Friedensnobelpreisträger Yousafzai und Satyarthi: Mutige Kämpfer für Kinderrechte

Unermüdliche Kämpferin für Kinderrechte und Bildung: Nobelpreisträgerin Malala Yousafzaia. Foto: EP

Nach den umstrittenen Preisverleihungen der vergangenen Jahre geht der diesjährige Friedensnobelpreis an zwei unermüdliche Kämpfer für die Rechte von Kindern und Jugendlichen: den Inder Kailash Satyarthi und die Pakistanerin Malala Yousafzai. Zahlreiche EU-Vertreter lobten die Auszeichnung angesichts von 170 Millionen Kinderarbeitern und der anhaltenden Unterdrückung von Mädchen auf der ganzen Welt als wichtiges Zeichen.  

Zu den Favoriten zählten Papst Franziskus, der Whistelblower Edward Snowden und die pakistanische Kinderrechtsaktivistin Malala Yousafzaia. Letztlich aber entschied sich das norwegische Nobel-Komitee nach den teilweise stark kritisierten Preisverleihungen der letzten Jahre – unter anderem an Barack Obama, die EU und die Organisation für das Verbot chemischer Waffer (OPCW) -, den diesjährigen Friedensnobelpreis an zwei mutige Kämpfer für die Rechte der Kinder und Jugendlichen zu vergeben: Yousafzaia erhielt die Ehrung gemeinsam mit dem Inder Kailash Satyarthi.

Die zwei Preisträger seien unermüdlich gegen Ausbeutung und Versklavung von Kindern sowie für das Recht von Mädchen auf Bildung eingetreten, begründete das Komitee in Oslo die Auszeichnung. Das Recht, eine Schule zu besuchen sowie vor Ausbeutung geschützt zu sein, würden zu den grundlegenden Menschenrechten gehören.

Rund 168 Millionen Kinderarbeiter gebe es auf der Welt, mahnte der Chef des Nobel-Komitees, Thorbjoern Jagland. „Im Jahr 2000 war diese Zahl um 78 Millionen höher.“ Die Welt nähere sich ihrem Ziel, Kinderarbeit abzuschaffen.

Schulbesuch muss ein Grundrecht für Mädchen sein

Die heute 17 Jahre alte Yousafzai kämpfte schon als Elfjährige für das Recht von Mädchen auf Schulbildung. Damit machte sie sich die im pakistanischen Swat-Tal herrschenden Taliban zu Gegnern, die Mädchen den Schulbesuch untersagt hatten.

2012 wurde Yousafzai schwer verletzt, als Taliban-Kämpfer ihren Schulbus angriffen und gezielt auf das Mädchen schossen. Obwohl sie schwer verletzt wurde und mehrere Jahre medizinische Behandlung brauchte, gab Yousafzai ihr Engagement nicht auf.

Zahl der Kinderarbeiter rückläufig

Der 60-jährige Satyarthi kämpft bereits seit vielen Jahren gegen die Ausbeutung von Kindern. Unter anderem begründete er die Südasiatische Vereinigung gegen Kindersklaverei (SACCS) mit und führte ein Siegel in der Teppichindustrie ein, das Produkte markiert, die ohne Kindersklavenproduziert wurden.

EU lobt starken Willen der Preisträger

Zahlreiche Vertreter der Europäischen Union zeigten sich erfreut über die Wahl der Preisträger.

Der Präsident des Europäischen Parlaments, Martin Schulz, sagte, das Parlament sei „zutiefst berührt“ gewesen von der Rede, die Malala Yousafzai vergangenen November in Straßburg gehalten habe und in der sie zu mehr Aufmerksamkeit für Kinder ohne Bildung aufgerufen hatte. „Diese Kinder wollen kein I-Phone, keine X-Box, Playstation oder Schokolade, sie wollen nur ein Buch und einen Stift“, hatte Yousafzai damals gemahnt.

Auch Manfred Weber, Fraktionsvorsitzender der EVP-Gruppe im EU-Parlament, lobte die Ehrung von Yousafzai . „Malala erinnert daran, dass in vielen Teilen der Welt Frieden, Gleichberechtigung und Bildung nicht selbstverständlich sind und großer Wille nötig ist, um dafür einzutreten“, sagte Weber.

Zeichen gegen Unterdrückung und Gewalt

Auch EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy und Kommissionspräsident José Manuel Barroso sowie die EU-Bildungskommissarin Androulla Vassiliou nannten die Entscheidung ein „Tribut an das unanfechtbare Recht auf Bildung für alle Kinder sowie an den Kampf für die weibliche Gleichbehandlung“.

„Die Entscheidung sendet gleichzeitig eine starkes Zeichen an jene, die die fundamentalen Rechte auf Bildung durch Gewalt, Unterdrückung und feige Bedrohungen anzuzweifeln versuchen„, sagten Rompuy und Barroso. Doch Malala und Satyarthi würden sich ebenso wenig bedrohen lassen wie die EU.

Im Jahr 2012 war die Staatengemeinschaft der EU selbst mit dem Friedensnobelpreis geehrt worden. Die Europäische Union hatte damals entschieden, das mit der Verleihung verbundene Preisgeld für vier Projekte im Rahmen der EU-Initiative „Kinder des Friedens“ zu nutzen. 23.000 von Krieg und Konflikten betroffene Kinder sollten davon profitieren.

Die Verleihung an die EU war jedoch trotzdem höchst umstritten. Kritiker verwiesen unter anderem auf die europäische Flüchtlingspolitik, wegen der jedes Jahr Tausende Migranten im Mittelmeer ertrinken würden, sowie auf die schlechten Lebensbedingungen von Flüchtlingen in den EU-Staaten.

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