Ex-Mitarbeiter werfen EU Versagen bei Rettung eigener Ortskräfte aus Kabul vor

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold rief EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf, die Evakuierung der afghanischen Ortskräfte der EU-Missionen "zur Chefsache" zu machen. [EPA/OMER MESSINGER]

Ex-Mitarbeiter der EU-Polizeimission Eupol und die Grünen im Europaparlament werfen Brüssel Versagen bei der Rettung afghanischer Ortskräfte der EU vor.

„Unsere Ortskräfte fallen durch den Rost, einfach, weil sich keiner zuständig erklärt und Brüssel sagt: Wir können selber nicht handeln, weil wir kein Visum erteilen können“, sagte die ehemalige Personal- und Verwaltungschefin von Eupol in Afghanistan, Andrea Thies, der „Augsburger Allgemeinen“ am Donnerstag (02. September).

„Es gibt gegenwärtig noch in Kabul zwischen 60 und 80 afghanische frühere Eupol-Mitarbeiter, die weder eine Aufnahmeerklärung, Bestätigung oder irgendeine andere Unterstützung der EU haben“, sagte Thies. „Wir dürfen diese Menschen nicht im Stich lassen, die EU ist verantwortlich auch für ihre afghanischen Mitarbeiter.“

Lediglich die Niederlande hätten 35 afghanische EU-Ortskräfte aufgenommen, nachdem ein früherer Generalstaatsanwalt und Eupol-Ausbilder Druck auf die Regierung in Den Haag ausgeübt habe, berichtete Thies.

Ehemalige Eupol-Mitarbeiter hätten der EU zahlreiche Ortskräfte genannt, die in Kabul vor dem Sturz der afghanischen Regierung auf Rettung gewartet hätten. „Unser Team hat dann zusammen mit unseren lokalen Mitarbeitern in Kabul bis Anfang August eine Liste zusammengestellt, die 131 Namen umfasste. Darauf standen alle Ortskräfte, die noch in Kabul gelebt haben und die in dieser Zeit schon gefährdet waren.“

Der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold rief EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf, die Evakuierung der afghanischen Ortskräfte der EU-Missionen „zur Chefsache“ zu machen.

Es gehe dabei auch um frühere Mitarbeiter der EU-Delegation sowie des europäischen Hilfsprogramms Echo. Die Zahl aller Ortskräfte und ihrer engsten Familienangehörigen schätzt Giegold auf 600, von denen nur ein kleiner Teil ausgeflogen werden konnte. Es sei „erbärmlich“, dass sich die EU-Kommission und Mitgliedstaaten die Verantwortung für Ortskräfte noch immer hin und her schöben, sagte Giegold.

Das USA hatten am Montag ihre letzten Soldaten aus Afghanistan abgezogen. Damit endete auch der internationale Evakuierungseinsatz. Die US-Armee hatte nach der Machtübernahme der Taliban in Kabul zunächst weiter den Flughafen in Kabul gesichert. In der Nacht zum Dienstag übernahmen dann die Islamisten die Kontrolle über den Flughafen.

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