Flüchtlinge: Italien schlägt weltweite Umsiedlung von Libyen aus vor

Die Operation Sophia zur Seenotrettung von Flüchtlingen [Foto: dpa (Archiv)]

Angesichts des Widerstands vieler europäischer Staaten will Italien in Libyen gestrandete Flüchtlinge weltweit umsiedeln. Das Land plant ein Pilotprojekt mit tausend Schutzbedürftigen.

In einem Pilotprojekt könnten zunächst rund tausend besonders schutzbedürftige Flüchtlinge von Ländern in der ganzen Welt aufgenommen werden, die sich dazu bereit erklären, sagte der italienische Außenminister Angelino Alfano am Donnerstag vor einem Parlamentsausschuss in Rom.

Alfano bezeichnete das Verfahren als „revolutionär“. Er räumte zugleich ein, dass viele der potenziellen Gastgeberländer, die keine Botschaft in Libyen mehr hätten, auf anderen Wegen genaue Informationen über die betreffenden Flüchtlinge erhalten müssten.

Gabriel fordert Debatte über Schicksal von Flüchtlingen in Libyen

Außenminister Sigmar Gabriel hat eine Debatte darüber gefordert, wie Flüchtlinge und Migranten nach ihrer Rückkehr nach Libyen behandelt werden.

Italien ist eines der Hauptankunftsländer für Flüchtlinge, die in die EU wollen. Seit 2014 trafen über 600.000 Menschen aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten in dem südeuropäischen Land ein. Viele von ihnen kamen über die lebensgefährliche Mittelmeer-Route aus Libyen.

Ein hoch umstrittenes Programm zur Umverteilung von Flüchtlingen innerhalb der EU lief am Mittwoch aus. Doch nur rund ein Fünftel der bis zu 160.000 Asylsuchenden, die zur Entlastung der Hauptankunftsländer Italien und Griechenland mit Hilfe eines Quotensystems auf andere EU-Staaten verteilt werden sollten, fand tatsächlich eine neue Heimat.

Frankreich will Hotspots für Flüchtlinge in Libyen ab Sommer

Frankreich will noch in diesem Sommer sogenannte Hotspots für Flüchtlinge im nordafrikanischen Krisenstaat Libyen einrichten.

Die EU-Kommission will nun die Mitgliedstaaten zur freiwilligen Aufnahme von „mindestens 50.000“ schutzbedürftigen Flüchtlingen in den kommenden beiden Jahren bringen. Sie stellt demnach pro aufgenommenem Flüchtling 10.000 Euro bereit. Abschiebungen abgelehnter Asylbewerber sollen gleichzeitig beschleunigt werden.

Weitere Informationen

Hilfsorganisationen stoppen Seenotrettung vor Libyen

Nach Ärzte ohne Grenzen haben zwei weitere Hilfsorganisationen ihre Rettungseinsätze im Mittelmeer gestoppt.

Subscribe to our newsletters

Subscribe