Französisches Militär bombardiert IS-Stellungen in Syrien

Als Reaktion auf die Anschläge von Paris hat die französische Luftwaffe ihre bislang schwersten Angriffe auf Stellungen der Extremisten-Miliz Islamischer Staat in Syrien geflogen.

Ziel war die IS-Hochburg Rakka, wie das Verteidigungsministerium in Paris am Sonntagabend mitteilte. Zehn Kampfflugzeuge hätten 20 Bomben auf ein Kommandozentrum, ein Rekrutierungszentrum, ein Munitionsdepot und ein Ausbildungslager abgeworfen. Bei der Fahndung nach Attentätern und Hintermännern der Anschläge führen die meisten Spuren nach Belgien. Dabei gab es allerdings eine Panne. Ein gesuchter Verdächtiger wurde von Polizisten zwar in einem Auto an der belgischen Grenze angehalten und kontrolliert, dann aber weiterfahren gelassen.

Wie zuvor Präsident François Hollande kündigte Ministerpräsident Manuel Valls eine „gnadenlose“ Jagd nach den Hintermännern der Anschlagserie an. Kurz vor den Luftangriffen vereinbarten Frankreich und die USA einen verstärkten Kampf gegen die IS-Miliz. Frankreich gehört zu den Gründungsmitgliedern der US-geführten Koalition gegen den IS und hat sich von Anfang an an Luftangriffen im Irak und in Syrien beteiligt. Die Extremisten-Miliz bezeichnete die Anschläge als Vergeltung dafür.

Bei der Suche nach den Hintermännern der Anschläge weisen die meisten Spuren in die belgische Islamisten-Szene. In Brüssel wurden deswegen sieben Verdächtige festgenommen. Die französische Polizei sucht zudem nach einem Verdächtigem mit französischem Pass, der in Belgien geboren sei. Er soll mit zwei seiner Brüder Justizkreisen zufolge an der Vorbereitung der Anschläge beteiligt gewesen sein. Einer der Brüder sei bei den Attentaten ums Leben gekommen, der andere sei in Belgien festgenommen worden. Bei der Fahndung gab es allerdings eine Panne. Der 26-Jährige wurde am Samstag an der belgischen Grenze in einem Auto angehalten und kontrolliert, durfte aber weiterfahren. Der Mann wird mittlerweile mit einem internationalen Haftbefehl gesucht. Er sei gefährlich, hieß es.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière zeigte sich alarmiert über die mögliche Flucht eines oder mehrerer der Attentäter. „Es ist besorgniserregend, dass möglicherweise eine Tätergruppe noch unterwegs ist“, sagte der CDU-Politiker im ZDF. Der Vorsitzende der Innenministerkonferenz (IMK), Roger Lewentz (SPD), forderte die Bevölkerung zur verstärkten Wachsamkeit auf. Die Bürger müssten melden, wenn sich Menschen in ihrem Umfeld radikalisierten, sagte der rheinland-pfälzische Innenminister der Zeitung „Die Welt“.

Die französischen Ermittler waren durch zwei in unmittelbarer Nähe der Tatorte abgestellte Autos mit belgischen Nummernschildern auf die Spur nach Belgien gekommen. Die Fahrzeuge sollen von den Attentätern genutzt worden sein. Unter anderem soll der gesuchte Verdächtige die Autos in Belgien gemietet haben.

Mindestens einer der Attentäter könnte getarnt über Griechenland als Flüchtling in die Europäische Union gelangt sein. Dies löste eine Debatte über Begrenzungen und schärfere Kontrollen der Flüchtlingsströme aus. Die Staats- und Regierungschefs der 20 führenden Schwellen- und Industrieländer (G20) riefen zu Beginn ihres Gipfeltreffens in der Türkei zum gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus auf. „Wir setzen hier beim G20-Gipfel ein entschlossenes Signal, dass wir stärker sind als jede Form von Terrorismus“, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Die Angreifer hatten abgestimmt in drei Teams in einem Pariser Ausgeh-Viertel sowie beim Stade de France während des Fußball-Länderspiels Frankreich-Deutschland am Freitagabend willkürlich Menschen getötet. Insgesamt kamen 132 Menschen ums Leben, darunter mindestens auch ein Deutscher. Sicher ist bislang, dass sieben der Angreifer starben. Sechs zündeten ihren Sprengstoffgürtel, einer wurde erschossen.