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24/01/2017

Flüchtlingskrise: Slowenien erwägt Abriegelung der Grenze

EU-Außenpolitik

Flüchtlingskrise: Slowenien erwägt Abriegelung der Grenze

Auch Slowenien könnte bald einen Grenzzaun gegen Flüchtlinge errichten.

[PROfdecomite/Flickr]

Nachdem Ungarn seine Grenzen mit einem Zaun geschlossen hat, verläuft die sogenannte Balkanroute unter anderem über Slowenien. Wegen völliger Überlastung denkt das kleine EU-Land nun auch über den Bau eines Grenzzauns nach. Logistisch könnte das jedoch laut Ministerpräsident Cerar schwierig werden.

Slowenien erwägt den Bau eines Zauns an der Grenze zu Kroatien.

Sollte auf dem Balkan-Gipfel am Sonntag keine Lösung in der Flüchtlingskrise gefunden werden, werde das Land alle ihm zur Verfügung stehenden Möglichkeiten prüfen, sagte Ministerpräsident Miro Cerar. Dazu zähle auch die Abriegelung der Grenze. „Zunächst setzen wir auf eine europäische Lösung“, sagte Cerar. „Sollten wir auf der europäischen Ebene aber die Hoffnung verlieren, sind alle Optionen möglich, denn dann sind wir auf uns selbst gestellt“, sagte er im staatlichen Fernsehen.

Slowenien hält den Bau eines Grenzzauns nicht zuletzt aus logistischen Gründen für schwierig. Cerar verwies auf die 670 Kilometer lange Grenze zu Kroatien. „Einen Zaun zu bauen wäre schwierig, und selbst wenn er errichtet ist, müssen Polizei und Armee ihn ständig überwachen“, sagte der Ministerpräsident. 

Nachdem Ungarn seine Grenzen mit einem Zaun geschlossen hat, verläuft die sogenannte Balkanroute über Kroatien und Slowenien. Seit Samstag sind nach Angaben des slowenischen Innenministeriums 47.000 Flüchtlinge in das Land gekommen. Allein in den letzten 24 Stunden waren es gut 10.000. Cerar warf dem Nachbarn Kroatien vor, zu viele Flüchtlinge zu schnell nach Slowenien zu schicken. Das Land sei zu klein und habe zu wenig Mittel, um der Lage Herr zu werden, warnten Regierungsvertreter. Slowenien hat bereits EU-Hilfe angefordert. Das Land erhofft sich vom Brüsseler Gipfel zur Flüchtlingskrise auf der Balkanroute Finanzhilfen von 140 Millionen Euro sowie logistische und humanitäre Unterstützung, um den Flüchtlingsandrang in den Griff zu bekommen.