicht auf kleine EU-Staaten nehmen müsse. Der SPD-Politiker forderte bei allen Problemen mit Russland zudem, das Land bei der Lösung internationaler Probleme einzubinden. „Wir können uns nun mal Nachbarn nicht aussuchen“, sagte er mit Blick auf die geografische Lage Europas.

Handel: Misstöne zwischen Deutschland und China

Die Übernahmen deutscher Firmen durch chinesische Investoren wecken zunehmend Sorgen um einen möglichen Ausverkauf von deutschem Know-how. Wirtschaftsminister Gabriel reist in der kommenden Woche nach Peking.

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